Über die Lebensweise der Zuckerkranken / von Wilhelm Ebstein.
- Wilhelm Ebstein
- Date:
- 1898
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über die Lebensweise der Zuckerkranken / von Wilhelm Ebstein. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Essen zeigten und ihren gleich bei Beginn der Krankheit verloren gegangenen Geschlechtstrieb wieder erwachen sahen. Deshalb auch kann man diesen Kranken nie energisch genug die Bewegung anempfehlen, und man kann sagen, dass bei passender aber durchaus nicht zu strenger Diät nach den eben besprochenen täglichen Leibesübungen, der Diabetes, besonders bei fettleibigen Individuen eher eine Unpässlichkeit als eine schwere Krankheit genannt werden kann. Es wird dem Leser nicht entgangen sein, dass man im Laufe der Zeit immer mehr von der von Rollo empfohlenen Diabetesdiät, d. h. von der nur aus Fleisch und Fett bestehenden Kost bei der Zuckerkrankheit zurück- gekommen war. Man hatte die Überzeugung gewonnen, dass eine solche Ernährungsweise die Zuckerkrankheit nicht zur Heilung bringe, und hatte gefunden, dass die Kranken sehr bald eine unüberwind- liche Abneigung dagegen bekommen und eine solche Kostordnung nach kurzer Zeit zurückweisen. Chambers^^), welcher als einer der ersten Empfehler der unter dem Namen der ,,Bantingkur, ^^) später so bekannt gewordenen Ernährungsweise für Fettleibige genannt werden muss, trat auch für eine ganz ausschliessliche Fleischdiät, mit Ausschluss des Fettes bei Zuckerharnruhr, ein. In der Praxis jedoch ging Chambers dabei vorsichtig vor und war milde in der Durchführung, weil ihn wohl die Erfahrung die Schwierigkeiten bezw. die Unmöglichkeit einer strengen Durchführung bald kennen gelehrt hatte. Chambers sagt: Die Hauptsache bei der Behandlung dieser Krankheit bestehe darin, die Kranken allmählich daran zu gewöhnen, sich allein von Fleisch zu nähren oder wenigstens allein von Eiweiss- körpern und leimgebenden Substanzen (gelatinous food). Er findet, dass den Diabetikern durch diese Art der Ernährung keine zu grossen Opfer auferlegt werden. Er erinnert daran, dass ebenso wie ganze Völkerstämme, welche auf diese Weise sich nähren, dabei wachsen und gedeihen, auch einzelne zuckerkranke Individuen sehr gut damit sich befreunden und dabei bestehen konnten. Indessen beschränkt schliesslich Chambers sich doch dahin (1. c. S. 448), dass man nicht weise handeln würde, wollte man bei einem, an einer chro- nischen Krankheit leidenden Individuum eine ihm unerträgliche Diät erzwingen. Es komme vielmehr bei der Diät der Zuckerkranken wesentlich darauf an, auf den Magen, den Appetit und den Ge- schmack Rücksicht zu nehmen, wenn man den Kranken rate, die grösstmöglichste Menge Fleisch zu gemessen. Finde man es aber für ■2 8) Chambres, Lectures chiefly clinical, p. 446. London 1864. 29) Cf. P]bstein, Fettleibigkeit, 7. Aufl. S. 34. Wiesbaden 1886. 2*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21050557_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)