Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![Mijiiirry. SO für solche niclit in F.etraclit kommen können, die sonst dazu preneigt wären, weil dann die stufenweise Annäherung an das Vorbild, die für einen EntwicklnngsjirozeLi selbstverständlich ist. der wohlwollenden In- telligenz eines Sch<)))tei-s gegenülier nur als ein unwürdigei- Knit!' er- scheinen könnte, darauf angelegt, die nach I^rkenntnis strebende Mensch- heit iire zu führen. Denn gerade die allmähliche Steigerung der Ähn- lichkeit, wie sie beim \eigleich mehrerer miinetischer Arten hervortritt, die stufenweise t'bertragung vom Weibchen auf (bis Männchen und so vieles andere deuten eben doch auf gesetzmäbiges Wirken von Xatur- kräften hin. und wenn es irgendwo in der lebenden Natur einen kom- plizierten Selbstregulierungsi)rozel;i gibt, dann liegt er wahrlich gerade hier so klar und einwurfsfrei vor. wie kaum irgendwo anders. Damit soll nicht gesagt sein, dal.l wir ihn im einzelnen zahlenmälsig naciirechnen l\(>nnten. wie wohl von fanatischen (iegnern der Selektionstheorie bean- s])iucht worden ist. Eine direkte Kontrolle der Xaturzüchtung ist — wie frühei- schon gezeigt wurde — nirgends möglich: wir kcinnen niemals eifahien. wie groß der Nutzen ist. den eine schutz- bedürftige Art aus einer kleinen Steigerung ihrer Ähnlichkeit mit einem immunen \orbild etwa zieht, ja ich wüßte nicht einmal, wie wir dazu ueiangen sollten, auch nur bestimmt nachzuweisen, daß eine bestimmte Art eines stärkeren Schutzes bedarf, als sie ihn bisher hatte, um sich auf die Dauer zu eihalten. Dazu müßten wir die (iesamtzahl der In- (hviduen kennen, die auf dem Wohngebiet der Art leben, und zwar füi- viele (ienerationen. Zeigte sich dann eine stete Abnahme der Indivi- duenzahl, so dürften wir schließen, daß die Art nicht hinreichend ei- haltungsfähig ist. daß sie also eines stärkeren Schutzes l)edarf. Es ist für uns unnuiglich. solche exakte Daten für irgend eine im Naturznstand l>efindliche Art beizul»ringen. wenn wir auch manchmal schätzungs- weise sagen können, daß eine Art stetig a))nimmt. Das sind dann aber meist Eälle. welche direkt oder indirekt durch das Eingreifen des -Menschen in die Natur hervorgerufen worden sind und in welchen die Aluiahme einer Art so rapid vor sich geht, daß für die langsame (Je- geuwirkung der Naturzüchtung keine Zeit ldeil)t. Wir werden später sehen, daß auf diese Weise manche Arten noch in historischer Zeit Husgerottet worden sind. Wenn ich übrigens eben von einei- ..Schutzltcdüi t'tigkeif gesprochen habe, so muß ich dazu noch einiges bemerken. Es ist ein Irrtum, zu glauben, jede „seltene, d. h. in geringer Individuenzahl voihanibMic Art sei schon eine im N'crschwimh'u begritiene. Nicht die ab>olut(' Zahl (h-r Imiividuen bedingt ihre Beständigkeit. >oii(hMn (bis (lleich- lileilicn dieser Zahl. Elienso iirig ist es. wenn man eine N'erlie»«-- iiin.^ dei Exist(Mizlag(' einer Art durch Naturzüclitun'j nur dann für m<»^dicli hält, weim dieselbe in iliicm l'.estand schon liedroht ist. wenn idso ihre Individuenzahl nlire ..Xormalzitfer) in >tetiger .\l»nalinie be griffen i>t. Aus (Umu Wesen der Naturzüchtunu folizt vielmehr, dall jede günstij,'e N'ariation. die vorkommt, sich auch erhält ceteris pariiius — und zum (lemeingut der Art wiid. izanz unalihäiiiriu davon, ob diese die Verbesserung zu iJirei- llrhaltung aiisolut nöfii,- li.ii oilrr niclit. Im letzteren Eall wird >ie eiidach aus einer seltenen /n einei- liäutiLieivn Art werden und jede Art strebt g(>wissermal.len (hin.ich. eine L'emeiiie und auch eine weitverl)r<'itefe Art zu weiden. indem ^ie jede vorteil- hafte .MtändeiiMiL'. die ilw liervor/iibiJML'en Mi«iL.dich i^t. -leii^crt und zum allgemeinen .\itbe-itz erhebt. Da- hat aber --nwv <iren/eii melit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0105.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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