Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert.
- Hugo Ribbert
- Date:
- 1901
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert. Source: Wellcome Collection.
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![Ob hat man immer wieder den neu gewonnenen Thieren l)estimmte A erletzungen beigebracht, um zu sehen, ob sie nicht schliesslich doch bei den Nachkommen vererbt aufträten. Aber ohne Erfolg. ]\[an hätte sich das freilich auch angesichts des Umstandes schon sagen können, dass die seit Jahrtausenden durchgeführte Be- schneidung hei den Tseugeborenen noch keine Verkürzung des Prae- putiums bewirkt hat. So ist man denn heute darin so ziemlich einig, dass traumatische Veränderungen sich nicht vererben. Daher sind wir nach unseren Erfahrungen nicht in der Lage, die Frage, ob er^'orhene Eigenschaften übertragen werden können, mit ja zu beantworten. Allerdings giebt es viele Vertreter dieser Lehre, aber sie können sich nicht auf unzweideutige Versuche stützen uud alle sonst von ihnen angeführten, der täg- lichen Erfahiung und der Pathologie entnom- menen Beispiele lassen auch eine andere Deutung zu. Sie sind auch deshalb nicht zwingend, Aveil es sich sclnver feststellen lässt, dass die Eigenschaft, deren Vererbung man annehmen zu müssen glaubt, wirklich eine im engeren Sinne erworbene, d. h. weder bei den Vor- fahren bereits vorhandene noch in der Keim- zelle bereits angelegte ist. Andererseits lässt sich freilich auch nicht beweisen, dass es keine Vererbung erworbener Eigenschaften geben könne. Denn über die Beziehungen zwischen Eltern und Keimzellen sind wir nicht unterrichtet. Wir wissen z. B. nicht, in welcher Weise und ob das Nerven- system auf Ei und Spermatozoon einzuwirken im Stande ist. Die .twefte Ansebauung leimt eine direkte Uebertragung auf Pli und Spermatozoon ab. Sie gründet sich auf die sogenannte „Conti- nuität des Keimplasmas“, zu deren Verständniss das Schema Phg. I dienen soll. Danach sind die Geschlechtszellen c nicht die Pro- dukte des IndiA'iduums C, in Avelchem sie sich befinden, sondern sie leiteten sich continuirlich in selbständiger Reihe von derselben be- fruchteten Eizelle b des Pllters B ab, aus welcher auch der sie tragende Organismus C hervorging. Die Eizelle Aon B Aviederum ist ein direkter Nachkomme des Eies o eines Individuums A, von dem Eig. 1. Schema über Vererbung. Erklämng Im Text.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112635_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


