Grossere Operationen im Kriege 1870/71 / herausgegeben von der Medizinal-Abtheilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums ...
- Date:
- 1890
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![einzelnen Preussischen Ärmeekorpsbezirken von Westen nach Osten und von Süden nach Norden (d. h. mit der wachsenden Entfernung vom Kriegsschauplatze) stetig ab- nehmen, was als Beweis für eine grundsätzlich richtige Hand- habung der Krankenzerstreuung angesprochen wurde. Prüft man darauf hin die Zahlen der Oberschenkel-Amputationen allein, so findet mau wiederum die meisten Operationen (26 und 25) in den zunächst am Kriegsschauplätze ge- legenen Bezirken des VIII. und XI. Armeekorps, im Be- reiche des YIL, X. und IX. Armeekorps hingegen nur 10 bezw. 9 solcher Eingriffe, nach Osten hin im IV. nur Ii, im III. nur 2, in den noch weiter östlich gelegenen Be- zirken gar keinen. Bei den 15 in einheimischen Lazarethen des Gardekorps vorgenommenen Oberschenkelabsetzungen ist das auf S. 82 betreffs der Berliner Lazaretheinrichtungen Gesagte mit zu berücksichtigen. Minder deutlich erhellt aus den verhältnissmässig kleinen Zahlen der Oberschenkel-Amputationen die mit der I Weite des Transports zunehmende Sterblichkeit (vergl. S.91). Immerhin hatten von den in Preussischen immobilen Laza- ]-ethen vorgenommenen Oberschenkel - Amputationen die- jenigen im Beieiche des XI. Armeekorps die geringste (60.0 §), diejenigen in Berlin die höchste (86.6^) Sterblich- keit im Gefolge. Die betreifenden Verhältnisse in den süddeutschen Staaten sind in Zeichnung 1 auf Tafel VI und in Ta- belle XXXVIII zwar gleichfalls berücksichtigt, eignen sich jedoch nicht für Betrachtungen, wie die auf S. 82 und 91 und im Vorstehenden angestellten, weil bei den dorthin gerichteten A'erwundeten-Transporten äussere Rücksichten (insbesondere die Landesangehörigkeit der Verwundeten) entscheidend mitsprachen. Wie die einzelnen Gliedaljsetzungen, Gelenkaussägungen und grösseren Operationen überhaupt auf die Deutschen Kontingente sich vertheilen, ist aus den Tabellen XLll und XLllI der Operationsstatistik ersichtlich. II. Gliedabsetzuiigen. A. Häufigkeit und Ergebnisse der Gliedab- setzungen im Allgemeinen. Wie die 3031 Gliedabsetzungen') (mit 1419 = 46.8 ^ Todesfällen) an Deutschen, welche ausschliesslich der später zu erwähnenden Doppel-Operationen, jedoch einschliesslich der nach vorausgegangener Gelenkaussägung vorgenomme- nen 48 Amputationen^) (mit 33 Todesfällen) aus dem Deutsch - Französischen Kriege bekannt geworden sind, sich einerseits hinsichtlich der Körperstellen, an denen die Absetzung stattfand, andererseits hinsichtlich der Stellen der Verwundung vertheilen, zeigt Uebersicht II. Mehr als ein Drittel (37.i ^) aller in Rede stehenden Operationen (1125 mit 795 = 70.6 § Todesfällen) bestand in Ober- schenkel-Amputationen: von den Verwundungen gaben die- jenigen am Unterschenkel weitaus am häufigsten (647 mal = 21.3 § aller Amputationen mit 363 = 56.i § Todesfällen) Anlass zur Gliedabsetzung (am Oberschenkel, im Kniegelenk und am Unterschenkel selbst). In Uebersicht III sind die aus den grösseren Kriegen seit 1848 -bekannt gewordenen Gliedabsetzungen und ihre Ei'gebnisse mit Berücksichtigung der Stelle der Absetzung zusammengestellt. Die Schlussergebnisse (Läugsspalte 30) Ii Wegen der Abweichung dieser und mancher folgenden Zahl von den Angaben in der Operationsstatistik siehe die Vorbemerkung zu diesem Kapitel auf S. 193. 2) Näheres über diese Operationen siehe unter III dieses Ab- sind nicht ohne Weiteres vergleichbar, weil die Sterblich- keit nach der Summe aller Gliedabsetzungen beträchtlich dadurch beeinflusst wird, ob ein grösserer oder kleinerer Theil dieser Summe aus lebensgefährlichen Operationen (z. B. Oberschenkel-Amputationen) oder verhältnissmässig ungefährlichen (Absetzungen an Mittelhand und Fingern, Mittelfuss und Zehen) besteht. So machen z. B. von der Summe der Gliedabsetzungen im Amerikanischen Rebellions- kriege die Oberschenkel-Amputationen nur 22.2 §, die Ab- setzungen an Mittelhand und Fingern 23.8^ aus, während von den im Deutsch-Französischen Kriege an Deutschen vollzogenen Gliedabsetzungen auf den Oberschenkel 37.i §, auf Mittelhand und Finger nur 16.o {J entfallen. Auf diesen Verhältnissen beruht der anscheinende Widei'spruch, dass bei den in Deutschen Sanitätsanstalten operirten Franzosen der Ausgang — soweit solcher bekannt ist^) — bei jeder einzelnen Gruppe der Gliedabsetzungen günstiger ge- wesen ist, als bei den Deutschen, und dass doch in der Schlusssumme einer Gesammt-Sterblichkeit von 46.8 ^ unter den Deutschen Amputirten eine solche von 49.3 o unter den in Deutschen Sanitätsanstalten operirten Franzosen 1) Wiederholt schon ist darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse bei den in Deutschen Sanitätsanstalteu operirten Franzosen in Wirk- lichkeit ohne Zweifel ungünstiger gewesen sind als die bekannt ge- wordenen Ausgänge erkennen lassen, weil unter den bei dem Abmarsch Deutscher Lazarethe den Französischen Ortsbehörden übergebenen Fran- zösischen Verwundeten, deren weiteres Schicksal diesseits nicht bekannt ist, sich jedenfalls gerade noch verhältnissmässig viele Todesfälle er- eignet haben.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21904923_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


