Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![2(.)0 Histonalselektion. (loiii Maße, in dem sie stärker oder häutiger funktionieren, sie vermögen gesteigerten Ans])rüclien der Funktion zu folgen, ein \'erhalten. welches Roux als .funktionelle Anpassung bezeichnet hat. Wenn die eine Niere eines Menschen entartet, oder chirurgisch entfernt wird, so fängt die andere an zu wachsen, bis sie nahezu die dojnjelte (iröUe erreicht hat. Dei- si^ezitischc Reiz, den die im Blute enthaltenen Harn- stoffe auf sie ausül)en und sie zur Sekretion zwingen, ist jetzt, wo die andere Niere fehlt. doi)i)elt so gioß. und so wächst sie infolge des ver- stärkten Reizes durch seine ..trophische Wirkung solange, bis durch ihre Vergrößerung die Funktionsstärke wieder auf das normale Maß herabgesunken ist. In umgekehrter Richtung erfolgt die Anpassung des Organs, wenn die Funktion nachläßt oder aufhört. Nach Durchschneidung des Nerven eines Muskels, einer Drüse beginnen diese Organe sehr rasch zu ent- arten, um schließlich gänzlich ihre Struktur einzubüßen. Auch (iefühls- nerven entarten in ihrem i»erii)heren Stück, wenn sie durchschnitten werden. An dem Ernährungsapparat, den Blutgefäßen usw. braucht in diesen Fällen nichts geändert zu sein, abei- dei' funktionelle Reiz, beim Muskel der Willenrciz. trifft das Organ nicht mehr und daduich wiid der Stoffwechsel derart in ihm herabgesetzt, daß es entartet. Wenn wir nun auch die letzten Wurzeln dei- ..funktionellen An- passung noch nicht mit Sicherheit liloßlegen können, so vernuigen wir doch aus der Tatsache derselben wertvolle Einsicht in Erscheinungen zu gewinnen, welche uns sonst unverständlich und rätselhaft bleiben würden, in die zweckmäßige Struktur vieler Gewebe und ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen. Darin hegt vor allem der Foi-tschi'itt, den uns Roux mit seinem ..Kampf der Teile gebracht hat. Wenn auf ein (jemenge von embryonalen Zellen von verschiedener l)hysiologischer Begabung A. B und (' verschiedenartige funktionelle Reize a, b und c einwirken, so werden diejenigen Zellen sich am raschesten vermehren, welche am häufigsten von dem ihnen adä(puUen Reiz getroffen werden. In welchem Mengenverhältnis also die Zellen A. B und C in dem (Jewebe schließlich vorkommen, wird davon ab- hängen, in welcher Häufigkeit die Reize a. b und c das (lewebe tietfen. Wirken aber die drei Reize nicht auf jeden Teil des (iewebes gleich häufig und stark ein, sondern der eine überwiegt an dieser, der andere an jener Stelle, so wird jede der drei Zellenarten an der Stelle über- wiegen, welche von dem ihr adäcpiaten Reiz am häutigsten getroffen wird. Nun wei'den z. B. die Zellen A an allen jenen Orten im \'orteil sein vor den Zellen 1! und (', an welchem der Reiz a am stärksten und häufigsten einwirkt, die Zellen B in dem Bezirk des Reizes b. die Zellen C in dem Bezirk des Reizes c. doit werden die betreffenden Zellen sich am schnellsten vermeinen und dadurch die üi)rigen Zellen- arten verdrängen, und es wird sich eine räundiche Ordnung im (iewel)e herstellen, eine ..Struktur, welche der Zweckmäßigkeit entspricht. Dies ist es. was W. Roux aus seinem ..Kami)f der Teile vor allem ab- leitete, und was man auch nach meinem \'orschlag als ..Ilistonal oder „Gewebeauslese bezeichnen kann. Es möge ein Beispiel folgen. Der Anatom Hehmanx Mkvkr zeigte zuerst 1S(51». daß die sog. „Spongiosa. d. h. das schwammig gebaute Knochengewebe im Innern der Endstücke der großen ItrihrenkndcJH'n beim Menschen und den Säuuern einen auffallend zweck-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0216.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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