Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert.
- Hugo Ribbert
- Date:
- 1901
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert. Source: Wellcome Collection.
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![in KGrlin, lulir mit Erfolg clnvin fort, aber die völlige Beseitigung der Lehre trat erst ein, als hauptsächlich von Schülern Joh. Müllers gezeigt wurde, dass die Methoden der Chemie und Physik sich auch auf die vitalen Processe anwenden lassen. In dem Vitalismus, der Solidar- und Humoralpathologie haben wir nun die wichtigsten Richtungen kennen gelenit, die der Medicin bis in das neunzehnte Jahrhundert zu Grunde lagen. Die allgemeine Form aber, in welcher man die flüssigen und festen Theile l)e- trachtete, bot lange Zeit keine Veranlassung, in dem im Eingang dieses Kapitels angedeuteten Sinne nach den Körpertheilen zu suchen, welche durch den Angriff der äusseren Schädlichkeiten getroffen wurden. Der Vitalismus aber hatte an körperlichen Veränderungen, die er als secundäre, das Wesen der Krankheit kaum berührende, ansah, kein tiefergehendes Interesse. Doch konnte die anatomische Forschung, aller Theorie ungeachtet, an den bei Leichenöffnungen gewonnenen Befunden nicht vorübergehen. Seitdem durch Vesal (geb. zu Brüssel 1514, gest. 1564) die Anatomie neu begründet worden war und die Sectionen häufiger wurden, legte man immer mehr Wei-th auf die Abnormitäten der Organe. Die Kenntnisse wurden immer reichlicher und bereits in grösseren Werken gesammelt. Aber die erste umfassende und systematische Darstellung lieferte J. B. Morgagni (1682—1771), Lehrer der Anatomie in Padua, in seinem Werke „De sedibus et causis morborum“ (1761). Er setzte die Leichenbefunde zu den Erscheinungen während des Lebens in Beziehung und wies den verschiedenen Krankheiten im Körper ihren Sitz an. Zahlreiche Aerzte folgten seiner Forschungsmethode. Wir nennen nur noch Rokitansky, den wir schon als letzten Ver- treter humoral-pathologischer Anschauungen kennen lernten. Er ])etrachtete zwar die localen Abnormitäten als die Folgen primärer Dyskrasien, aljer sie waren insofern doch der Ausdruck der Krank- heiten, deren jede durch eine bestimmte Veränderung ausgezeichnet ist. In der Werthschätzung der pathologischen Anatomie jedoch zu weit gehend, war Rokitansky der Ansicht, dass sie allein aus- reiche, um ein in allen wesentlichen Punkten richtiges Bild der Krankheit zu geben. Sein Lehrbuch der pathologischen Anatomie, welches reich an vortrefflichen Darstellungen ist und in welchem er für jene Lehren eintrat, erschien 1842. Wenige Jahre später begann ViRcnow’s wissenschaftliche Lauf- bahn. Er trat der Humoralpathologie Rokitansky’s mit Schärfe entgegen und zeigte, dass die Vorstellungen über primäre Dyskrasien völlig in der Luft schwebten und dass die Krankheiten von den](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112635_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


