Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![nur in der Xatui- und dem Bau jeder Art. sondern auch in den äuße- ren Lebensbedingungen. Wenn eine Schnietterlingsart als Iiaui)e auf eine einzige, seltene Ptlanzenart angewiesen ist. so wird ihre Xornial- zifter eine kleine sein und bleiben. Wenn sich al)er nun unter ihr eine \'ariation des Nahrungstriebes einstellt, welche Geschmack an einer zweiten, vielleicht zugleich häutigeren PHanze findet, so wird die Normal- ziffer der Art steigen und allmählich vielleicht mehr als das Doppelte der ursprünglichen Individuenzahl betragen. Dabei ist die Annahme durchaus nicht nötig. dal.l die Art vorher im Abwärtssinken begriffen war; ihre Normalzitf'er kann vielmehr ganz konstant sich gleichge- blieben sein. So ist auch bei den mimetischen Schmetterlingen durchaus nicht die Annahme geboten, daß sie alle vorher schutzbedürftig in dem Sinn gewesen seien, daß sie (lem Untergange verfallen gewesen wären, hätten sie nicht die Ähnlichkeit mit einer immunen Art ange- nommen. Wohl aber darf man aus anderen Gründen schließen, daß sie seltenere Arten gewesen sind, die durch den mimetischen Schutz ihren Individuenbestand steigerten und dadurch denn allerdings auch ihre Artexistenz noch weiterhin befestigten. ]>ei liäuhgei-en Arten könnte sich die Ähiüichkeit mit der durch Widrigkeit immunen Art nicht aus- bildet haben, weil sie unvoi'teilhaft gewesen wäre nicht nur für das 'N'orbild, sondern auch für den Nachahmer seli)t; bei weniger individuen- reichen Arten aber mußte eine solche Ähnlichkeit schützend wirken, einerlei ob die Art vor dem Untergang stand odei- nicht. Der Selek- tionsi)rozeß mußte eintreten, einfach weil die mimetischen Indi- viduen häufiger überlebten, als die anderen, und die mimetische Ähnlichkeit mußte sich solange steigern, als die Steigerung noch Itesseren Schutz mit sich brachte. Es ist deshalb ein ganz falscher Einwurf, wenn uian sagte, eine in ihrer f]xistenz bedrohte Art hätte bei der Langsamkeit der SeIektionsi)rozesse früher absterben müssen, als sie hin- reichenden Schutz durch Nachahmung einer widrigen Art hätte er- langen können. Die Voraussetzung ist falsch, die sehr weitverbreitete, unklare Vorstellung, daß Selektionsprozesse nur da einsetzen könnten, wo Existenzbedrohung der Art vorliegt. Gerade umgekehrt wird jede Art jede Möglichkeit einer Verbesserung auch tatsächlich ein- gehen; möglich al)er ist jede Verbesserung, zu der die erfordeilichen Valvationen sich darbieten. Die Steigerung dieser Variation stellt sich mit dem häufigeren Überleben des IJesserangepaßten von selbst als eine Notwendigkeit ein. und dieses ..häufiger Überlel)en wird nicht nur ein relatives sein, darin bestehend, daß die Besserangepaßten weniger dezimiert werden, sondern auch ein absolutes, derart nändich. daß mein- Individuen der Art überleben als vorher, rajjilio Merope mag als Beispiel dienen: er ffiegt auf Madagaskar noch allein in einer leichten ^'ariation der Urform, var. Meriones. liier also hält >\c\\ die Art ohne Hülfe mimetischen Schutzes. Wir wissen nicht, ol) der (iruml davon im Mangel eines immunen Vorbildes odei- im Nichtauf- ti'eten j)assender mimetischer Varianten oder in anderen Verhältnissen liegt; genug. di(> Art hält sich ihren Feinden gegenüber auch ohne Mimicry. Wenn nun in Abessinien einige Weibchen des Falters Varia- tionen annahmen, welche sie dem widrig schmeckenden Danais Ghrv- sippus in irgeiul einem Grade ähnlich machten, so wird diese \'ariation weniger stark dezimiert worden sein, als die Urform des Weibchens, sie wird also Uestand gewonnen und allmählich sowohl in ihrer mime-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0106.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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