Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![aber weiß wurden. Bef,äinsticrt imil-lte diese Doppelzüchtung dadurch werden, daß olinehin schon ein Haarwechsel bei Eintritt des Sommers stattfand: die Winteihaare fallen dann aus und der Pelz wird dünner. Im wesentlichen unterscheidet sich der Prozeß nicht von demjenigen, dei- eintreten muß. wenn bei einer Ait zwei oder mehr verschiedene Teile oder Eigenschaften, die nicht direkt zusammenhängen, verändert werden sollen, wie etwa Fär1)ung unrl Fruchtlniikeit. Der Kamjif ums Dasein wird hier einerseits (Ue (ninstiggefärbten. anderer>eit.-^ die Frucht- barsten l»egünstigen. und sollten selbst im Anfang noch beide P^igen- schaften nur getrennt vorkommen, so werden sie doch durch die freie Kreuzung sehr bald vereinigt werden, und es müssen zuletzt nur solche Individuen noch vorkommen, die zugleich möglichst günstig gefärl)t und m«)glichst fruclitl)ai- sind. So bleiben hier nur solche ül»rig. die im Sommer l)raun, im Winter aber weiß sind. Dem Einfluß von Selektionsjjiozessen werden wir auch die genaue Regulierung der Dauer des Winter- und des Sommerkleides in diesen Fällen zuzusclireil)en haben, wie sie l)esonders beim veränderlichen Hasen beobachtet sind. Dieser l)leibt auf den Hochalpen sechs bis sieben Mo- nate weiß, im südlichen Norwegen acht Monate lang, im nördlichen Nor- wegen neun Monate lang und im nördüchen Grönland verliert er sein weißes Kleid überhaupt nicht, wie denn dort der Schnee auch im Sommer nur stellenweise .-chmilzt und nur auf kurze Zeit. Allerdings spielt hiei- auch eine andere Anpassung hinein, nämlich diejenige des Haar- wuchses an die Kälte. Durch einen alten, vom Jahr \x'.\'} stammenden \'ersucli des Kapitäns J. Roß. den Poultox neuerdings wieder ans Licht gezogen hat. wissen wir. daß ein gefangener und im Zimmer ge- haltener Lemming im Zimmer nicht eher weiß wurde, als bis man ihn dei- Kälte aussetzte. Der Organismus solcher Tiere, die Winters weiß werden, ist also derait eingerichtet, daß der Eintritt der Kälte auf ihn als ein Reiz wirkt, welcher die Haut zur Ilervorbringung weißer Haare l)estimmt. Auch diese Einrichtung werden wir auf Naturzüchtung be- ziehen müssen, indem e> begreiflicherweise sehr nützlich für die Art war. (hiß ihr Winterpelz dann hervorwuchs, wenn er zum Schutz gegen die Kälte nötig war. Das erklärt zugleich, warum die Disi)Osition. auf den Reiz der Kälte mit Winterpelz zu antworten. l)ei solchen Kolonien arktischer Tiere, z. P>. des Hasen, früher eintritt, welche in Lai»it!aiid wohnen, als bei solchen, welche im südlichen Norwegen lei)en. Daß es al)er nicht etwa die direkte Wirkung der Kälte ist. welche das Haar eines Pelztieres weiß färbt. >ehen wir an unserem gemeinen Hasen (Le])us tinii(hi>). der trotz der Winterkälte niciit weiß wird, son- dern seinen braunen Pelz behält, und nicht minder an dem arktischen Hasen (Lei»u> variabilis). der im südbchen Schweden im Winter auch braun Idcibt. obi^lcich es dort im Winter recht kalt sein kann. .Vber die Schneebedeckung de.- liodens ist nicht mehr s(» ununterbrochen, wie im höheren Norden uiul >o wünU^ der weiße Pelz kein liesserer. somlern ein .schleciiterer Schutz >ein. als der braune. Es liandelt sich also bei der Weißfärbung der Polartiere siclier niciit um direktem Wirkungen (le> Kli- ma.-, wie man öfters gemeint hat. sondern um indirekte, d.h. um den Erfolg von Naturzüchtung. Ich habe das an diesem Heis|)iel klarlegen wollen. <lamit wir es nicht iiei allen folgenden inuuer zu wiederh(den lirauchen. Noch entx-liie'lener wird ;ii»er jeder iindeic l,rkl;iniiii:>\er-iicli au.— geschlos.sen. wenn wir jene koin pli/iert en l'ällr \(iii l-'aibena npa.>-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0071.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)