Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Gerstein Science Information Centre at the University of Toronto, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Gerstein Science Information Centre, University of Toronto.
78/722 page 62
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![(32 F;ulmiii.'oi) der Tiore. den lllätteni nicht ähiilichei' luaclieii wiiidoii. da die eiwaohseno Fiaiiiic viel ^nölJer ist als ein solches Blatt, an dem ül)erdies die Seiteniippen sehr wenit; hervoitreten. Tiotzdeni eifrent sich die Kaui)e eines sehr guten Schutzes, da sie nicht bei hellen Tag', sondein nur in der Dännne- rung und bei Nacht frißt, bei Tag aber sich untei- düireni Laub und Erde am Fuß dc> Busches veibirgt. Ihre Ähidichkeit mit dem Laub- werk ist sehr groß und wird noch (hidurch eilKiht. daß sie auf dem letzten Segment einen ziemlich großen, orangefarbenen Fleck trägt (/•). genau von der Farbe der reifen Sanddornbeeren, die gerade dann reifen, wenn die Rau])e ei'wachsen ist. Aber die Schmetterlinge selbst sind eben so vielfach verfolgte und schutzbedüit'tige Tiere wie ihre Raupen, und auch bei ihnen begegnen wir zahlreichen Schutzfärbungen, die noch besonders dadurch interes.sant sind, daß sie sich legelmäßig nur auf deijenigen Fläche des Tieres vor- finden, welche in dei- Ruhestellung desselben sichtl)ar bleibt, also ganz so. wie es zu erwarten war. wenn diese Färl)ungen durch Xaturzüchtung hei-vorgei'ufen sind. Die Ruhestellung der Schmetterlinge ist aber be- kanntlich bei den Tagfaltern eine ganz andere als bei den Nachtfaltern, ist auch bei diesen nicht in allen Familien dieselbe, und demgemäß finden wir sympathische Färbungen l)ei den verschiedenen Familien dei- Schmetterlinge auf ganz verschiedenen Flächen angebracht. Waium nun die Schmetterlinge nur in der Schlaf- oder Ruhe- stellung durch Färbungen geschützt zu werden brauchten, hat seinen Grund darin, daß es für den fliegenden Schmetteiling meistens keine P'ärbung geben kann, die ihn seinen Feinden schwer sichtl)ar macht, weil der Hintergrund, von dem sein Körper sich abhel)t. wählend des Flugs fortwährend wechselt, und übei'dies die Hew(?gung selbst ihn ver- rät, auch wenn er von düsterer Farbe ist. So kcmnten denn im allgemeinen nur diejenigen Flächen der Schmetteilingstlügel. welche in dei' Ruhe nicht sichtbar sind, ohne (Jc- fahr autfällend und bunt gefärbt sein, die sichtl»aren Flächen aber mußten durch Naturzüchtung sympathische Färbungen erlangen. Da die Tagfalter beim Sitzen die Flügel nach oben zusammen- schlagen, so ist nur ihre Unterseite sympathisch gefärbt und auch nur soweit, als sie sichtbar ist. d. h. auf dem ganzen Hintertlügel und dem Vorderflügel, soweit derselbe nicht vom Hinterflügel l)e(leckt ist. \'iele Tagfalter ziehen im Sitzen die Vordertlügel stark zurück, so daß nui- die SjMtze deiselben noch sichtbar bleibt, und dann ist auch nur diese Spitze mit Schutzfärbung versehen, andere tun dies nicht und dann ist nahezu die ganze Fläche des Flügels sym])athisch gefärbt. Kiiic einfache Schutzfärbung weist unser ..Zitionenfaltcr iRhodo- cera ihamni) auf. dessen Unterseite weißlichgelb ist und den Schmetter- ling sehr gut schützt, wenn er sich auf das düne Laul) am Boden der lichten (iehölze niederläßt, in denen er gern undierstreift. Auch unsere buntesten Tagfalter, die \anessa-Arten. haben alle auf dv.v Fnterseite eine düstere Färbung. l)al(l mein- ins Schwarzluauiie gehend, wie i)ei beim Tag-Pfauenauge, Vanessa Jo. I»ald mehr ins (irau- braune oder Braungelbe, aucii Rötlichl)raune spielend. Nienuils sind es einfache Färbungen, sondern immer iiestehen sie aus Mischungen ver- schiedenei- Farbentöne, ja oft ist es ein verworrenes Durcheinander vieler Farben, wie (irau. Braun, Schwarz. Weiß, (Jrün. Blau. (Jelb und Rot. aus Blinkten. Strich(Mi. Flecken. Ringen wundersam zu einem sehr koiistaiitcii Muster veiltuiulen. welches im uaii/en durchaus einheitlich](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0078.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)