Vorstudien zu einer wissenschaftlichen Morphologie und Physiologie des menschlichen Gehirns als Seelenorgan / [Rudolph Wagner].
- Rudolf Wagner
- Date:
- 1860-1862
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Credit: Vorstudien zu einer wissenschaftlichen Morphologie und Physiologie des menschlichen Gehirns als Seelenorgan / [Rudolph Wagner]. Source: Wellcome Collection.
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![dem männlichen Gehirn bei Gratiolet1) und dem damit zusammengestellten Gehirn der Hottentotten-Venus in der Seitenansicht, wo die Parallelfurche sehr stark, die zweite und 3te Windung jedoch, wegen fast mangelnder Furchen- bildung, kaum von einander abgesetzt sind. Die erste Schläfewindung geht immer nach oben in der Art in die Pa- rietallappen und Occipitallappen über, dass sie mit einem vorderen Schenkel in den hintersten Theil der 3ten Parietalwindung (Scheitelhöckerlappen] bl und nach hinten in die zweite Occipitalwindung d2, oft unter Theilnahme der zweiten Schläfewindung übergeht (vgl. z. B. Tab. VI. der früheren Abhand- lung, Tab. III. Fig. III. beim Mikrocephalus]. Vergleicht man hiemit unsren typischen Alfen (Cercopithecus] Tab. III Fig. IV., so liegt auch hier der oben geschilderte Plan und zwar in grösster Einfachheit vor. Die erste Temporalwindung c1 verläuft fast ganz gestreckt, mehr senkrecht als beim Menschen, ohne Schlängelungen parallel mit dem hin- teren Schenkel der Sylvischen Furche, durch die tiefe, starke, fast ganz senk- recht gestellte Parallelspalte von der zweiten Windung getrennt, oben mit der zweiten b2 (pli courbe] und dritten Scheitellappenwindung b3 verbunden. Von der parallellaufenden dicken zweiten Schläfelappenwindung (c2) ist die dritte nur unten (c3) abgetrennt und angedeutet, während die zweite nach hinten in die unterste Occipitallappenwindung d3 übergeht, wo der menschliche Typus kaum mehr kenntlich ist und verschwindet. Ueberaus interessant ist nun ein Verfolg der Bildung der typischen Atfen- gruppen einerseits zu den anthropoiden, andrerseits zu den Krallenaffen. Hiezu muss man die schönen Tafeln von Gratiolet zur Hand nehmen und insbe- sondere ist die colorirte Tab. XII., welche eine so geistreiche schematische Darstellung des Bildungsplans des Affengehirns giebt, sehr geeignet das zu verfolgen, was ich sagen will. In allen Gehirnen tritt die äussere Conliguration des Schläfelappens beim Menschen und Affen als eine constante, fast unveränderliche auf, welcher in den niedersten Affen bei Oedipus und Jacchus 2j ein noch dicker, unge- 1) Plis cerebraux Tab. II. 2) PI. XI Fig. 14 und 17.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28087574_0154.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)