Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert.
- Hugo Ribbert
- Date:
- 1901
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Credit: Lehrbuch der allgemeinen Pathologie und der allgemeinen pathologischen Anatomie / von Hugo Ribbert. Source: Wellcome Collection.
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![beantwortet werden, dass natürlich nur die mit einer bestimmten Function betrauten Abschnitte von Bedeutung sind. Neben ihnen, die das eigentliche Protoplasma repräsentiren, giebt es noch andere, von KurFFEK als paraplasiische bezeichnete Zellbestandtheile, die sich nicht sell)ständig verändern können, die vielmehr von der Beschatrenheit des Protoplasmas abhängig sind, also für sich selbst nicht in Betracht kommen. Dahin gehören erstens von aussen aufgenommene Substanzen, wie Fett, Pigment, Glykogen, Fremdkörper. Ihr Fehlen oder Vor- handensein ist an sich gleichgiltig, solange die Zelle selbst nicht untei* ihrer Gegenwart oder Ahwesenweit leidet. Dasselbe gilt zweitens für Producte der Zelle, wenn sie in ihr liegen bleiben, wie Galle, Schleim, Harnbestandtheile in Nieren- epithelien, Fett in Xebennierenzellen, Hornsubstanzen in Platten- e])ithelien u. s. w. Drittens aber ist auch im Protoplasma selbst zweifellos zu unterscheiden, zwischen der eigentlichen, fettreich zu denkenden und je nach den verschiedenen Anschauungen fadenförmig, granu- lär oder schaumig beschaffenen Zellsubstanz und der ihre Lücken ausfüllenden Zellffüssigkeit, in der einerseits die noch nicht assi- milirten Nährstoffe, andererseits die Stoffwechselproducte ent- halten sind. Alle die genannten paraplastischen Substanzen, deren Aufnahme in die Zellen oder deren Entstehung aus dem Protoplasma wir be- sprochen haben, können nun ihrerseits die Zellen schädigen oder sie sind ein Zeichen für eine vorhandene Abnormität derselben. Aber sie stellen keinen nothwendigen Zellbestandtheil dar, sie ge- hören nicht im eigentlichen Sinne zur lebendigen Substanz. Diese fiJlein isi es, deren Veränderungen die nhnormen Lehensvorgänge bedingen. welche die Krankheit darstellen. Sie allein darf dem Begriffe der Cellulaipathologie zu Grunde gelegt werden. Aber die lebende Substanz ist in der Zelle nicht in einer in sich gleichmässigen Anordnung vorhanden. Sie zerfällt nämlicb einmal in Kern und Protoplasma und so ist (von Bkneke) die Frage aufgeworfen worden, ob man nicht auf den für das Zellenleben maassgebenden Kern die Kraiikbeiten zurückführen und demgemäss von einer Nucleopathologie werde reden müssen. Nun mag es ja Fälle gelten, in denen der Kern zunächst geschädigt ist, aber man Avird ihn doch nicht dem Protoplasma generell als die letzte selb- •ständige Lebenseinheit gegenüberstellen können, deren Verände- rung die Grundlage der Krankheiten ist. Kern und Protoplasma](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28112635_0642.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


