Lehrbuch der praktischen Augenheilkunde / von Dr. Carl Stellwag von Carion.
- Karl Stellwag von Carion
- Date:
- 1861
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Credit: Lehrbuch der praktischen Augenheilkunde / von Dr. Carl Stellwag von Carion. Source: Wellcome Collection.
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![Farbensehen oder Chrupsie; Photopsie: Kachbilder. 6^7 Circulation und Pulsation der Gefässe, ein leiser Druck auf das Auge, kleine Erschütterungen, selbst rasche Seitenbewegungen desselben, gleichzeitige plötz- liche Contractionen der vier- geraden Augenmuskeln u. s. w. Es präsentiren sich diese subjectiven Gesichtserscheinungen öfters in der Gestalt hellleuchtender weisser oder farbiger Wolken, Ringe u. s. w., welche einen grossen Theil des Gesichtsfeldes ausfüllen und sich unter mannigfaltigen Formwechseln in diesem herumzubewegen pflegen. Mitunter zeigt sich das Sehfeld wohl auch seiner ganzen Ausdehnung nach von einem gleichmässigen oder gewölkten, öfters wogenden oder vibrirenden ISTebel erfüllt, dessen Farbe gemeiniglich bläulich weiss, eben so oft aber auch gelb, grün, roth u. s. w. ist. Die Objecte leuchten dann nur undeutlich und bisweilen von Regenbogenfarben umsäumt durch den Nebel durch. Man beschreibt dieses Phänomen unter dem tarnen der Chromopsie oder Chrupsie, des Farbensehens. Am gewöhnlichsten zeigen sich die fraglichen Phosphene unter der Form mehr weniger heller weisser oder farbiger Blitze, Funken, Flammen, Räder, Kugeln u. s. w., welche an verschiedenen Punkten des Gesichtsfeldes auf- tauchen und dasselbe rasch in mannigfaltigen Pachtungen durchkreuzen, seltener an einem Punkte zu haften scheinen und aümälig erblassen, ohne ihren Ort verändert zu haben. Bisweilen häufen sie sich derart, dass sie das Gesichtsfeld nahezu ausfüllen und es solchermassen dem Kranken däucht, als sähe er in einen dichten Regen von flimmernden goldenen silbernen oder feurigen Tropfen, oder als wogte vor seinen Augen ein Meer von Flammen oder geschmolzenen Metallen. Der gebräuchliche ]Same für diese Art subjectiver Gesichtserscheinungen ist Photopsie oder Spintherismus. c) Die krankhafte Steigerang der Erregbarkeit macht endlich auch die Dauer der Reaction gegen objectiue Peize öfters zu einer unverhältniss- mässig langen. Es treten Nachbilder leichter auf, erreichen sehr namhafte Erleuchtungsintensitäten und klingen viel schwerer ab als in der jSTorm. Bei raschem Wechsel geschieht es daher leicht dass, während schon ein anderer Gegenstand zur Betrachtung gelangt, noch ein Nachbild des früher be- schauten Objectes vorhanden ist, dass also die Nachbilder sich mit den Eindrücken der in Sicht befindlichen Objecte mischen, die Wahrnehmungen also sich gegen- seitig confundiren und dass, indem die Nachbilder mit den Bewegungen des Auges ihren Platz wechseln, den ruhenden Objecten der Betrachtung eine scheinbare Bewegung mitgetheilt wird. Die Objecte scheinen so hin und her zu schwanken, zu tanzen und der Kranke wird schwindlich, wenn die in Sicht befindlichen Gegen- stände nur einigermassen rascher ihren Ort wechseln. Besonders starke und dauernde Eindrücke pflanzen sich gleichsam fest in den lichtempfindenden Apparat ein, so dass ihre Nachbilder Tage und Wochen lang im Gesichtsfelde haften oder wenigstens sogleich hervortreten, wenn der Kranke nur daran denkt. Waren diese Eindrücke der Form nach sehr mannigfaltig und icechselnd, so kömmt es wohl auch zu einem förmlichen Jagen von subjectiven Ge- sichtserscheinungen, deren eine die andere im Gesichtsfelde zu verdrängen sucht und welche bald das Gesehene einfach reproduciren, bald mehrere Eindrücke in Form von Nachbildern unter einander combiniren, bald aber ganz ungestaltete mannigfaltig gefärbte Figuren dem Sensorium vorspiegeln und so die Veranlassung zu den abenteuerlichsten Visionen geben. Es tritt die optische Hyperästhesie bisweilen scheinbar als ein selbst- ständiges Leiden auf, d. h. die Grundursache lässt sich absolut nicht erfor- schen. In einzelnen Fällen lässt sie sich zurückführen auf eine allgemeine Verstimmung des ^Nervensystems, wie sie die Hysterie, die Hypochondrie, das Delirium tremens, mannigfaltige Gehirnleiden, Vergiftung mit Narcoticis, mit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21002344_0697.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


