Hautkrankheiten bei Stoffwechsel-Anomalien : referat erstattet dem V. Internationalen Dermatologen-Kongress in Berlin (September, 1904) / von J. Jadassohn.
- Jadassohn, Josef, 1863-1936.
- Date:
- 1905
Licence: Public Domain Mark
Credit: Hautkrankheiten bei Stoffwechsel-Anomalien : referat erstattet dem V. Internationalen Dermatologen-Kongress in Berlin (September, 1904) / von J. Jadassohn. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Francis A. Countway Library of Medicine, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the Francis A. Countway Library of Medicine, Harvard Medical School.
48/144 (page 34)
![Lieben planus [Danlos (211), Brocq (bullosus, 212), Saalfeld], Pityriasis rubra (oder dafür vielleicht richtiger Dermatitis exfoliativa — Horden) (213), Rosacea, Dermatitis herpetiformis (Duhring) — nach allerdings keineswegs sehr beweiskräftigen Angaben (214), Sklerodermie (215), Alopecia areata (Naunyn). Ich kann für alle diese Krankheiten aussagen, dass ich die Koinzidenz mit Diabetes nicht beobachtet habe. Ueber die von F. J. Pick beschriebene Epi- theliosis mucosae oris habe ich nur noch sehr wenig Angaben gefunden; die Leuko- plakie-Patienten Saalfelds wie die meinigen waren frei von Diabetes; Gross hat unter 800 Fällen von Diabetes (Material Senators) zweimal „Psoriasis linguae (Leukoplakie) gefunden; auch Barthelemy (1. c.) und Seegen erwähnen sie. Noch einmal auf die Mannigfaltigkeit der Pathogenese einzugehen, erübrigt sich um so mehr, als sehr vieles, ja das meiste in dieser Beziehung ungewiss ist. In den mehrfach zitierten Spezialwerken findet man die verschiedensten Möglichkeiten diskutiert, welche sich alle in das im ersten Teile gegebene Schema einreihen lassen. Dass es gerade beim Diabetes sehr vielfach andere Erkrankungen sind, welche die Vermittlung zum Entstehen der Dermatose übernehmen, ist un- zweifelhaft: Magen-, Darm-, Leber-, Gefäss-, Nerven-Erkrankungen, Tuberkulose sind hier in erster Linie zu nennen. Auch ist sehr wohl die Möglichkeit vorhanden, dass nicht der Diabetes selbst, sondern die so oft mit ihm kombinierte Fettsucht oder Gicht Komplikationen auch auf der Haut bedingen (216). Alle Vorstellungen darüber, wie der Diabetes unmittelbar auf die Haut wirkt — durch Verbesserung des Nährbodens für die Bakterien, durch Verringerung der Widerstandsfähigkeit der Haut, durch ana- tomische Veränderungen [etwa in Analogie mit den Nierenepithel- Nekrosen Ebsteins (217)] — oder wie er die Haut beeinflussen könnte durch Verminderung der Alkaleszenz und ßakterizidie des Blutes (218). durch Entwässerung oder auch durch Passage einer grösseren Menge Wassers durch die Haut (Harnack) — alle diese Vorstellungen sind noch ganz hypothetisch. Dass auch höchstwahrscheinlich nicht infektiöse Schädigungen auf die Haut des Diabetikers anders wirken als auf die des Normalen, lehrt nicht blos die Tatsache, dass auf einfachen Druck beim Diabetiker leicht Brand auftritt, sondern es scheint auch aus Rosenblaths Fall hervorzugehen, in welchem Hämorrhagien in trockene, anscheinend sterile Schorfe sich umwandelten. — Ich bin am Ende dieser Uebersicht über die diabetischen Derma- tosen. Wie weit noch Lücken in bezug auf das zu definitiven Fest- stellungen notwendige Material vorhanden sind, habe ich nicht ver- schwiegen. Wir müssen uns auch hier vor Verallgemeinerungen hüten. Die Häufigkeit des Diabetes bei Furunkulose wie bei genitalen Ekzemen scheint mir nach meinem Beobachtungsmaterial vielfach überschätzt zu werden (219). Aber dieser Eindruck ändert natürlich nichts daran, dass auch bei den Hautkranken zur Aufnahme des Allgemeinstatus die wiederholte Harnuntersuchung auf Zucker (zu verschiedenen Tageszeiten) gehört und dass in sehr vielen Fällen auch der Dermatologe auf alimentäre Glukosurie prüfen muss. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auf diese Weise nicht blos noch neue Beziehungen kennen lernen](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21172845_0048.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)