Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![JS (iesrliiclitliclii' Eiiilpituiiir. klären iiiistandt' i>t. \iele Insekten, welche auf lUättern leiten. >uul ^Tün und viele von ihnen besitzen genau die Nuance von (iiün. welclie die Pflanze besitzt, auf der sie leben: sie werden dadurch vor Nach- stellungen bis zu einem gewissen (irade geschützt. Wie sollte nun diese grüne Failte der Haut durch eine Tätigkeit der Haut bedingt sein, da (loch die Haut von der Farbe der Umgebung für gewöhnlich nicht in Tätigkeit gesetzt wird? Oder wie sollte die (iestalt einer Heuschiecke, welche auf dürren Ästchen zu sitzen jtflegt. daduich zu einei- Tätigkeit angeregt werden, die ihr die Farbe und Form eines dürren Astcheiis erteilt? Fbensowenig oder vielleicht noch weniger kann die schützende grüne Farbe von Vogel- und Insekteneiern durch i\en direkten Eintlul.1 der gewöhnlichen grünen Umgebung dieser Eiei' erklärt werden, auch wenn wir ganz davon al)sehen. daß diesell)en schon grün sind, wenn sie gelegt werden, also ehe die Umgebung auf sie eingewirkt hat. Das Lamarcksehe Prinzip der Abänderung durch den Ge- brauch reicht also in jedem Falle bei weitem nicht aus zur Erklärung der Umwandlungen der Organismenwelt. Sicherlich war die Umwandlungstheorie von Lamarck für die Zeit, in welcher sie aufgestellt wurde, sehr gut gestützt, sie beschränkte sich auch nicht bloß auf die Bekämpfung der Lehre von der Unveiändei- lichkeit der Spezies, sondern bestrebte sich zum ersten Male, zugleich die Kräfte und Einflüsse aufzuzeigen, welche die Umwandlung der Arten bewirken müssen; sie wäre also einei- eingehenden Piüfung wohl wert gewesen. Trotzdem brachte sie die Wissenschaft von ihrem einmal eingeschlagenen Wege nicht ab. man nahm kaum Notiz von ihr. und in des großen Cuviers Jahiesbericht über die wissenschaftlichen Er- scheinungen des Jahres ISOD ist des LAMARCKschen Buches nicht mit einer Sillte gedacht. So stark war die Macht des \'orurteils. Dennoch fiel mit diesem Ignorieren die neue Lehre noch nicht gänzlich zu Boden, zunächt glimmte sie in Deutschland weiter un<l fand ihre \'ertreter in der damaligen ..Natur])liilosoi)liie. besonders in Lorenz Oken. der 17S;} in der Ortenau bei Otfenburg geboren war. einem Baueinsohn. Dieser bekannte sich zu ähnlichen Ansichten, die freilich nicht in dem rein naturwissenschaftlichen (iewand auftraten, wie bei Erasmus Darw'in, Treviranus und Lamarck. sondern venjuickt mit allgemein philosophischen Sjtekulationen, wie sie besonders durch die Schriften Schellings damals in steigender Progression zur Herr- schaft gelangten. In demselben -lahre ISO!», in dem Lamarck seine Philosoi)hie zoologi(iue veröffentlichte, erschien auch das ..Lehrltuch •ler Xaturphilosoi)hie von Oken. Dieses lUich ist keineswegs einfach nur eine Deszendenzlehie, es greift viel weiter aus. umfaßt die Erscheinungen des ganzen Kosmos und geht andererseits viel zu wenig ins einzelne und bestimmte, um so bezeichnet zu werden. YAn gewisses Spielen mit lU'griH'en. ein Baten und Aldeiteii von willkürlicher Basis aus, macht es heute schwer, sich noch in diese Art ik'i< S]iekulierens hineinzudenken, ich möchte Ihnen aber doch einen Begriff davon zu geben suchen, da gerade diese speku- lativen I'bergriffe der katexochen sogenannten ..Naturithilosophie wohl einen wesentlichen Anteil daran hatten, daß die ganze Entwicklungs- lehre aus der Wissenschaft wieder verschwinden und später zum zweiten- mal neu aufgestellt werden mußte. Oken definiert die Naturwissenschaft alN ..NNi.-scnschaft von der ewigen \Ci wnndbing (Jottes (des (ieistes) in die Welt. ..,led('^ Dinu.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0034.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)