Untersuchungen über Trichina spiralis : zugleich ein Beitrag zur Kenntniss der Wurmkrankheiten / von Rudolf Leuckart.
- Date:
- 1860
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![8 Diese Auffassung von Bischoff wurde auch von anderen und späteren deutschen Beobachtern getheilt, von Vogel, der die Cyste für einen Cocon hielt*), und Luschka, der dieselbe als Embryonal- oder Eihülle zu betrachten geneigt war**). Freilich muss hinzu- gesetzt werden, dass Letzterer diese Auffassung nur auf einen Theil der Cyste übertrug, auf die von ihm [wie auch schon früher von Bisch off*** )] angenommene innere Cyste, die den für den Aufenthalt des Wurmes zunächst bestimmten Hohlraum umkleide, während die äussere Kapsel, die dicht auf dieser inneren Hülle aufliege und, wie Luschka zuerst zeigte, durch Aufnahme von Kalksalzen eine feste und glasige Beschaffenheit besitzt, das Resultat einer späteren plastischen Exsudation sein sollte. In dieser Auffassung wurde Luschka, wie es scheint, noch dadurch bestärkt, dass er in dem Zwischenraum zwischen der Kapsel und ihrem Insassen eine dickliche Flüssigkeit fand, die nicht bloss feinkörnige Elementar- körper, sondern auch grössere, rundliche und elliptische Bläschen mit distinctem Kerne in sich einschloss und den Beobachter immerhin an den Dotterinhalt eines Eies erinnern mochte. Die Untersuchungen Luschka's beschränkten sich übrigens nicht allein auf die Kapsel, sondern betrafen auch den Wurm im Innern und führten durch Beobachtung und aufmerksame Prüfung der von demselben ausgeführten Bewegungen zu der Erkenntniss, dass das schlankere Körperende desselben als vorderes und nicht, wie man bisher allgemeinf) angenommen hatte, als hinteres betrachtet werden müsse. In der Deutung der inneren Organisationsverhältnisse war Luschka weniger glücklich, obwohl seine Beobachtungen auch hier insofern über die Angaben der früheren Forscher hinausgingen, als sie den Nachweis lieferten, dass der von Farre und Bischoff beschriebene Körnerhaufen nicht frei in der Leibeshöhle liege, sondern mit einem besonderen neben dem Endstücke des Darmkanales hinablaufenden weiten Schlauche in Zusammenhang stehe. In diesem Schlauche glaubte Luschka das männliche Geschlechtsorgan der Trichinen gefunden zu haben, wie er denn auch andererseits geneigt war, den perlschnurförmigen breiten Schlauch der vordem Körper- hälfte, den Farre als mittleren Darmabschnitt beschrieben hatte, der aber nach Luschka von dem eigentlichen Darmkanale, trotz inniger Verbindung mit demselben, verschieden sein sollte, als Bildungsstätte der Eier zu betrachten. Die Existenz besonderer Mund- und After- öffnungen, die auch von den früheren Beobachtern nur unvollkommen gesehen worden, wurde geläugnet: sämmtliche Schläuche des Trichinenkörpers sollten blind endigen und durch eine eigenthümliche Klappenvorrichtung am hintern Leibesende ihren Inhalt entleeren. Obwohl Luschka seine Ansichten über die zoologische Natur der Trichinen nicht mit geraden Worten ausspricht, so erkennt man doch bald, dass er unsere Parasiten für vollkommen entwickelte, selbstständige Thiere hält. Und das ist auch die Ansicht der frühern hier erwähnten Beobachter (mit Ausnahme Vogel's), die Ansicht namentlich auch des ersten *) Pathologische Anatomie des menschlichen Körpers. 1845. Th. I. S. 422. **) Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. 1851. Th. III. S. 73. ***) Farre und andere frühere Beobachter sprechen freilich gleichfalls von einer äusseren und inneren Cyste, aber diese sind den von Bischoff angenommenen keinenfalls identisch. Die äussere Kapsel Farre's, die wir später noch näher kennen lernen werden, ist eine weiche, wie Farre sagte „zellgewebige Hülle, in deren Innerem erst die ovale oder citronförmige Kalkschale gelegen ist. f) Bischoff ist der Einzige, der einen leisen Zweifel über die Richtigkeit dieser Annahme laut werden lässt, indem er (a. a. 0. S. 239) bemerkt: „der Analogie mit den meisten übrigen Nematoden nach sollte man übrigens den Mund an dem feinern Ende suchen. 1*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21993889_0009.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


