Ueber den Leichenbefund bei der orientalischen Cholera / von P. Phoebus.
- Philipp Phoebus
- Date:
- 1833
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Credit: Ueber den Leichenbefund bei der orientalischen Cholera / von P. Phoebus. Source: Wellcome Collection.
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![Viel stärker und gleicltmäfsiger als bei den meisten anderen Leichen zeigte sich immer das ganze Arterien- system, von den gröbsten Stämmen bis in die feinsten, fast capillaren Aestchen, angefiillt (1G), doch begreiflich in geringerem Grade als das Yenensystem (17). Da das se remplissaient plus”; denn es ist dies sehr wahrscheinlich— wie man sich überzeugen wird, wenn man Froriep i.a.W. S.46. vergleicht — nur davon die Folge, dafs die Blutegel gar nicht anbeifsen oder 6ehr bald wieder abfallen; — so wie die Angabe von Anneslev (i.a.W. S.123.), dafs die grofsen Blut- egel in Madras bei Cholera-Kranken weit weniger Blut als sonst entlee- ren; denn es ist dies wohl nur die Folge von der Dicke des Blutes, wie auch Anneslev selbst andeutet. Dessen ungeachtet aber unterlaufen die Stiche noch so stark. (16) Nur mit diesen Modificationen ausgesprochen ist es zu recht- fertigen, wenn man die Anfüllung des Arteriensystems bei den Cholera- Leichen als etwas Eigentümliches darstellt. Es ist keineswegs richtig, wie noch immer Viele annehmen, dafs das Arteriensystem immer leer gefunden werde. Ich berufe mich dieserhalb auf Otto [Lehrb.d.patkol. Anat. Bd.I. 1830. $.203. 6); und Bem.üb.d.Chol. y a.a.O., S.273.], Ru- dolpht [Grdr.d.Physiol. Bd.2. Abth.2. S.307-8.] und Spitta fd.Leichen- öffug. S.40-42.] und die von diesen angeführten Autoren. Nach diesen Autoritäten hat man bei Erhängten, Ertrunkenen, im Kohlendampfe Er- stickten, vom Blitz Getödteten, im epileptischen Anfall Gestorbenen, Hy- drophobischen, nach gewissen hitzigen Fiebern, Entzündungs- und Aus- schlagskrankheiten, bei Verknöcherungen der Arterien, aufserdem (Otto) in vielen anderen Leichen, wo keine besondere Ursache dazu aufzufinden war, endlich auch bei durch in die Brust gelassene Luft getödteten Thie- ren die Arterien voll Blut gefunden. Ich glaube aber, man mufs diese Facta noch genauer und schärfer so aussprechen: Das Arteriensystem findet sich nie (Ausnahmen müfsten wenigstens unerhört selten seyn) ganz leer, meistens vielmehr sowohl in den gröfseren Stämmen als in den feineren und feinsten Verzweigungen eine Quantität Blut enthaltend, welche zwar um Vieles geringer als die im Venensystem enthaltene, im Ganzen aber doch noch ziemlich bedeutend ist; und jene von den Au- toren aufgeführten Fälle sind nur solche, in denen es, wie bei der Cho- lera, mehr als gewöhnlich enthält. Man überzeugt sich von der Rich- tigkeit dieser Ansicht sehr leicht bei den verschiedenartigsten anatomi- schen Präparationen, für die feinen Verzweigungen am leichtesten, wenn man sie auf freiliegenden Membranen-Flächen betrachtet. Eine vollkom- mene Entleerung des Arteriensystems wäre auch nicht wohl denkbar. (17) Es fehlt auch nicht an Autoren, die, unserer Behauptung ge- rade entgegengesetzt, von ungewöhnlicher Leere des Arteriensystems spre-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22354736_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


