Ueber die Urform des menschlichen Schädels : ein beim Anthropologischen Congresse in Paris am 30. August 1867 gehaltener Vortrag / von Hermann Schaaffhausen.
- Hermann Schaaffhausen
- Date:
- [1868]
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Credit: Ueber die Urform des menschlichen Schädels : ein beim Anthropologischen Congresse in Paris am 30. August 1867 gehaltener Vortrag / von Hermann Schaaffhausen. Source: Wellcome Collection.
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![phalen Chimpansi dem brachyceplialen Orangutang gegenüber gestellt. Agassiz hatte hervorgehoben, dass in Asien und Afrika die grossen Affen und die Menschenrassen dieselbe Hautfarbe hätten. Ich selbst habe darauf aufmerksam gemacht'), dass auch der Gorilla ein Dolichocephale sei, und dass die Annäherung zweier Menschenrassen an die in Farbe und Schädel- form ebenso unterschiedenen Affen derselben Länder als der wichtigste Ein- wurf erscheine, den man bei dem gegenwärtigen Zustande unseres Wissens gegen die Einheit des, Menschengeschlechtes machen könne. Die Ausgüsse von Affen- und Rassenschädeln, also die Hirnformen lassen die angeführte typische Uebereinstimmung noch viel deutlicher erkennen, als die Schädel selbst, deren vorspringende Knochenkämme und Stirnwulste bei den Affen den äussern Umriss der Hirnschale nicht bestimmt genug hervortreten las- sen. In Uebereinstimmung mit den angeführten Beobachtungen nennt auch Th. L. Bischoff 2) den Orangutang brachycephal, den Gorilla und Chimpansi dolichocephal, und fügt die Bemerkung hinzu, dass sich dieser Unterschied schon bei ganz jungen Thieren herausstelle. Yirey hatte sogar auf eine psychische Aelmlichkeit des Negers mit dem wilden afrikanischen Affen, sowie des Asiaten mit dem sanften und gelehrigen Orangutang hingewiesen. Es ist indessen auch der Chimpansi sanft und zähmbar. Wenn man unter Rassen, wde das Wort es ursprünglich bezeichnet, Wurzeln der Menschen- stämme verstehen will, so bleiben von den bis jetzt unterschiedenen Rassen- formen, deren Buffon zuerst 6, dann wie Blumenbach durch Vereini- gung der Lappländer mit den Tartaren 5, Rudolphi durch Aufgabe der malayischen Rasse 4, undCuvier durch Verwerfung der amerikanischen 3 angenommen hatten, nur zwei, eine asiatische und eine afrikanische als sicher begründete übrig, und die Zukunft wird darüber entscheiden, ob wirklich die im Schädelbau unterschiedenen ältesten Volksstämme Euro])a’s als aus Asien oder aus Afrika eingewandert zu betrachten sind. Der Australneger, dessen Dasein gegen eine solche Ansicht zu sprechen scheint, verräth doch durch die Höhe seines Schädels und die stark vorspringenden Scheitelhöcker eine Hinneigung zum Malayen. Es darf hierbei noch daran erinnert werden, dass auch die älteste menschliche Cultur zwei Ausgangspunkte gehabt hat, 1) Vei’handlungen des Naturhist. Vereins. Bonn 1864. p. 97. 2) Ueber die Verschiedenheit in der Schädelbildung des Gorilla. Chimpause und Orang-Outaug. Mün- chen 1867. p. 71.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22289914_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


