Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau.
- August Weismann
- Date:
- 1904
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorträge über Deszendenztheorie : gehalten an der Universität zu Freiburg im Breisgau. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Gerstein Science Information Centre at the University of Toronto, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Gerstein Science Information Centre, University of Toronto.
93/722 page 77
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Der französische Lepidopterologe Boisduval kam noch einen Schritt weiter, inriem er es als etwas Merkwürdiges hervorhob, daß die Xatur zuweilen niehiere Arten aus ganz verschiedenen Familien völlig ähnHch macht und daViei auf drei afrikanische Sclimetterlinge hinwies, von denen wir später noch genauer zu siirechen halten werden. Aber auch er war noch zu sehr in den alten Anschauungen von der Unveränderlichkeit der Arten befangen, als daß er zur richtigen Einsicht hätte gelangen können. So wai- es Bates vorbehalten, hier den entsclieidenden Schritt zu tun. Aus der Beobachtung, daß die Helikoniden häufig und meist in größeren Schwärmen vorkommen, folgerte er. daß sie wenig Feinde be- säßen, und da er niemals sah. daß die zahlreichen, insektenfressenden Vögel und Insekten auf Helikoniden Jagd machten, so schloß er weiter, daß dieselljen etwas Widriges an sich halten müßten, das sie gegen diese Räuber sicherstellt. Umgekehit fand er die Helikonidenälmlichen Weißlinge immer nur selten und nahm dies als ein Zeichen, daß sie viel- verfolgte, also für Insektenfresser genießbare Bissen seien. Wenn es nun möglich war. daß eine Weißlingsart mit der gewöhnlichen weißen Fär- bung dieser P'amilie \'ariatioiien hervorbrachte, welche sie jenen vor \'er- folgung gesicherten Helikoniden in ii-gend einem Grade ähnlich machten, und wenn überdies solche Individuen -ich den Schwärmen der Heliko- niden beigesellten, so mußten diese Variationen bis zu einem gewissen (irade vor Nachstellung gesichert gewesen sein, und zwar um so mehr. je ähnlicher sie dem geschützten \'orbild waren. Die heutige hohe Ähn- lichkeit solcher Weißlinge mit Helikoniden wird also — so schloß Bates weiter — auf einem Selektionsi)rozeß Iteruhen. der darin seinen (irund hatte, daß in jeder (Generation durchschnittlich immer diejenigen Indi- viduen l)is zur Fortpflanzung erhalten blieben, welche dem \'orbil(l ein wenig ähnlicher waren, als die ültrigen. und es muß >ich dadurch die anfangs wolil nur schwache Ähnlichkeit nach und nach I»is zu der heu- tigen Höhe gesteigert haben. Die Voraussetzungen von Bates haben sich seitdem auf das glän- zendste bestätigt: die Helikoniden besitzen wirklich einen widrigen (ie- rucli und (jeschmack und werden von \'ögeln. Eidech^en und anderen- Tieren durchaus verschmäht. Man hat direkt beoltachtet. wie PutfVögel. Trogon-Arten und andere insektenfressende Vögel von der Spitze der Bäume herab nach Beute >]>äliten. die Scharen bunter Helikoniden aber unljeachtet ließen, welche das Lauliwerk unten uniHatterten. und Versuche mit verschiedenen insektenfressenden Tieren haben dasselbe Resultat ergeben: Die Helikoniden .-^ind immun. Wir ver>tehen darau> nicht nur. daß es vorteilhaft war. ihnen zu gleichen, sondern wir begreifen auch manche ihrer eigenen Eigenschaften, so ihre lUint- heit. die als Widrigkeitszeichen wirken muß, und ihren langsamen, flat- ternden Flug, der es den \ögeln noch mehr erleichtert. >ie als ungc- nießlmre iJeute zu erkennen, ferner das Zusammenhalten in Sclnvännen. Alle.>. was diese ungeni(d.il>ai('n Bis>en al> solche leichter kenntlich machte, muß für sie vorteilhaft gewesen und von Naturzüchtuiig be- günstigt worden sein (Taf. II. Fig. l.)). Eltenso wird l>ei den Naclialmiern jede Steigerung iler Ähnlichkeit die Aussicht eriiöhf haben, nicht aiifzufalien, und e> ist für jemand, der die Schmetterlinge vielfach in der Natur beobachtet hat. >ehr gut zu verstehen, daß sciion recht unliedeutemUr Ähnliclikeitt'u den Anfang des Selekfion-itrozesses geliildet lialieii können, vielleicht sogar schon allein](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20996330_0093.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)