Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![lanse die Sonne scheint, sie iU»en also foitwäiirend ihr Fhiuveniiöiieii nnü iniiüten sonacli — wenn Übunj^ dei' einen (ieneration die nach- fol.Qenden lieeintlnßte — alhnäliHcli wieder schneller fiugfähig werden. Es geschieht hier gerade das Entgegengesetzte von dem. was man dem LAMARCKschen Prinzip znschieibt: starker (iebranch müßte hier Heiah- sinken der betrettenden Teile hervorrnfen. (ianz andei-s wenn wir Selek- tion in Betracht ziehen. Nnn überleben die im Anfang znfällig auftre- tenden Variationen mit langsamerem Flug, weil sie am leichtesten er- kannt und gemieden werden: sie also sind die am häutigsten Überleben- den : sie hinterlassen Nachkommen, die den langsameren Fluginstinkt crl)oii. und bei denen er sich solange noch steigert, als diese Steigerung nodi einen Vorteil gewährt. Sobald dies niclit mehr der Fall ist. steht die Veränderung still, sie ist den niininehrigen Lebensbedingungen angepaßt. (lanz ähnlich werden wir uns alle die tausenderlei Regulierungen der Bewegungen der Tiere durch den Instinkt zustande gekommen vorstellen können, und bei den meisten auch vorstellen müssen. Denn nur bei solchen mit hoher Intelligenz könnte in Frage kommen, ob nicht das Tier die zweckmäßige Abänderung seiner Bewegiingswei>e aus Überlegung habe eintreten lassen. Bei Insekten aber kann da- von jedenfalls nur in sehr beschränktem Maße die Rede sein, wenn ich auch nicht bestreite, daß die intelligenteren unter ihnen lernen. Er- fahrungen machen, und daß sie ihre Handlungen demgemäß modifizieren können. Aber l)eim Flüchten spielt Erfahrung nicht mit. da das erste Erwischtwei'den gewöhnlich schon mit dem Tode bestiaft wii'd. Harmlos und ohne Ahnung der von allen Seiten sie umlauernden (ietahicn schweben die Schmetterlinge dahin, nur geleitet von ihren Instinkten, die aber so genau auf ihre gewiHinlichen Lebensbedingungen })assen. daß ihrer stets eine zur Erhaltung der Art hinreicliende Anzahl aus den vielen Fährlichkeiten glücklich entkommt. Ich erinnere an das oben nach Hahnel erzählte Beispiel des Psalters, der den schnellen FJdechsen durch sein rasches Aufttiegen vom süBen Köder entging, ohne Sorge aber sofort wieder sich auf demselben niederließ, um abermals vor der Eidechse aufzuttiegen uml so mehrmals hintei'einander. Wir beurteilen solche Handlungen meist viel zu menschlich: der Falter will nicht etwa dem ihm drohenden Tode entfliehen; vom Tode weiß er Nichts; es geht ihm nicht wie dem Dr. Hahnel selbst, der einst vom Dickicht aus von einem Jaguar bedroht wurde und nun völlig erschüttert von der Todesgefahr, der er glücklich entronnen wai'. an demselben Ort nicht wieder vorübei- will und einen weiten Ennveg nach Hause macht. Der Schmetterling handelt gai' nicht nach Überlegung und \'or- stellungen. er fliegt blitzschnell auf. wenn die Eidechse auf ihn losfährt, weil diese rasche Bewegung, die er sieht, als Reiz auf die Auslösung seines Flüchtungst!iel)es einwiikf. und dieser arbeitet so prompt, daß er ihn in den meisten Fällen vor dem T'ntergang rettet. Sein (iemüt wird aber durch die so nahe (lefahr nicht weiter getrotten, und er folgt ruhig wieder von Neuem seinem Nahrungstrieb, der ihm gebietet, sich auf den süßen Köder zu setzen, bis der (Jesichtseindruck dei' wiederum auf ihn losstürzenden p]idechse von Neuem wieder seinen Flüchtungs- trieb auslöst. Er ist ein Spielball seiner Triebe, eine Maschine, die genau so arbeitet, wie sie mud Daß nur Sinneseindrücke und nicht \'orstellungen hiei* die Handlungen auslösen, kann man leicht an scheuen Arten von Sclnncttcrlingen. wie etwa iiiisereiii Scliillerfalt(M-. Apatuia](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0144.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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