Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![jeiKMi Be/ieliiiniien al). Der Systematik ijalt die Farbe einer Tiei'art (loch nur als ein Merkmal unterj^feordneten Wertes, weil sie häufig nicht ganz stetig und manchmal sogar recht schwankend ist; man hielt sich lieber an möglichst stabile Unterschiede, wie solche in der Foini. (ir<)|:;(» und Zahl der Teile sich darl)ieten. Erst Charles Darwin hat die Aufmerksamkeit wieder darauf hingelenkt, dal.! die Färl)ung der Tiere nichts weniger als eine gleich- gültige Sache ist. daß sie vielmehr in vielen Fällen dem Tier Nutzen bringt, indem sie dasselbe schwer sichtbai- macht: ein grünes Insekt auf gi'ünem Laub ti'itt wenig hervor und el)enso ein graubi-aunes auf der Rinde eines Haumes. Es liegt nun auf der Hand, dal.! eine solche mit der gewöhnlicheii Umgebung des Tieres übereinstimmende, sog. ..sympathische Fär- bung sich mittelst des Selektionsi)rinzii)s unschwer in ihrer Entstehung begreifen läßt und ebensowohl, daß sie sich dui-ch das LAMARCKsche Umwandlungsprinzi]) nicht erklären läßt. Durch Häufung kleiner nütz- licher Farbenvariationen kann sehr wohl aus der früheren Färbung allmählich eine grüne oder auch eine braune entstanden sein, nicht aber kann sich ein graues oder l)raunes Insekt dadurch, daß es die Gewohnheit annahm, auf l^lättern zu sitzen, in (irün umgefärbt haben, und noch weniger kann dabei der Wille des Tieres odei- irgendwelche Art dei- Tätigkeit mitgewirkt halben. Selbst wenn das Tier eine Ahnung davon hätte, daß es ihm nun. nachdem es sich an das Sitzen auf Blät- tern gewöhnt hatte, sehr nützlich sein würde, grün gefärbt zu sein, wäre es doch außerstande gewesen, irgend etwas für seine (irünfär- bung zu tun. Man hat allerdings in neuester Zeit an die Möglichkeit einei' Art von Farbenphotogra])hie auf der Haut der Tiere gedacht, allein es gibt eine Menge von Arten, die in ihier Färl)ung im (iegensatz zu ihrer Umgebung stehen, bei welchen also die Haut keine farbenijhoto gi-aphische Platte ist. und es müßte also zuerst erklärt weiden, wie es kommt, daß dieselbe bei den sym])athisch gefärbten als solche funktio- niert. Ich verlange nicht den Nachweis dei' chemischen Zusammensetzung des dabei vorausgesetzten lichtempfindlichen Stolfes. Möchte dieser .lod- silber oder ganz etwas anderes sein, die Frage bleibt die: Wie kommt es. daß er sich nur bei solchen Alten eingestellt hat. deren sympathische Färbung ihnen im Kamiif ums Dasein nützlich istV Und die Antwort darauf k()nntc für uns nur lauten: Er ist durch Naturzüchtung bei den- jenigen Arten entstanden, denen eine symi)athischo Färbung nützlich war. Also selbst wenn die Vermutung, daß es sich l)ci den symi)athischen Fär)»ungen um Selbstithotographie der Haut handle, richtig wäre, würden wir in dieser einen Ausfluß der Naturzüchtung sehen müssen, aber sie ist — allgemein wenigstens nicht richtig, wie schon aus dem obigen Einwurf hervorgeht und aus vielen anderen Erscheinungen der Farbeiiani)assung, in die ich Sie Jetzt einführen möchte. Wir werden also zur Erklärung der syini)atliischen Färbungen mit Darwin und Wallace einen Selektionspiozeli annehmen, der darin besteht, daß bei einem im Laufe der Zeit eintretenden Wechsel in der Färbung der Umgebung des Tieres durchschnittlich diejenigen Indivi- duen leichter der \'erfolgung ihrer Feinde entgingen, welche am wenig- sten von der Farbe (Um- Umgebung al>staclien und daß so im Laufe der (ieneiationen .sich eine immer größere i'bereinstimmung mit dieser Farlx' feststellte. \'ariati()nen in der Färbung kommen überall vor: sobald sie einen solchen (iiad enciclicn. daß sie ihrem Träger einen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0066.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)