Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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![beim Zustandekommen eines bestimmten Teils des Organismus nicht entbehrlich ist. so daß also dieser Teil durch jenes Teilchen des Keim- ])lasmas in seiner Existenz wie in seiner Natur bestimmt wird. Ich nenne diese letzteren deshalb: Determinanten. Bestimmungsstücke, und die durch sie bestimmten Teile des fertigen Organismus: Deter- minaten oder Vererbungsstücke. Worauf diese Annahme sich gründet, ist leicht deutlich zu machen; die Erscheinungen der Vererbung, zusammengehalten mit denjenigen der N'ariation zwingen dazu, wie mir scheint. Wir wissen. daB alle Teile des Organismus variabel sind, bei dem einen Individuum ist der- selije Teil größer, bei dem anderen kleiner. Nicht alle Variationen sind erl)lich. aber viele und darunter sehr minutiöse sind es. So kommt 7.. 1). in manchen menschlichen Familien vor dem Ohr ein kleines, kaum stecknadelkopfgroßes (iiübchen in der Haut vor. dessen ^'ererbung von dei- (Großmutter auf den Sohn, und mehrei-e Enkel ich beobachtet habe. Hier muß also im Keinii)lasnia irgend ein kleines Etwas enthalten ge- wesen sein, welches l)ei anderen Menschen fehlt, und welches es mit sich brachte, daß im Laufe der Entwicklung an dieser kleinen Haut- stelle die Abnormität entstand. Es gibt menschliclie Familien, in welchen wiederholt und in meh- reren (Generationen Individuen vorkommen, die an einer Stelle des sonst dunkel behaarten Koj)fes ein weißes Haarl)üscliel tragen. Auf äußere Einflüsse kann dasselbe nicht bezogen werden, es muß auf einer \'er>chiedenheit des Keims l)eruhen. und zwar auf einer solchen, welche nicht den ganzen Köri)er beeinflußt, nicht einmal alle Haare des Kopfes, sondern nur die Haaie einer bestimmten kleinen Stelle der Kopffläche. Es ist dabei gleichgültig, ob die weiße Farbe des Haarbüschels von einer abnormen Beschalfenheit der Matrixzellen der Haare oder anderer histologischer Elemente der Haut, etwa der Gefäße oder der Nerven hervorgerufen wird — sie kann in letzter Instanz immer nur auf einer abweichenden Beschalfenheit des Keimplasmas beruhen, welche nur an dieser einen Stelle der Haut sich geltend macht, nur diese verändert, wenn sie selbst anders ist als gewöhnlich, und welche ich deshall» die Determinante der betreffenden Hautstelle und Haargrujtpe nenne. Beim Menschen verlieren sich solche kleine ganz lokale Varia- tionen meist wieder nach einer Anzahl von (ienerationen: allein l»ei den Tieien gibt es unzählige Erscheinungen, welche uns beweisen, daß ver- einzelte kleine Abweichungen dauernd werden können. So lebt in ganz Mitteleuropa ein bi-aunei- .,Bläuling. Lycaena Agestis. welcher auf der Mitte meiner Flügel einen kleinen schwarzen Fleck hat. Dieselbe Art kommt auch in Schottland vor. hat aber* dort statt des schwarzen Flecks einen milchweißen, wie denn auch die sog. ..Augenflecke auf der Unter- seite des Flügels ilne schwarzen Kerne verloren haben. Die Art hat sich als«» hier eri)lich verändert, aber nur in bezug auf diese bestimm- ten Stellen des Flügels. Es muß also eine kleine Veränderung im Keimjjlasma eingetreten sein, welche sich nur an diesen wenigen Stellen des Kiirpers geltend macht, oder andcis ausgedrückt: die beiden Kcim- plasmen der Stammart und der Abart können >icli nur durch eine \'er- schiedenheit unterscheid*!!!, w(dche lediglich diese Stellen in ihicr Scl)ui>penfarbe bestiuüüt nach uieiner .Vusdriicksweise: welche ilie Determinante jener Flügelscl!ii|>|»en ist. Nun wissen wir aber schon durch die kiin>tliclie /iichfuni:. die dei Men.scli mit seinen nanstie!-en und Niit/pHaii/en vtngenouüiien hal i'.f](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0307.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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