Gerichtliche Psychiatrie : ein Leitfaden fur Mediziner und Juristen / von A. Cramer.
- Date:
- 1900
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Credit: Gerichtliche Psychiatrie : ein Leitfaden fur Mediziner und Juristen / von A. Cramer. Source: Wellcome Collection.
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![sclileclitsakt oder auch schliesslich als Ersatz für den Geschlechtsakt die Person, mit der sie sexuell verkehren, allerlei mehr oder minder g-rausamen Quälereien aussetzen. Zu der letzteren Kategorie gehören Mädchen- ^.uch die sogeuaunteu „Mädchen stech er, denen es eine wollüstige Stecher. ]^],iipfindung verursacht, wenn sie jungen Mädchen leichtere oder schwerere Verletzungen mit geeigneten Messern oder Dolchen bei- bringen. Andere wieder, die auch hierzu gehören, erreichen ihre ge- schlechtliche Befriedigung, indem sie Tiere in grausamer Weise quälen. Lustmörder. Vou liier Ms zum L u s t m ö r d e r ist es nur ein Schritt. Dieser erhält seine geschlechtliche Befriedigung dadurch, dass er sein Opfer auf die abscheulichste Weise zu Tode quält, und entweder bei den Zuckungen und dem Bluten seines Opfers oder wenn er Teile desselben verzehrt oder in den Verletzungen, die er ihm beigebracht, den Coitus vollzieht, Erektion und Ejakulation erreicht. ^) Auch die Leichenschänder gehören, wie Kkäpelin betont, hierher, das Beispiel des französischen Sergeanten Bertrand ist so be- kannt, dass ich nicht näher darauf eingehen will. Masochismns. Unter Masochismus versteht man die Erscheinung, dass ein Mensch nur dann sexuelle Befriedigung beim geschlechtlichen Verkehr empfindet, wenn er mehr oder minder dabei gequält, unwürdig behandelt oder gar beschmutzt wird. Es kann dabei soweit kommen, dass lediglich diese Beihilfe zum Coitus schon sexuelle Befriedigung her- vorruft. Fetischismus, Der Fetischismus stellt die Erscheinung dar, dass sexuelle Befriedigung nicht mehr durch den Coitus selbst, sondern durch allerlei Momente, welche mit dem anderen G-eschlecht in näherer oder ent- fernterer Beziehung stehen, herbeigeführt wird. Bekannt sind die Fälle, welche sexuelle Befriedigung nur dann erlangen, wenn ihnen irgend ein Gegenstand der Damengarderobe, namentlich Damenwäsche zur Verfügung steht. In einzelnen dieser Fälle kam es gerade zu einer Anklage wegen Diebstahls. Auf die anderen Variationen des Fetischismus, die begreiflicherweise Legion sein können, gehe ich nicht ein, weil sie im grossen und ganzen seltenere Vorkommnisse sind. Auch vermeide ich aus den eingangs dieses Kapitels erwähnten Gründen, '' Beispiele zu geben. Sodomie. Unter Sodomie schliesslich versteht man den sexuellen Verkehr mit den Tieren. * Handlungen, welche unter das Gebiet des Sadismus, Fetischismus oder Sodomie fallen, dürfen in forensisch psychiatrischem Sinne durch- aus nicht als unbedingt krankhaft aufgefasst werden. Als pathologisch bedingte Handlung dürfen sie erst bezeichnet werden, wenn ein krankhaftes Motiv zur Handlung sich erkennen Motiv'i?t^unte?lässt. Viele dieser Fälle betreffen Epileptiker, beginnende stlnden^Mh- P^-i'^ 1 ytiker, senil erkrankte Personen oder Alkoholiker, zuweisen. In anderen selteneren Fällen wieder handelt es sich um andere Formen von Seelenstörungen oder um pathologische Zwangszustände. Wenn sich Symptome der erwähnten Seelenstörungen nachweisen lassen, dann ist es ausser Zweifel, dass die sexuell auffällige Handlung ^) Vergl. auch: Leppmann, Der Lustmord in anthropolog. u. soziolog. Beziehung. Verhandl. d. Ges. deutscher Natui-forscher u. Aerzte. 1898. Leipzig, p. 371.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21903815_0294.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


