Anatomie des Zentralnervensystems : Sechster Bericht enthaltend die Leistungen und Forschungsergebnisse in den Jahren 1911 und 1912 / von L. Edinger und A. Wallenberg.
- Ludwig Edinger
- Date:
- 1913
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Credit: Anatomie des Zentralnervensystems : Sechster Bericht enthaltend die Leistungen und Forschungsergebnisse in den Jahren 1911 und 1912 / von L. Edinger und A. Wallenberg. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![junger Kaulquappen: Bildung peripherer Nerven ohne Mitwirkung späterer kernhaltiger Gebilde, also lediglich aus der Ganglienzelle, besteht noch heute zu Recht, strittig ist nur die Frage, wie weit auch die von H. beobachteten Plasmodesmen zwischen Endorgan und Ganglienzelle an der Nervenbildung beteiligt sind. Braus hat seine frühere Ansicht, daß die Nerven autogen entstehen, geändert, er glaubt jetzt, daß sie aus der Gang- lienzelle aus wachsen, hält aber die Beteiligung eines autochthouen Faktors bei der Bestimmung der 'Nervenbahn für erwiesen. Zur Entscheidung der Frage, ob die von den Neuroblasten aus- wachsenden Nerven allein ihren typischen Weg zu den Endorganen finden, das heißt ein für die betreffende Extremität typisches Nervensystem liefern, verpflanzte Braus Extremitäten-Knospen, die noch nervenlos waren (Bombinator igneus), und erhielt trotzdem typische Nervenbahnen und Nerven Verzweigungen (konform mit Harriso n, der künstlich durch Entfernung der Nervensystem- Anlage im Rumpf vor Auftreten der Neuriten nervenlos gemachte Extremitätenknospen verpflanzt und doch ein typisches Nervensystem der betr. Hinterpfote erlangt hatte): Der fremde Neurit, der in die verpflanzte Knospe hineinwächst, er- zeugt also ein typisch verlaufendes Extremitäten- Nerveusj''stem. Wie findet der Nerv in diesen Fällen seine Bahn? Durch passives Mitschleppen mit den Muskel- und Endorgan-Änlagen jedenfalls nicht immer, da einerseits die zunächst nerven- losen paarigen Haifisch-Flossen später typische Plexusbildung zeigen und anderseits die Haut- nerven, auch wenn die Muskelnervenanlagen nicht mittransplantiert werden, in typischen Bahnen aus- wachsen, als ob sie mit den Muskelnerven zu- sammenliefen. Die Plasmodesmen sind die eigent- lichen Leitorgane der Nervenbahnen. Da, wo sie fehlen, kommen anscheinend auch keine tj^pischen Nervenbahnen zustande. Ob die Plasmodesmen im Sinne Hensens durch primäre Zellbrücken sich teilender Zellen entstehen, ist noch nicht siehe]' erwiesen. Auch in späteren Embryonal- perioden können sie sich bilden. Die von Cajal angenommene „Chemotaxis kann als Ursache der typischen Nervenbildung nicht herangezogen wer- den, weil er einen teleologischen beziehungsweise psychischen Faktor in den Prozeß der Nerven- bildung hineinträgt. Braus sieht also in Leit- fasern und Leitxellen den einen Faktor, „welcher nötig ist, um mit dem anderen, den Neurohlasten, zusammen die Nervenbahnen zu erzeugen. Viel- leicht bestehen beide Einrichtungen neben ein- ander, so daß „der Organismus gleichsam die Wahl hat, welcher Methode er folgt. Marcora (107) hat an Hühner- imd Enten- Embryonen mit verschiedenen Methoden die ersten Entwicklungsstadieu der Nervenzellen untersucht und kam dabei zu folgenden Resultaten : Die Neu- roblasten treten bereits als solche in frühen Fötal- stadien auf, besitzen schon in den ersten Ent- wicklungsphasen ein hoch differenziei-tes Proto- plasma (kontra F r a g n i t o u. a.). Es konnten nie Yerbinduugen zwischen ihnen gefunden wer- den, die nicht Artefakte waren. Sehr früh er- scheint auch der neurofibrilläre Apparat, der einen deutlich luiizeUulären Ursprung besitzt. Die Nissl- Körper entwickehi sich (konform vanBiervliet) später und zwar zunächst an der Peripherie. Ob sie dem Kerne entstammen (C o 11 i n), ist noch ungewiß. Vom inneren Netzapparat G o 1 g i s sind sie völlig wesensverschieden; beide entwickeln sich auch embryologisch verschieden. Ebenso- wenig haben die als „Chondriosomen bezeichneten Körnchen, Fädcheu und Stäbchen (kontra Mewes und Hoven) mit der Fibrillen-Entwicklung etwas zu tun, da sie morphologisch ganz verschieden sind und sich mit anderen Methoden färben. Hoven (108) dagegen glaubt, daß die Neuro- fibrillen durch chemische und morphologische Um- Avandlung der Chondriosomen der Neuroblasten und der Ganglienzellen entstehen. Anfangs lassen sie sich daher mit denselben Methoden wie der Mitochondrialapparat darstellen, später durch be- stimmte NeurofibriUenfärbemethoden und durch Silberimprägnation, schließlich nur noch durch letztere. Einige Chondrioconten persistieren in der erwachsenen Nervenzelle. Als Granulationen oder als Stäbchen um den Kern (= apparato retieolare Golgi, Binnennetz Kopsch usav.). Die peripheren Nervenfasern nehmen ihren Weg in Interzellularräumen, sie treten mit Mesenchym- zellen in keine Verbindung. Zu den letzteren gehören auch die Zellen der Schwann sehen Scheide. (V. Franz.) W a r r e n und MargaretLewis (64) haben kleinste Darmteile von Hühnerembryonen in ver- schiedenen Salzlösungen im hohlen Objektträger längere Zeit hindurch bei Ölimmersion beobachtet (Körperwärme oder Zimmertemperatur) und konnten Harrisous Resultate (s.d. früheren Berichte) voH bestätigen. Es wuchsen Sympathikus-Fasern aus dem Darm mit großer Schnelligkeit bis zu 1 mm Länge aus, krochen längs der Unterseite des Deckglases^ verhielten sich also „stereotrop im Sinne Harrisons und ließen sich infolge- dessen andauernd mit Ölimmersion beobachten. Mit Heideuhaius Eisen-Hämatoxylinfärbung wur- den in ihnen Neurofibrillen, Varikositäten, End- bäumchen und Primitivfasern dargestellt. Sie scheinen eine körnige Struktur zu besitzen. Diese „Neurogranules reagieren besser auf Eisen- hämatoxylin als die Chromosomen. Die sym- pathischen Nervenfasern wachsen also ebenso wie die dem Zentralorgan entstammenden aus Ganglien- zellen aus und nicht aus präexistierenden Plasma- netzen. Die Transplantation umgedrehter Hirnteile — sodaß vorn und hinten vertauscht wird — bei Embryonen von Rana fusca, Rana esculenta, Bom-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21296546_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)