Geschichte des medicinischen Unterrichts : von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart.
- Theodor Puschmann
- Date:
- 1889
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Credit: Geschichte des medicinischen Unterrichts : von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Source: Wellcome Collection.
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![Krankheit vorüber und die Gesundheit wiederhergestellt, so ist er ein Hüter.] Die indischen Ärzte waren gleich den übrigen Gelehrten von Steuern und anderen Lasten befreit und wurden für die Dienste, welche sie den Kranken leisteten, durch Geschenke belohnt. Es scheint, dass ihre Ansprüche in solchen Fällen nicht gering waren, wie sich aus den Mittheilungen über die seltsamen Kuren des Arztes Givaka Komarab- hakka, der zu Buddha's Zeit lebte, ergiebt.2 Er war das Kind einer Hetäre, wurde auf Kosten eines Fürsten, der sich seiner annahm, erzogen und bildete sich dann bei einem Lehrer, dessen Unterricht er sieben Jahre genoss, zum berühmten Arzt aus. Hat diese Erzählung vielleicht eine allegorische Bedeutung, indem sie die niedere käufliche Thätigkeit des Arztes, welche durch die höheren idealen Zwecke geadelt wird, veranschaulichen wollte? — In den Schulen der Bikkhus, der buddhistischen Mönche, welche nach dem Muster der Brahmanenschulen entstanden, wurden die Wissen- schaften vernachlässigt und hauptsächlich die Bildung des Charakters durch die Entsagung der Welt und ihrer Genüsse angestrebt. Da die Bikkhus das Leben als werthlos betrachteten, so achteten sie auch nicht auf die Mittel, es zu erhalten. Ihre Vorschrift, nur zu essen, was An- dere übrig gelassen haben, und den Urin der Kühe als Heilmittel zu gebrauchen,3 zeigt, wie geringen Werth sie auf die Pflege und Gesund- heit des Körpers legten. Und doch war es gerade ein buddhistischer König, Asoka oder Pryadarsin genannt, welcher zur Errichtung von Hospitälern anregte, und zwar nicht blos für Menschen, sondern auch für die Thiere; in diesen Anstalten wurden ärztliche Consultationen ertheilt und Arzneien verabreicht, ähnlich wie in unseren poliklinischen Instituten.4 Aller- dings war es nicht die Liebe zur Wissenschaft, sondern das Mitleid, welches Asoka dabei beseelte; aber die medicinische Wissenschaft hat daraus jedenfalls Vortheile gezogen. Auch auf Ceylon gab es Krankenhäuser. Der König Pandukabhayo soll schon im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Hospital in seiner Residenz Anaradhapura gegründet haben, und einer seiner Nachfolger, Duttha- 1 Böhtlingk: Indische Sprüche, Petersburg 1870. 2 The sacred books of the east transl. by Max Mölleb, Oxford 1881, T. XIII, p. 191, XVII, p. 173 u. ff., XX, p. 102 u. ff. 3 Koppen: Religion des Buddha, S. 338. * G. Bühler: Beiträge zur Erklärung der Asoka-Inschriften in d. Zeitschr. d. deutschen morgcnl. Ges. 1883, Bd. 37, S. 98 u. ff. (2. Edikt des Königs Asoka, der von 263—226 v. Chr. regierte).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21007378_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


