Über die Lebensweise der Zuckerkranken / von Wilhelm Ebstein.
- Wilhelm Ebstein
- Date:
- 1898
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über die Lebensweise der Zuckerkranken / von Wilhelm Ebstein. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![praktisch, class der Kranke mehr zu sich nehme, so sei es besser, ihm, selbst wenn er einen Zwieback oder eine Brotrinde oder sogar Gemüse (vegetables) bei seinen Mahlzeiten geniessen wolle, darin nachzugeben, als gegen ihn tyrannisch aufzutreten. In neuester Zeit hat Cantani in Neapel den i^on Rollo vertretenen, aber keines- wegs mit Strenge durchgeführten Grundsatz, dass die Zuckerkranken für kürzere oder längere Zeit, je nach der Schwere der Krankheit, ausschliesslich Fleisch und Fett geniessen sollen, in der Praxis mit Konsequenz durchzuführen empfohlen^'^). Offenbar ist Cantani in seinen Forderungen im Laufe der Jahre nachgiebiger geworden ^^). Sagt er doch selbst, dass sein Kollege Primavera in Neapel seine Diät noch etwas strenger vorschreibe als er selber (1. c. [1889] S. 277). und für gewisse Fälle von „neurogenem Diabetes mellitus, welche auf seine ausschliessliche Fleisch- und Fettdiät absolut nicht reagieren, adoptiert er sogar gern eine Diät, wie sie von mir^^) vorgeschlagen worden ist. Auch auf dem 10. internationalen Kongress 1890 hat Cantani^^) sich in ähnlicher Weise ausgesprochen. Er erklärt hier seine günstigen Resultate dadurch, dass der Diabetes mellitus in Italien viel häufiger durch fehlerhafte Nahrung entstehe. Cantani versteht übrigens unter Heilung, wie im voraus bemerkt werden mag, keine absolute, sondern nur eine relative. Sie betrifft die Fälle, bei denen massige Mengen von Kohlenhydraten gut vertragen werden, deren übermässiger Genuss aber zu wirklichen Rückfällen führen kann. Zuerst verlangte Cantani (1. c. [1880] S. 370), dass der Kranke bei allen Mahlzeiten nur Fleisch und Fett geniesse. Das Fleisch könne von allen Wirbeltieren stammen. Er gestattet seinen Patienten auch, mit alleiniger Ausnahme der nur bei leichteren Fällen erlaubten Leber, die inneren Organe dieser Tiere, wie das Gehirn, die Nieren u. s. w. Bei der Zubereitung dieser Nahrungsmittel müssten aber selbstredend alle Kohlenhydrate (Zucker, Stärkemehl) und auch die Gewürze ausgeschlossen werden. Von Fetten verbot Cantani zuerst wegen ihres Gehaltes an Milchzucker die Butter, indes gestattete er alle tierischen Fette. Er bevorzugte wegen seiner 30) A. Cantani, Diabetes mellitus. Autorisierte, vom Verf. mit neuen Bei- trägen versehene Ausgabe. Aus dem Italienischen von Dr. S.Hahn. Berlin 18S0. 31) A. Cantani, Deutsche medizinische Wochenschrift 1889, Nr. 12—14.' 32) Ebstein, Deutsches ärztl. Vereinsblatt, Mai 1883, und Die Zuckerharn- ruhr, ihre Theorie und Praxis. Wiesbaden 1887. 33) A. Cantani, Verhandlungen des 10. intern, mediz. Kongresses, H S. 96, Abt. V. Berlin 1891.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21050557_0034.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)