Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![löO Entstcliuim tliT ItliniitMi. (1er liöheren lUüteiipflaiizen an den Insektenliesucli. Darüher kann heute kein Zweifel mehr sein, wir können es — dank den zahl- reichen, bis ins Einzelste gehenden Untersuchungen einei- kleinen An- zahl trefflicher Forscher — nicht nur behaupten, sondern mit aller nur wünschenswerten Sicherheit beweisen; die gegenseitige Anpassung von Blumen und Insekten bildet heute eines der durchsichtigsten Beispiele für die Wirkungsweise und Macht der Xatuizüchtung und darf deshalb in ^'orträgen über Deszendenztheorie nicht fehlen. Daß die Bienen und zahllreiche andere Insekten Honig und Blüten- staub aus den Blumen holen, ist dem Menschen seit alter Zeit wohl bekannt. Dies allein würde aber nur erklären, dal.! sich bei diesen Tieren Anpassungen an den Blumenbesuch gel)ildet hätten, der es ihnen ermöglichte, den Honig z. B. aus tiefen Kronenrrdiren herauszu- holen, oder aber eine größere Menge von Pollen auf einmal sich auf- zuladen und in ihren Stock zu tragen, wie dies von den Bienen ge- schieht. Was aber veranlaßt die Pflanze. Honig hervorzubringen und den Insekten anzubieten, da doch der Honig für sie selbst von keinem Nutzen ist? und was bewegt sie fernei-, den Insekten ihren Raul» so offenkundig zu erleichtern, ihre Blüten durch auffallende Farben weithin sichtl)ar zu machen, oder von ihnen einen Duft ausströmen zu lassen, der sell)st bei Nacht den Insekten den Weg zu ihnen anzeigt? Schon am Ende des XVIII. Jahrhunderts hat ein sinniger und schal f- sichtiger Naturforscher, Christian Konrad Sprengel einen starken An- lauf zur Beantwortung dieser P'rage genommen. Im Jahre 170o erschien von ihm eine Schrift: „Das entdeckte (ieheinmis der Natur im Bau und der Befruchtung dei' Blumen'*, in welcher er eine große Zahl dei- merk- würdigen, auf den Insekten])esuch gerichteten Ani)assungen der Blumen völlig richtig erkannt und gedeutet hatte. Leider l)ogiiff seine Zeit den Wert dieser iMitdeckungen nicht, und seine Arlieit mul.lto mehr als ein halbes Jahrhundert auf Anerkennung warten. Sprengel war vollständig beherrscht von der \orstellung eines all weisen Schöpfers, der ..auch nicht ein einziges Härchen ohne Absicht hervorgebracht hat und von diesem Gedanken geleitet suchte er in die Bedeutung der vielen kleinen Einzelheiten des Blumenbaues einzudringen. So erkannte er, daß (Ue Haare, welche den unteren Teil dei- Bhimen- blätter des Waldstorchsclmabel, Geranium silvaticum, bedecken, den Nektar der Blume vor der A'erwässerung durch Begen schützen, und schloß daraus ganz richtig, wenn auch in bezug auf die unmittelbare hervoibringende Ursache weit von unseren heutigen Ansichten entfernt, daß der Nektar für die Insekten da sei. Es fiel ihm weiter auf. daß die himmelltlauc Krone des \ergiß- meinnichts (Myosotis palustris) einen schön gell)en King um den Ein- gang der Kroneniöhre herum besitzt, und er deutete denselben als ein Mittel, durch welches den Insekten der Weg zum Honig gezeigt wiid. der in der Tiefe der Kronenröhre verborgen liegt. Wir wissen heute, dal,! solche „Saftmale* l)ei den meisten, von Insekten besuchten Blumen vorhanden sind in (iestalt von Flecken. Linien. P'iguren. meist von auffallender, d. h. von der Hauptfarbe der Blume abstechender Farbe, maiu'hnial. wie I)ei den Irisarten, leiten sogai- förmliche Straßen von kurzen Haaren nach der Stelle hin. wo der Honig liegt. Bei dem Frühlingsfingcrkraut. Potentilla verna (Fig. 40). sind die gelben Blumeid)lätter (./,/>'/) gegen ihre Basis hin stark orange- rot, und zeigen so den Weg zu den Nektaiien. welche an der Basis der I](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0166.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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