Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![diese Tiere diircliaus nicht uiigeiiieilbar und werden so^^ir stai-k ver- folgt, und zweitens zeigen ilire Weibchen ganz andere und selir viel dunklere und einfachere Färbungen. Die schillernde Pracht aller dieser Paradiesvögel und Kolibris, auch die vieler Tagfalter findet sich nur beim männlichen (ieschlecht, die Weibchen dieser Vögel sind dunkel gefärbt und ohne die funkelnden Schmuckfedern, ganz wie die Weibchen vieler Sclimetterlingc. Nun hat zwar Alfred Wallace gemeint, dies finde in dem größeren Schutzl)edürfnis der Weibchen seine Eiklärung, welche bei den \'ögeln ])ekanntlich meist das I>rutgeschäft besorgen und dabei häufig feindlichen Angriffen iilobgestellt sind. Es ist auch ohne Zweifel richtig, daß die dunkle und unscheinbare Färbung dei- Weil)chen vieler ^'ögel und Schmetterlinge auf diesem gr(>ßeren Schutzbedürfnis beruht, allein damit ist die i)rachtvolle Färl)ung der Männchen dieser Arten nicht erklärt. Oder sollte dieselbe keiner weiteren Erklärung bedürftig sein, gewissermaßen bloß eine zufällige Nebenwirkung von Strukturverhältnissen der Federn, resp. der P'lügelschuppen. die irgend einen anderen uns unbekannten ^'orteil mit sich brächten? Etwa so, wie die rote Farbe des Blutes allei- Wirbeltiere von den Fischen auf- wärts ihren Nützlichkeitsgrund nicht darin haben kann, daß sie uns rot erscheint, sondern darin, daß sie der Ausfluß der chemischen Konsti- tution des Hämoglobins ist. eines Körpers, der zum Stoffwechsel unent- behrlich ist und der die hier gar nicht mitspielende Nebeneigenschaft hat, die roten Lichtstrahlen zu reflektieren. Aber daran kann schon bei den Schmetterlingen niemand im Ernste denken, der weiß, daß die Farben derselben an den Schupi)en hängen, die den Flügel dicht bedecken, und deren Bedeutung zum Teil wenigstens eben die ist, dem Flügel Farbe zu geben. Sie sind ver- kümmert oder farblos bei den ..(Hasflüglern unter den Schmetterlingen, und ihre Färbung beruht teils auf Pigment, teils auf Fluoreszenz und Interferenz, wie sie durch feinste mikroskopische Strukturen sich kreuzender Liniensysteme auf schwach gefärbten Schupi)en bedingt werden. Die Schiqtpen unserer männlichen Bläulinge (Lycaena) er- scheinen nur durch solche Strukturen blau, während die ihrer Weibchen braun erscheinen duicli lu-aunen Fari)Stoff. Entfärbt man die Schujjpen der Weibchen durch Kochen mit Kalilauge, und trocknet sie dann, so sehen sie nicht etwa auch blau aus, wie die der Männchen: die Männ- chenschu|)i)en besitzen also etwas, was die der Weil)chen nicht haben. Noch weniger wird jemand die wunderbare Pracht des (ietieders der männlichen Paradiesvögel, mit ihren aufstellbaren, metallisch glänzenden Federkragen an Hals. Brust oder Schultern, mit ihren Feder- büschen. ihren vereinzelt aus dem übrigen (iefieder lang hervorstehenden Schmuckfedern an Kopf. Flügeln oder Schwanz, mit ihrem mähnenartigen Schopf zerrissener Hängefedein am Bauch und den Seiten, kurz mit der so überaus mannigfaltigen und absonderlichen Federnausstaffierung als eine unbeabsichtigte Nebenwirkung des für den Flug und Wärmeschutz hergestellten Fedeikleides betrachten wollen. So auffallemle, vielgestaltige und ungewöhnliche Federbildungen müssen noch eine andere Bedeutung hallen, als die genannten beiden. Alfred Wallace l)etrachtet diese Auszeichnungen der Männchen als den AusHufi größerer Lebensenergie und lebhafteren Stoffwechsels, allein nicht nur ist es unerwiesen, daß die männlichen Tiere den Weib- chen gegenüber lebenskräftiger sind, sondern es läßt sich auch nicht einsehen, wieso zur Heivorbringung einei' auffallenden bunten Färbung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0188.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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