Ueber die Lymphgefässe und Lymphdrüsen der Zunge mit Beziehung auf die Verbreitung des Zungencarcinoms / von H. Küttner.
- Küttner, H.
- Date:
- [1897?]
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Credit: Ueber die Lymphgefässe und Lymphdrüsen der Zunge mit Beziehung auf die Verbreitung des Zungencarcinoms / von H. Küttner. Source: Wellcome Collection.
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![Uebrigens halte ich es nicht fiir ansgeschlossen, dass die Spei- cbeldriisen auch auf dem Blntwege carcinomatos inficiert werden konnen. Bei einigen zufalligen Veneninjektionen fand sich, dass die von Zunge nnd Mundboden kommenden Venen zahlreiche Aeste aus den Speicheldriisen bezieben. Auf die Bedeutung der Venen fur die herdweise Ausbreitung einer malignen Geschwulst hat bekanntlich erst neuerdings G o 1 d m a n n ]) besonders hingewiesen. Wie dem auch sein mag, jedenfalls ist die Thatsache zu kon- statieren, dass beim Zungencarcinom ausser der zum Mundboden ge- liorigen Sublingualis auch die Submaxillarspeicheldriise und die Pa- rotis, letztere besonders in ihrem unteren Abscbnitt, carcinomatos degenerieren konnen. Sclilussfolgerungen fiir die Operation des Zungencarcinoms. 1. Man soil, wie es beim Lippen- und Mammacarcinom schon langst getibt wird, auch beim Zungencarcinom typische Drii- senausraumungen vornehmen. Dies hat in jedem Fall zu ge- schehen, auch wenn das Carcinom klein ist und vergrosserte Driisen nicht gefuh.lt werden, denn einmal ist gerade bei einfachen Excisionen kleiner Carcinome vom Munde aus die Zahl der Recidive eine auf- fallend grosse (Wolfler), und zweitens findet man bei der Operation regelmassig viel mehr Driisen, als vorher gefiihlt wurden. 2. Infolge der Kontinuitat der oberflachlichen Lymphbahnen und infolge der Anastomosen zwischen den abfiihrenden Hauptstam- men ist es nicht moglich, jedem Zungenabschnitt bestimmte Lymph- driisengruppen zuzuerteilen, sondern man muss in jedem Falle von Zungencarcinom samtliche zum Lymphgebiet der Zunge gehorigen Driisen als inficiert betrachten. 3. Es miissen deshalb ausgeraumt werden die submaxilla- ren, submentalen und tie fen cervicalen Driisen. Da die Lymphe einer Zungenhalfte zu den beiderseitigen Driisen abfliesst, muss man die submaxillaren und tiefen cervicalen Driisen beider- s e i t s ausraumen und, weil es direkte Lymphbahnen von der Zunge zu den supraclavicularen Lymphdriisen giebt, muss die Ausraumung eventuell bis zur Clavicula ausgedehnt werden. 4. Wegen dieser direkten Bahnen ist ein Fall mit so weit nach abwarts reichenden Driisenmetastasen noch nicht unbedingt als in- operabel anzusehen. 1) Goldmann. Anatomische Untersuchungen iiber die Verbreitungswege bosartiger Gescliwiilste. Diese Beitriige. Bd. 18. S. 678.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b3059411x_0054.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)