Ueber die Urform des menschlichen Schädels : ein beim Anthropologischen Congresse in Paris am 30. August 1867 gehaltener Vortrag / von Hermann Schaaffhausen.
- Hermann Schaaffhausen
- Date:
- [1868]
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Credit: Ueber die Urform des menschlichen Schädels : ein beim Anthropologischen Congresse in Paris am 30. August 1867 gehaltener Vortrag / von Hermann Schaaffhausen. Source: Wellcome Collection.
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![einen Schädel, dessen Gesichtsknochen auf einer Seite durch lange dauern- den Krampf ganz zusammengezogen waren. Merkwürdig ist auch ein von Busch beschriebener Fall, wo in Folge der Zusammenziehung des Nar- bengewebes nach einer Yerbrennung die Knochen der ganzen linken Ge- sichtshälfte atrophisch geworden waren. Auf der kranken Seite war auch die FEälfte der Zunge kleiner. Bass die Zunge dem Kieferraum entspricht, zeigt die grössere Zunge niederer prognather Rassen. A’irchow bemerkt, dass die Stellung des Oberkiefers auch durch die Zunge bestimmt werde, erweist auf die Cretins und auf einen Fall von Makroglossie hin. Ebenso zeigt Zillnei’ä), wie bei Cretinismus das Yorspringen der Zähne durch den Bruck der Zunge hervorgebracht wird. Bie Ansicht vonRetzius, dass die Bolichocephalie durch eine stärkere Entwicklung der hintern Lappen des grossen Gehirns hervorgebracht Averde, die ein Yorzug der menschli- chen Bildung sei, dass sie also eine höhere menschliche Form darstelle, steht mit dem thatsächlichen Yorkommen dieses Schädeltypus im Wider- spruche und entspricht auch nicht dem Bildungsgesetze des menschlichen Hirns. Nicht die Länge der hintern Lappen, sondern ihre zunehmende Breite und Höhe bedingen AmrzugSAveise ihre stärkere EntA\dcklung beim Menschen. Bie alte Vorstellung, dass nur beim 3fenschen, nicht beim Affen die hintern Lappen des grossen Hirns das kleine bedecken, ist als irrthüm- lich erkannt^). Bie Bemerkung Welckers; .,Ba die roheren Stämme der Baschkiren und Kalmücken als Prototv])en der Brachycephalie betrachtet sind, die schmälere Form aber für edler gilt und die Bolichocephalie des deutschen Schädels auf allen Zungen ist, so erscheint es als eine Art Ehren- sache, die Bolichocephalie des deutschen Schädels zu retten“ bezieht sich also nur auf ein viel Amrbreitetes Yorurtheil, zu dessen Beseitigung gerade die Forschungen W el c k e r s nicht wenig beigetragen haben. Auch Aeby) kam mittelst seiner Messungen zu dem Schlüsse, dass nicht die Länge son- dern die Breite das Avichtigste Kennzeichen des Schädels sei; er benutzt dieselbe zur Eintheilung der Schädel in Stenocephalen von 130 —148 und Eurycephalen A'on 159—168 Mm. Breite. 1) SitziiHgsber. der Viederrh. Gesellschaft in d. Verh. des Itaturhist. Ver. Bonn 1865. p. 20. 2) Virchows Archiv VII. p. 133. 3) Feber Idiotie. Jena 1860. p. 197. 4) Bericht über die Zusammenkunft einiger Anthropologen in Göttingen. Leipzig 1861. p. 33. 5) Die Schädelformen des Menschen und der Affen. Leipzig 1867.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22289914_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


