Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![iyO I):is rriiizip dt'i- Mi.de wirksaiii. Stark l)l;ui gefärbt sind. Da wir wissen, dal.! sexuelle Charaktere bei Arten mit Ül>erzahl der Männchen immer bei den Männchen beginnen, so kann übei- die Richtung der Entwicklung dieser Reihe, also vom Braun zum Pdau. kein Zweifel sein: übrigens deutet auch das gänzliche Fehlen der Duftschujjpen bei den meisten Arten mit braunen ]\Iännchen auf das hohe Alter dieser Arten hin. während andererseits die Männ- chen aller blauen Arten, soweit ich sie untersuchen konnte, Dutt- schuppen besitzen. Darwin faßte diese Ül)ertragung männlicher Chaiaktere auf die Weibchen als \'ererbung auf. und in der Tat sieht es ja so aus. als ob es sich hier um einfache erbliche Ül)ertragung der Errungenschaft eines (ieschlechtes auf das andere handele. P^>s fi'agt sich indessen doch, ob wir bei dieser Auffassung stehen bleiben können. Jedenfalls wäre diese ..Vererbung- kein zwingender physiologischer Vorgang, der rein aus inneren (iründen eintreten mul.i. denn wir sehen, daß er oft auch aus- bleibt, und zwar in manchen P'ällen. ohne daß wir einen äußeren (irund dafür geltend zu machen wüßten, in anderen aber allerdings in offen- barer Abhängigkeit von den äußeren Lebensbedmgungen. So dürfte wohl das zähe Festhalten der Mehizahl unserer weiblichen Lveaeniden an der braunen P'ärbung ihren (xrund in dem größeren Schutzbe- dürfnis der viel selteneren Weil)chen haben, und ebenso wird es sich bei vielen \'ögeln verhalten, deren Männchen ihre lebhaften Farben nicht auf die Weibchen übertragen haben. Wallace hat zuerst darauf hingewiesen, daß alle ^'ögel, deren Weibchen auf offen daliegenden Nestern brüten, unscheinbar gefärbt sind im weiblichen (ieschlecht. auch wenn ihre Männchen in auffallenden Farben glänzen, während solche, die ihr Nest in versteckten Orten anl)ringen. in Raumhk^hern. oder die dasselbe kui)pelartig überwölben, nicht selten glänzende Farben in l»eiden rieschlechtern besitzen. So verhält es sich bei Spechten und Papageien, während die offen brütenden Hühnervögel alle unscheinl)ar gefärbte, ja meistens ihrer Umgebung vortrefflich angejjaßte Weibchen Itesitzen. Wenn wir nun die Tatsache festhalten, daß eine Ültertragung der durch sexuelle Züchtung entstandenen Charaktere stattfinden kann, so gewinnen wir darin eine wertvolle IIandhal)e zur Erklärung vieler Er- scheinungen, die sonst ganz unerklärlich bleiben würden. Was l)edeuten die bunten Farben der Papageien, die in so unglaublich wechselnder Zusammenstellung bei den verschiedenen Arten dieser großen und weit werbreiteten Familie uns entgegentretenV Was die wunderbar kom- plizierten Zeichnungen und Farbenmuster der Schmetter- lingeV In einzelnen Fällen mögen sie Schutzfärbung sein, so das (irün vieler Papageien, in anderen Widrigkeitszeichen, wie die bunten Farben und kontrastierenden Zeichnungen vieler Ilelikoniden. Eusemiiden und anderer widrig schmeckender Schmetterlinge. al)er es bleil)t eine große Zahl von Fällen übrig, auf die weder die eine noch die andere Deutung paßt, und die wir nur als reine Naturspiele l)etrachten könnten, wüßten wir nicht, daß männliche Sexualcharaktere auf die Weil)clien übertragen werden können, und daß so die Art in allen ihren Individuen total umgefärbt werden kann. Nun erklärt sich nicht nur da> \'(»ik(»iiiinoii auffallender. S(»n(leiii auch das verwickeitel' Färbungen. Darwin hat schon dargelegt, daß es sich bei den Werbemitteln, welche die Männchen im Kampf um den \\v>\V/. der Weil>chen ausbil- deten keineswegs iiniuer um solche Charaktere gehandelt zu haben](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0206.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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