Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![unter/.ugelien l)rau('lit: doiin es liegt auf der Hand. daU ein stetiges, wenn auch langsames Sinken der Xormalziffer. ein regelniüLliges Manko nichts anderes l)edeuten würde, als das allmähliche Aussterben der Art. Al)ei' auch dieser Kcimreichtum ist noch nicht das Äußei-ste von Fruchtbarkeit, dem wir in der Natur begegnen; niedere PHanzen viel- mehr leisten darin das Höchste. Man hat l)erechnet. dal.) ein einziger Wedel des schönen, in unseren Wäldern so häufigen Farnkrautes. Aspidium tilix mas, etwa 14 Millionen Sporen hervorbringt! Sie dienen der \'eri)reitung der Art. werden als Sonnenstäul)c]ien vom Wind fort- getragen, und nur verhältnismäl.iig wenige aus diesen Millionen kommen üljerliaupt nur zum Keimen, geschweige denn zur vollen Fntwicklung der fertigen Pflanze. So sehen wir. dab die scheinbare \'erschwendun,u der Natur nichts ist. als eine Notwendigkeit, als die unerläliliche \'orbe(lingung für die Frhaltung der Art: die Fruchtbarkeit einer Art wird bedingt durch die Zerstörung, welcher sie ausgesetzt ist. Das zeigt sich klar, wenn eine Alt untei- neue und günstigere Lebensverhältnisse versetzt wird, in welchen sie eine Fülle von Nahrung, aber wenig Feinde antrifft. In diesem Falle waren z. H. die nach Südamerika eingeführten und dort verwilderten europäischen Pferde, von denen jetzt Herden von vielen Tausend Stücken auf den weiten Grasebenen umheischweifen. \'ermindern sich die kleinen Singvögel einer Gegend, so vermehren sich die Kau])en und andere d(;m Menschen schädliche Insekten, die diesen als Nahrung dienen. Die kolossalen Zerstörungen, welche der gefürchtete Spinner, die Nonne, von Zeit zu Zeit in unseren Wäldern anrichtet, beruht wohl zum Teil auf einei- Verminderung dieser und anderer In- sektenfeinde, zu der dann wohl noch den Raupen günstige Witterungs- verhältnisse mehrerer Jahre hinzukommen müssen. Wie mächtig, ja fast unbegreiflich die Individuenzahl der Rau])en untei- solchen Um- ständen anwachsen kann, zeigen solche Raujtenfi-aße. durch die z. R. in Preußen im Jahr IsöO viele (^)ua(lratmeilen Wald vollständig abgefressen wurden. Der Raupen wai-en so viele, daß man schon von einiger ?>nt- fernung den fallenden Kot derseli)on wie einen Regen niederrauschen hörte und daß 10 Zentner Fier iliier Schmetteilinge gesammelt wurden, ilas Lot zu 2()()()(> Fiern! Man würde aber sehr irren, wollte man au> diesem enormen und Itlötzlichen Anwachsen der Individuenzahl einer Art schließen, daß die Normalziffer der Individuen durch die Zahl der Feinde allein be- stimmt würde. Die durclischnittliclie Individuenzahl einer Art hängt von vielen anderen Rediiiguiigeu ab. vor allem von der (iröße des Woiingebietes und des Nahrungsvorrats im \'erhältnis zur Körpergrr)be der Art. Ich will darauf nicht näher eingehen, sondern nur liervur- liebcn, daß es für die Fortdauer einer Art gleichgültig ist. ob sie „häutig oder ..selten- ist. vorausgesetzt daß ihre Normalzilfer sich im Durchschnitt der Jahrhunderte gleichbleibt, d. h. daß ihre Fruchtbaikcil genügt, um den j(!desmaligen \'erlust durch Feinde und xMislige Zcr- Htr»rungsursachen zu decken. Man k('»niite zwar gerade au^ >olelieii Fällen ph'itzliclier eiioniier /unalime dei- Individuenzahl. wie ei' bei ciiUMU I>au|)(MifialJ >tatlliiidel. zu .schließen geneigt sein, dali die l'ein<le und andere zei-.st('»rende rrsachen am meisten feil an der Feststellung der Noniialzitfei- hätten. Das i>t indessen nur sclieitd»ar der Fall. Die Feinde maciieii eine gewi»e Fi-uditliarUeit der l'.euteait nniwcnflig.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0057.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)