Gerichtliche Psychiatrie : ein Leitfaden fur Mediziner und Juristen / von A. Cramer.
- Date:
- 1900
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Credit: Gerichtliche Psychiatrie : ein Leitfaden fur Mediziner und Juristen / von A. Cramer. Source: Wellcome Collection.
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![Ist nun aucli noch das Bewusstsein der Aussenwelt und der Körper- lichkeit mehr oder weniger verändert, so kommt es leiclit zu allerlei schwereren oder leichteren Eechtsbrüchen. Durch besondere Intelligenz zeichnen sich die im veränderten Bewusstsein vorgenommenen Hand- lungen nicht aus, wohl aber häufig dadurch, dass sie mit dem sonstigen Verhalten des Kranken in direktem Widerspruch stehen, und häufig ganz unsinnige und auffallend rohe und gewaltthätige Handlungen darstellen. Der Grund der Bewusstseinseinengung kann sehr ver- schieden sein und fortwährend schwanken; die Dauer Sekunden, Mi- nuten, Stunden, Tage, Wochen und Monate betragen. ^ Klinische Rein klinisch bezeichnet man den leichtesten G-rad von Bewusst- ßfwuss^^ seinseinenguug mit Benommenheit. Die Kranken machen den seiusstöiungen. Ein^puc]^^ ^^yie jemand, der noch nicht vollständig wach ist. Man hat infolgedessen, wenn man mit ihnen spricht, immer Zweifel, ob sie auch alles richtig verstehen, was man zu ihnen sagt. Wird die Bewusstseinsstörung stärker, so spricht man von Som- nolenz. Die Kranken zeigen eine ausgesprochene Neigung zum Schlafen und schlafen stets ein, wenn die Eeize aus der Aussenwelt fern gehalten werden. Erweckt man sie und spricht sie an, so können sie meist noch verhältnismässig korrekt auf gestellte Fragen antAvorten, d. h. die Bewusstseinstrübung kann durch äussere Reize noch für einige Zeit zum Verschwinden gebracht Averden. Den nächst höheren Grad der Bewusstseinsstörung bezeichnet man als S o p o r. Die Kranken liegen apathisch da, reagieren nur noch auf die stärksten Reize, aut lautes Anrufen gelegentlich noch mit einem „Ja und „Nein. Der höchste Grad der Bewusstseinsstörung wird erreicht im C o m a. Es fehlt, abgesehen von der oft unregelmässigen Atmung und Herz- aktion, jede Lebensäusserung. Die Reflexe sind aufgehoben. Das Coma kann allmählich in den Tod hinüberführen. Diese verschiedenen klinischen Formen von Bewusstseinsstörungen finden wir namentlich bei organischen Hirnerkrankungen (z. B. bei Geschwülsten des Ge- hirns) und bei Vergiftungen. Die akute Alkoholvergiftung z. B. kann durch einen schwer comatösen Zustand zum Tode führen. Man findet coniatöse Zustände auch bei Stoff Wechselerkrankungen, z. B. Zucker- kranken (Coma diabeticum) (v. Monakow). -) Znsammen- Alle die krankhaften Erscheinungen, welche bei der Thätigkeit ''mIstsdM- Gemütes und des Verstandes auftreten können, führen bei inten- störungen und sivcrem Auftreten zu einer mehr oder weniger starken Trübung des ISande-und Bewusstseins. Ebeuso leidet die normale Thätigkeit des Verstandes ^^™keft''*'^ und Gemütes, wenn das Bewusstsein aus Gründen, die uns zum grössten Teil noch völlig unbekannt sind, eingeengt wird. Namentlich bei der als Verwirrtheit mit Aufregung bezeichneten Zustandsform be- steht häufig eine recht hochgradige Bewusstseinsstörung. so dass sich die Individuen nachher nur unvollkommen oder garnicht an das erinnern, was vorgefallen ist. Oft ist es schwer zu sagen, ob die Bewusstseinsstörung primär vorhanden war, oder ob sie sekundär im Anschlüsse an die bestehende Geistesstörung entstanden ist. Ein grosse Rolle spielen bei den Bewusstseinsveränderungen die Gedächtnisstörungen. Beispiele siehe weiter unten bei Epilepsie. -) von Monakow, Gehirni?athologie 1897.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21903815_0032.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


