Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
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Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![sind. Dal) jede persönlich geschärfte Polemik dal »ei wegfallen dui-fte. wird dem Buche nicht zum Nachteil gereichen, wenn auch sachliche Meinungskämpfe keineswegs fehlen und hoffentlich einiges zur Klärung der streitigen Fragen lieitragen werden. Ich habe mich bemüht, so viel von den Forschungen und Schriften Anderer bis in die jüngste Zeit hinein in die Darstellung hineinzuziehen, als es mir möghcli schien, ohne die Darstellung schwerfällig zu marhen: ich wollte ein Buch zum Lesen, nicht ein solche> zum Nachschlagen geben. Wenn schlielilich gefragt wird, für wen denn das Buch geschrieben sei. so kann ich kaum etwas anderes darauf antworten, als: ..für den. den es interessieif. (iehalten wurden die Vorträge vor einem Zuhörerkrei>. der größtenteils aus Studierenden der Medizin und der Naturwissen- schaften, aber immer auch aus einigen der anderen Fakultäten bestand: zuweilen befanden sich zu meiner Freude auch Kollegen anderer Fächer darunter. Ich habe in der Darstellung möglichst wenig Spezialkennt- nisse vorausgesetzt und sollte denken, daß. wer das Buch nicht bloß durchblättert, sondern liest, sich auch in die schwierigeren Fragen der späteren Vorträge ohne Mühe hineinlesen wird. Es sollte mich freuen, wenn es dem Buch gelänge, meinen theo- retischen Anschauungen in den Kreisen der Forscher größeren Eingang zu verschaffen, und ich habe deshalb den betreffenden Al)schnitten eine größere Ausdehnung gegeben, als je in den mündlichen \orträgen ge- schehen ist. Trotz so vielfachen Widerspruchs muß ich sie in ihren Grundlagen für richtig halten, vor allem die Annahme von ..Itestimmen- den Lebenseinheiten. Determinanten und ihrer Zusammenoi'dnung zu Iden: an der Determinantenlehre aber hängt dann weiterhin auch die (Jerminalselektion. und ohne diese bleil)t der große (iedanke der Leitung des Umwandlungsganges der Lebensformen durch Auslese unter \'erwerfung des Unzweckmäßigen und Bevor- zugung des Besseren nach meiner Überzeugung ein Torso, ein Baum ohne Wurzel. Nur von zweien unter den hervorragenden Forschern unserer Tage ist es mir bekannt, daß sie sich unumwunden diesen Überzeugungen angeschlossen hal)en: Emery in Bologna und J. Arthur Thomson in Aberdeen. aber ich hoffe, noch viele zu überzeugen, wenn erst der innere Zusammenhang und die Tragweite dieser Ideen in weitere Kieise ein- gedrungen sein werden. Mag ich auch in gar manchen Einzelfiagon irre gegangen sein und von den Tatsachen dei- Zukunft Berichtigung zu erfahren hai)en — in der (irundlage meiner Anschauungen habe ich sicherlich nicht geirrt: das Selektionsprinzi]» beherrscht in der Tat alle Kategorien von Lebenseinheiten: es schafft zwar nicht ilie jirimären Veränderungen, wohl alter bestimmt es die Entwicklung>i»ahnen. welche diese einschlagen von Anfang bis Ende, und damit zugleich alle Diffe- renzierungen, alle Steigerungen der Oigani.sation und schließlich den gesamten Entwicklungsgang der Organismenwelt auf unserer Erde, denn alles an den Lebewesen beruht auf Anpassung, wenn auch iiiclit alles auf der Anpassung im Sinne Darwins. Man hat dieses >tarke Hervorheben des Selektion>gedaid<en> der Einseitigkeit und der l'l)ertn'il)ung beschuldigt, alter mit demselben Hecht könnte man den Physiker der Einseitigkeit und ('Itertreibung l>e- .schuldigen. wenn er die Schwerkraft nicht bloU auf un.ser«'r Erde >ich wirksam deid<t. xtndern >ie den Lfe-aiuten Ko^mo-. l»eherrsclien lälit. sei](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)