Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![JOS Srlintziiiitt*'! der l'flaiizcn. die giftigen Pilze, die von anderen Schnecken verschmäht werden, und in ähnlicher Weise gibt es viele andere Spezialisten, die aber allein nicht imstande sind, die Pflanze, an die sie sich angepaßt haben, ganz zu zerstören. Es gibt freilich auch omnivore Schnecken, wie die schon oft genannte Ackerschnecke, Limax agrestis und Arion Kmpiiicoium. die rote Wegschnecke, aber gerade weil diese so ziemlich alle Pflanzen fressen, sind sie für jede einzelne Art mindei- gefährlich. Jedenfalls bilden auch die so mannigfachen Schutzmittel gegen Schneckenfraß einen weiteren Beleg dafür, wie unzählige Einzelheiten in dei- Oiganisation auch der Pflanzen auf Xaturzüchtung bezogen werden müssen, denn es gibt für sie keine andeie Erklärung. Kämen solche schützende Einrichtungen nur bei vereinzelten Pflanzen vor. so könnte man vielleicht nocli vom „Zufall sprechen, könnte sich auf die innere Konstitution der Pflanze beziehen, welche eben derart sei. daß sie Borstenhaare oder Bitterstoffe oder Kieselsäureablagerungen hervor- bringen müsse, die nun ..zufällig gewissen Schnecken den (ienuß dieser Pflanze verleiden; da es sich aber gezeigt hat. daß alle Pflanzen, die eine in diesei-, die andere in jener Weise gegen Schneckenfraß gefeit sind, so muß dieser Einwurf schon dadurch fallen. Nun kommt aber noch dazu, daß einzelne der schönen \eisuche. durch welche Stahl die schützende Wirkung jener Einrichtungen nachwies, zugleich beweisen, daß dieselben zur Existenz dei- Pflanze an und für sich nicht unent- behrlich sind; der Mais bildet sich zu einer lebensfähigen Pflanze aus, auch wenn ihm die Kieselsäure entzogen wiid, die Kieselsäure ist also nicht ein für seine Konstitution unentbehrlicher Bestandteil, sondern ein Schutzmittel gegen Tierfraß. Den schärfsten Beweis aber liefern Pflanzen, die, wie der Salat. Lactuca, im wilden Zustand schützende Stoffe ausbilden, sie aber im kultivierten vollständig verloren haben — durch Nichtgebrauch, wie wir si)äter noch genauer sehen werden. Wie die Augen der Dunkeltiere verkümmei't sind, so verlor hier die vom Menschen geschützte Pflanze ihre natürlichen Schutzmittel, weil sie sie nicht mehr brauchte, um sich zu erhalten. Auch diese Schutz- mittel (Gerbsäure) gehören also nicht notwendig zur Konstitution der (Haftung Lactuca: ihre Bildung kann auch unteibleiben. ohne daß die Pflanze sich sonst dadurch ändert. Und hiei- handelt es sich nicht ein- mal um die Entziehung eines von außen aufzunehmenden Stoffes, son- dern um ein reines Stoffwechsel])ro(lukt. Lehrreich aber sind die An])assungen der Pflanzen gegen Schnecken- fraß noch in anderer Weise, nändicli durch ihre außeronh^ntliche Mannig- faltigkeit. Wir sehen hier von neuem wieder, wie plastisch die Leltens- formen sind, wie genau und doch auch wieder in wie vei'schiedener Weise sie sich den Lebensbedingungen, hier also den Schwächen ihrer gefräßigen Eeinde anschmiegen können, um so alle dasselbe Ziel zu erreichen: Sicherung der Artexistenz. Wir sehen aber zugleich, daß zahllose Kleinigkeiten im Bau und den Eigenschaften einer Art. die bedeutungslos scheinen könnten, dennoch ihren bestimmten Nutzen haben. Haare, Borsten, Raphiden so gut, als Bitterstoffe, ätherische Ole, Säuren und (ierbsäure. Freilich müssen wir erst so genaue und ein- geli(!nde Forschungen über die biologischen Beziehungen dieser Eigen- tümlichkeiten haben, wie sie uns Stahl geliefert hat, ehe wir den Nutzen derselben einsehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0124.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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