Summa medicinalis. Nach den Münchener Cod. lat. Nr. 325 und 13124 erstmalig ediert : mit einer vergleichenden Betrachtung älterer medizinischer Kompendien des Mittelalters / von Paul Diepgen.
- Gualterus Agilius, active 1250-1272.
- Date:
- 1911
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Credit: Summa medicinalis. Nach den Münchener Cod. lat. Nr. 325 und 13124 erstmalig ediert : mit einer vergleichenden Betrachtung älterer medizinischer Kompendien des Mittelalters / von Paul Diepgen. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![4 AC IS 20. ans gehende, im Vorwort zitierte Arbeit.) Nach den Anschauungen, die zu Agilons Zeiten maßgebend waren, ist der Harn das Filtrat des Blutes bzw. aller vier Körpersäfte, welches in der Niere aus dem Körper abgeschieden wird. So hatten es Theophilus?) bzw. Isaak Judaeus,?) nach ihm Maurus,*) Aegi- dius von Corbeil) u. a. gelehrt. Er wird neben anderen Überschüssen, superfluitates (Galle usw.) bei der sog. zweiten Verdauung?) in der Leber ge- bildet und begleitet das Blut von hier noch bis zur Niere. An sich ist das Harnfiltrat farblos und durchsichtig wie Wasser. Dadurch aber, dab der Urin von den vier Körpersäften und den ihnen innewohnenden Primärqualitäten (Elementen) beeinflußt wird, bekommt er ein verschiedenartiges Aussehen. Dieses gestattet bei genauerer Kenntnis der Einzelheiten, weitgehende Rückschlüsse auf das Verhalten des Humores im Inneren des Kórpers und die humoral- pathologischen Vorgänge. *) Nach Agilon (S. 85) ist es möglich, aus der Untersuchung des Harns die Kenntnis der drei Dinge zu gewinnen, die das Wesen jeder Krankheit aus- machen und deren Diagnose er nach Galen für die notwendige Voraussetzung jeder Therapie hält, der accidentia (Symptome), des Krankheitsortes und der Krankheitsmaterie, nach deren Beschaffenheit sich die Wahl des Austreibungs- mittels richten muß. Die materia peccans erkennt man aus der Farbe und der sog. substantia [etwa Konsistenz oder Dichtigkeitsgrad] des Urins (S. 85); denn die Farbe entsteht mediantibus qualitatibus activis (Kälte bzw. Wärme) und die Substanz mediantibus qualitatibus passivis (Trockenheit bzw. Feuchtigkeit. Da jedem von den vier Säften je zwei von diesen Elementarqualitäten zukommen, so müssen die Humores jeder für sich und in ihrer Mischung die Farbe und die Konsistenz des Harnes in verschiedener Weise beeinflussen. So bedingt z. B. die schwarze Galle [S. 163°)], welche kalt und trocken ist, durch ihre Kälte einen grünen bzw. weiflichgrünen und durch ihre Trockenheit einen von Kon- sistenz dünnen Harn. t) Vieillard hat sich auch mit der Frage beschäftigt, inwieweit sich die von den alten Urologen beobachteten Befunde mit denen der modernen Harnanalyse berühren, einen Gegenstand, den wir außer Acht lassen, I beopnhbilus, Tre 3) Isaak Iudaeus, liber urinarum in Opera omnia Ysaaci, fol. CLVI u. f. ^) Magistri Mauri regulae urinarum, Coll. Sal. III, S. 2 u.f. Vgl. außerdem die. bei Pfeffer, l c. S. rr, aufgeführten Werke, die sich mit dem Harn beschäftigen. 5) Aegidius, liber de urinis in Aegidii Corboliensis carmina medica, Edit. Choulant. Leipzig 1826, S. 4. u. f. 6) Man unterschied seit der Antike (cfr. Galen, Kühn, XV, 233 u. a. Stellen) drei Arten der Verdauung: Die erste vollzieht sich im Magendarmkanal (Exkret: Stuhlgang), die zweite in der Leber (Exkret: Harn usw.) die dritte in der Tiefe der Gewebe und Organe. Das Exkret der letzteren wird normalerweise von der Körperwärme verbraucht bzw. mit dem Schweiß ver- dunstet, also nicht sichtbar. Da die Gesundheitsbreite jedoch (z. B. in den verschiedenen Tempera- menten) innerhalb weiter Grenzen schwankt, kann es auch beim normalen Menschen gelegentlich im Harn zum Vorschein kommen, in größerer Menge aber nur in der Krankheit und bildet dann die sog. Contenta des Harns. (Vgl. S. 29.) 7) Darin liegt naturgemäß eine Beschränkung, und wenn Agilon so ziemlich alle Krankheiten den verschiedenen Urinen subrubriziert hat, u. a. auch chirurgische Affektionen, so handelt es sich lediglich um áufere Verknüpfungen. 5) Schon bei Aristoteles (lib. meteor. IV, 1r) werden Kälte bzw. Wärme als aktive und | Trockenheit bzw. Feuchtigkeit als passive Elemente bezeichnet. ?) de excessu melancolie naturalis.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28984031_0034.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)