Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![(hei Faktoren ziini Sieg des für die liestininite Stelle des K()ri)ers Zweckmäßigeren, und die verschiedenen (iewehe und (ie\vcl)eteilclien müssen sich deshalb so verteilen und anordnen, daß jedes an die Stelle kommt, an welcher es am häutigsten und stärksten von dem für (his- selbe s])e/,ihschen Reiz getroffen wird. d. h. an welcher es den anderen Teilchen überlegen ist: diese Stellen sind aber zugleich diejenigen, deren Ausfüllung durch das bestreagierende Teilchen das ganze (iewebe am leistungsfähigsten, die Struktur dessell)en also am zweckmäßigsten madit. Vaiiabilität wird dabei vorausgesetzt, da ohne sie eine Differenzierung der primitiven lebenden Substanz nicht denkbar wäre, die Vererl)ung ist mit der Vermehrung der Zellen durch Teilung gegeben, und der Kampf ums Dasein tritt hier in der Form eines Kampfes um Nahrung und Kaum auf; das an einer bestimmten Stelle gelegene und dadui'ch vom funktionellen Reiz häutiger getroffene, also auch rascher wachsende Teilchen vermehrt sich rascher, entzieht dadurch die Nahrung anderen, langsamer sich vermehrenden Teilchen seiner Umgebung und verdrängt dieselben dadurcli mehr oder weniger. So können wir uns vorstellen, wie aus einer primitiven einfachsten Substanz mit verschieden l)ean- lagten Teilchen untei' dem Einfluß verschiedener Reize nach und nach eine immer mannigfaltigere Differenzierung verschiedenster Teilchen hervorging, indem die von einem bestimmten Reiz stärker aftizierten Variationen der primären Lebenssubstanz an den von diesem Reiz häutig getroffenen Stellen sich anhäufen und die anderen N'ariationen dort verdrängen mußten, wie also der Körper und der einzelne Teil desselben sich genau den Ans])rüchen. welche die Funktion an ihn stellte, strukturell umgestaltete. So könnten wir nun selbst von einer llistonalselcktion der Ein- zelligen reden, indem auch hier die stiukturelle Anordnung der ein- mal schon verschieden differenzierten Teilchen von den Hahnen be- stimmt werden muß, in welchen die verschiedenen funktionellen Reize einwirken. Hier spielen natürlich aber Personal- und Histonalselektion unmittelbar ineinander, insofern jede Struktuiveri)esserung eines Teils zugleich eine dauernde und auf die Nachkommen ül)ertragbare Ver- besserung des ganzen Individuums bedeutet. Bei den Vielzelligen dagegen beruht auch die (iiundlage der Histonalselektion. d. h. die \'arianten der histologischen Elemente, der Zellen und Zellenteile auf Personalselektion, und Histonalselektion ent- scheidet nur über ihre Anordnung. Bei schief geheilten Knochen- brüchen behält die schwammige Substanz nicht die frühere Anordnung ihrer Pfeiler und Bogen, sondern ein neues, schräg zu dem fiiiheren gestelltes Gewölbesystem stellt sich her. nach den alten Prinzii»ien. al)ei- nach den neuen Druckverhältnissen. Die Zellen, die auf Zug und Druck mit der Bildung von Knochenbälkchen und -Bogen reagieren, sind einmal gegeben, sie müssen schon mit der Keimaidage gegeben sein, und ihre ursprüngliche Differenzieiimg kann nur auf P^rsonal- auslese bezogen werden. Die gesamte Anpassung der Zellen eines Organismus an verschiedenen Funktionen, also ihre Differenzierung nach dem Prinzid der Arbeitsteilung in ^luskel-. Nerven-, Drüsenzellen usw. kann nur auf Naturzüchtung im Darwin-^VALLACESchen Sinm\ nicht aber auf Histonalselektion bezogen werden. In der schwammigen Sub- stanz des Knochens kämpft nicht eine bessere Knochenzelle mit einer schlechteren, sondern verschiedene Zellenarten kämpfen miteinander um den Raum und die Nniirung. (hi die eine hiei'. die andei-e doi't über-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0218.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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