Die Funktion der Pulsadern und der Kreislauf des Blutes in altrabbinischer Literatur / von Dr. S. Mendelsohn.
- Samuel Mendelsohn
- Date:
- 1920
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Credit: Die Funktion der Pulsadern und der Kreislauf des Blutes in altrabbinischer Literatur / von Dr. S. Mendelsohn. Source: Wellcome Collection.
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![IO und Physiologie zu dem Schluß, daß die Schechitah (= Schäch- tung, womit der senkrechte Durchschnitt der Luft- und der Speise¬ röhre mit den Weridin1) — Blutgefäßen ■— gemeint ist) das Blut schnell und vollständig ableite2). Dies stellten sie als Norm auf, bestanden aber gleichzeitig darauf, daß die Organe von der Vorder¬ seite aus geschnitten werden müssen. Der Schnitt über den Nacken macht das Tier als Speise rituell untauglich3). Dieser Schluß ist einer Betrachtung wert. Da es doch der Zweck der Schächtung (des Schlachtens) ist, das Tier zu töten und ihm das Blut zu entziehen4), warum denn auf dem Vorder¬ zehn Monate unter Hirten zu, um zu erlernen, welche äußeren Gebrechen dem Tiere lebenslänglich anhaften, und welche vorübergehend sind (Sanh. 5b). Sein Kollege, der schon erwähnte Astronom Mar Samuel, soll ein sicheres Zeichen des Anfanges weiblicher Pubertät (Niddah 47 a), sowie mehrere Tierkrankheiten entdeckt haben (s. Cbullin 42 b, 50 b, und a. m.). Derselbe erfand auch ein Mittel gegen Augen¬ leiden, das unter dem Namen »Mar Samuels Collyrium« berühmt wurde (Schab. 108 b). Er und Rab erörterten die Wirkung von Verletzungen der großen Pulsader (Aorta), wobei letzterer den richtigen Sachverhalt darlegt, nämlich, daß die geringste Perforie¬ rung derselben tödlich sei. Im Zusammenhang damit wird R. Nachmans Aufzählung der Hauptzweige der Aorta angeführt: »Der eine ins Herz reichende [das eigentliche Herzrohr], der andere sich nach der Lunge begebende [Galens Phleps Arteriodes] 9 und der dritte in die Leber einziehend« -—- die Vena Cava (Chullin 45 b). R. Jere- miah bar Abba beschäftigte sich mit Untersuchungen gewisser Adern-Gewebe (vaskulöse Plexus. — Das. 57 b). 4) Siehe S. 20 f. 2) Chullin II, 1; 27 af. —- Das Wort Schechitah (= Schächtung) stammt von dem hebräischen Zeitwort Schachat (schlachten, insbesondere von Tieren); und da letzteres auch die Bedeutung von »strecken« oder »ziehen« hat, so verstehen die Rabbinen unter Schächtung das Töten vermittelst des Ziehens (des Messers). Der Talmud liefert mehrere derartige Wortspiele, die der rabbinischen Schächtungsmethode biblische Vollmacht einräumen sollen; schließt aber mit der Bemerkung, daß dieselben nur mnemonische Hilfs¬ worte seien, während die Schlachtmethode selbst eine uralte Überlieferungsvorschrift sei (das.). 3) Chullin I, 4; 19 b. — Auch die Karaiten, obgleich sie den Rabbinismus nicht befolgen, sondern bestreiten, üben das rabbinische Schächtungsgesetz aus. So schreibt Aaron aus Nikomedia (karaitischer Theolog und Philosoph — 1300—-1369): »Die fehler¬ freie Schächtung erfordert die Durchschneidung von vier Teilen, nämlich der Luftröhre, der Speiseröhre und der beiden Weridin. Ist einer dieser Teile undurchschnitten geblieben, so ist die Schächtung mangelhaft.Der Hauptzweck der Schächtung ist das Ableiten des Blutes, und das Blut wird abgeleitet durch den Einschnitt in die Weridin« (Gan Eden, Injan Schechitah, K. 10; vgl. Elijah Baschjazi, Aderet Elijahu, Injan Schechitah, K. 2). 4) Rabbinischer Ansicht nach ist der Zweck des ursprünglichen, den Noachiden erteilten Verbotes: »Esset das Fleisch nicht, das noch in seinem Blute ist« (Gen. IX, 4), Einwand zu erheben gegen die Grausamkeit, Avelche wilde Völker gegen. Tiere ausübten,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29980318_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


