Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![dieselbe kann also der einzelnen Raujje zu keiner Zeit der Artentwick- lung zur (lewolinheit geworden, kann somit keine ..veierbte Gewohn- heit sein. Und wie vei'schieden sind die Alten der Sicherung der PupjM'n in den verschiedenen Schnietterliiigsfaniilien. die doch alle auf eine Wurzel zurückzuführen sind, wenn der Schnietterlingsstanini von einer Staninigruppe sich herleitet. Die Raupe der Sphingiden kriecht niclir aufwärts an Wänden und Bäumen, wenn sie zur Verpui)i)ung reif ist. wie die der Tagfalter es vielfach tut. sondern ihr Instinkt treibt sie. solani^c auf der p]rde undierzurennen. l)is sie eine Stelle gefunden hat, die ilii- geeignet erscheint, um sich in den Roden einzubohren, oder wenitici- bildlich gesju-ochen: solange, bis sie an eine Stelle kommt, deren l'.i-- schaff'enheit als auslösender Reiz auf den Trieb wirkt, sich einzuwühlen. Dann dringt sie mehr oder weniger tief ein. je nach ihrer Art. und verfertigt sich eine Kammer, die sie mit Seidenfäden austapeziert, x» daß sie nicht zusammenstürzt; dann erst häutet sie sich und verwandelt sich in die Pupi)e. Wie genau ihr dabei die Einzelbewegungen duich den Instinkt vorgeschrieben sind, sieht man am besten daran, daß sie ihre Pu])])enkammer genau so groß macht, wie sie sein muli. damit die Puppe bequem darin Platz hat. nicht gedrückt wird. und doch auch kein überflüssiger freier Raum bleibt. Das ist nicht >o einfach, als es scheint, und geht nicht unmittelbar schon aus der (irölle des Tieres hervor, denn die Raupe ist viel länger, überhaupt voluminöser, als die Puppe. Dasselbe zeigt auch der Hirsch seh röter, Lucanus cervus, der größte unßerer einheimischen Käfer, der seinen Namen von den mächtigen geweihartigen Kiefern hat. welche das Mäinichen auszeich- nen. Auch er verpuppt sich in dei- Eide und macht einen großen und harten Ballen aus Lehm, der innen hohl und glatt, wie i)oliert ist. und dessen Höhlung genau auf die (iröße der zuküidtigen Puppe, ja genau genommen sogar auf die des ausgebildeten Käfers ])aßt. Denn, wie RÖSEL VON Rosenhof seinerzeit schon „mit \'erwun(lerung beobachtet hat, haben „diejenigen Ballen, in denen die ^lännlein liegen, eine viel längere Höhle, als die so sich die AVeibchen bauen und dieses deswegen, weil wenn der Schröter aus der Pujjpe kommet, derselbe, wenn er ein Männlein ist, seine Hörner, so zuvor auf der Brust gelegen, muß aus- strecken können. „Denn die Schi'öter begeben sich nicht eher aus ihrer Wohnung, als bis alle ihre Teile genugsam erstarket, und gehöriger- niaßen gehärtet worden sind, und diejenige Jahreszeit sich eingestellt hat, in welcher sie undierzufliegen jitlegen. Die männliche Larve macht also gewissermaßen in Voraussicht der später erst zu so gewaltiger (ii()ße auswachsender Kiefer, ein viel längeres Pui)penhaus als die weil)li('lie Larve! Der Listinkt ist hier zweigestaltig. wie die kr>ri)eiiiclien Teile de^ Käfers weiblich oder männlich. Auch hier handelt es sich um eine nur einmal im Leben ausgeübte Handlung, und es ist somit die Möglich keit einer anderen Erklärung für die Entstehung dieses Instinktes, als durch Natiiizüchtung ausgeschlossen. Nicht niindei- bedeutsam ist der Kall der Seidencocons, Die (ie- si)inste, welche die Seidenraujje verfertigt, sind eiförmig und bestehen aus einem einzigen, viele tausend Bieter langen Eaden, der so um die spinnende Raupe lierumgeschlungen wird, daß keine Lücke l)leibt. Das (Jesi)inst ist fest, zäh und sein- schwer zerreiübar, gewährt also der darin ruhenden l'uiijie jedeiil'alls bedeutende Sicherung gegen Xachst(dlungeii.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0146.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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