Über die entzündlichen Erkrankungen der Stirnhöhlen und ihre Folgezustände : eine klinische Studie / von Hermann Kuhnt.
- Date:
- 1895
Licence: Public Domain Mark
Credit: Über die entzündlichen Erkrankungen der Stirnhöhlen und ihre Folgezustände : eine klinische Studie / von Hermann Kuhnt. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
262/292 page 246
![SclmierzenipHiullichkeit in diesem Falle an der vorderen knöchernen AVand relativ und absolut wesentlich mehr ausgesprochen als an der unteren Wand. Die Sehschärfe ist normal, bei einer Hypermetropie von 1. ])., normal die Pupillenreaktion, das Gesichtsfeld des linken Auges jiicht wesentlich (10—15°) eingeschränkt, sehr deutlich dagegen das des rechten, sowohl für weiss wie für rot, und zwar beträgt der ziemlich gleichmässig konzentrische Defekt 20—26°. Geringe Insufficienz der Interni. Starke venöse Stase auf der Papille und in der Netzhaut. Bezüglich der Exploration der Nase hatte Herr Dr. Gerber die Freundlichkeit, mir folgenden Vermerk zu geben: „Im rechten mittleren Nasengange zeigt sich Eiter, ebendaselbst auch ein kleiner Schleimpolyp, das vordere Ende der mittleren Muschel verdickt. Auch im postrhino- skopischen Bilde sieht man Eiter im mittleren Nasengange und auf der hinteren Fläche der rechten mittleren Muschel. Links verlegt eine sehr starke Spina septi den Einblick.“ Wegen der enormen Schmerzhaftigkeit wurde bereits am 20. Februar in Athernarkose zur Operation geschritten. Horizontaler Schnitt wie gewöhnlich. Zunächst probatorische Er- öffnung unter dem Brauenbogen an der üblichen Stelle. Sobald der Knochen entfernt ist, wölbt sich die Schleimhaut sogleich bedeutend hervor. Bei der Incision entleeren sich ganz enorme Massen reinen, gelben, geruchlosen Eiters. Es werden zunächst mehrere Röhrchen von Glycerin- Agar beschickt, dann wird der Eiter durch Irrigation entfernt. Der Sinus misst horizontal 3,7 cm, vertikal 3,4 cm, sagittal 2,6 cm. Die Sondierung des Ductus nasofrontalis gelingt nicht. Es wird die Ent- fernung der ganzen vorderen Wand ins Auge gefasst und mit Meissei und Hammer sowie Luer’scher Zange ausgeführt. Schon hatte ich in dem Glauben, den ganzen Umfang der Stirnhöhle um- grenzt zu haben, zum scharfen Löffel gegriffen und begonnen, die verdickte, glasige, gelb-weisse, überaus brüchige Mukosa auszuschaben, als mir folgende Überraschung zu Teil wurde. Der Löffel sollte eben zum Schluss in dem temporalsten Ende, wo die Schläfen- grube beginnt, die Schleimhaut beseitigen, als ich plötzlich in eine zweite Höhle fiel, die nur durch eme Schleimhautlamelle von dem eigentlichen' Sinus abgetrennt war. Neuerliche Entleerung einer be- deutenden Quantität Eiters. Dieser abgeschlossene Recessus, welcher eine Art von Sinus accessorius darstellte, war von annähernd runder Form, mit einem Durchmesser von etwa 1,5 bis 1,6 cm. In seinem Bereich konnte ich, da ich Bedenken trug, den IMus- kulus temporalis soweit abzulösen, die vordere Wand nicht ganz weg- nehmen. Doch noch weitere Sonderheiten zeigten sich. Dort wo de uorma die hintere und untere Sinuswand Zusammentreffen, fand sich keine feste Knochenmasse, sondern nur eine dünne, au einzelnen Stellen durchbrochene Kuochenlamelle, die schon beim kräftigen Ab- schaben der Schleimhaut nachgab. Es zeigte sich, dass hier ein System von zahlreichen kleinen, an einander grenzenden und mit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21989503_0262.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


