Grossere Operationen im Kriege 1870/71 / herausgegeben von der Medizinal-Abtheilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums ...
- Date:
- 1890
Licence: Public Domain Mark
Credit: Grossere Operationen im Kriege 1870/71 / herausgegeben von der Medizinal-Abtheilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums ... Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
26/192 page 208
![wurden von je himdert Verwundeten mit Knochen Ver- letzungen der Gliedmaassen behandelt: im bei den Amerikanischen Deutschen Kriege 1870/71 zuwartend erhaltend 43.9 77 g mit Aussägung (eines Gelenkes oder im Verlaufe eines Schaftes) ... 7.7 5.7 mit Gliedabsetzuug 48.4 16.7 Es starben nach Knochenverletzung der Gliedmaassen von je hundert im bei den Amerikanischen Deutschen Kriege 1870/71 zuwartend-erhaltend Behandelten . . 17.9 2Ü..5 mit Aussägung Behandelten .... 27.5 39.1 mit Gliedabsetzung Behandelten . . 25.8 45.7 überhaupt Behandelten 22.4 25.8 Bei jeder Behandlungsweise der Knochenverletzungen findet sich also die grössere Sterblichkeit im Deutsch- Französischen Kriege. Für jede der einzelnen Gruppen erklärt diese Thatsache sich leicht aus dem vorhin ent- wickelten Grundsatz, nur bei sehr schweren Verletzungen zu beraubenden Operationen zu schreiten, wobei nicht nur für letztere die Aussichten sich verschlechterten, sondern nothwendig auch die Erfolge der Aussägung und der im engeren Sinne erhaltenden Behandlung durch Ausdehnung derselben auf Fälle, welche anderwärts die Amputation veranlassten, beeinträchtigt werden mussten. Wohl aber darf angesichts des Schlussergebnisses, wonach von allen Verwundeten mit Knochenverletzungen') der Gliedmaassen bei den Amerikanern nur 22.4 bei den Deutschen aber 25.8 ^ gestorben sind, auch hier die von Kriegschirurgen wiederholt angedeutete Frage aufgeworfen werden, ob nicht im Deutsch-Französischen Kriege in dem Bestreben der Gliederhaltung hier und da weiter gegangen ist, als in Anbetracht der damaligen Wundbehandlung, welche im Allgemeinen keinen wirksamen Schutz gegen Infektion zu gewähren vermochte, zweckmässig gewesen sein mag. Berechtigt erscheint solche Frage theilweise auch im Hinblick auf Dasjenige, was in den Kapiteln VII bis XI im Speziellen Theil dieses Bandes sowie nach- stehend unter III dieses Abschnittes (Gelenkaussägungen) und im nächstfolgenden Abschnitt (Schaftaussägungen) über ^) Uebrigens bleibt hierbei zu berücksichtigen, dass die Frage, ob eine Knochenverletzung vorliegt oder nicht, oft genug schwer zu entscheiden ist, und dass es zweifelhaft bleibt, ob in dem Amerikanischen und in diesem Berichte in dieser Beziehung gleichmässig verfahren ist. In Uebersicht V sind alle diejenigen Fälle ausser Betracht ge- lassen, welche im Speziellen Theile dieses Bandes als hinsichtlich der Knochenverletzung „zweifelhaft bezeichnet worden sind. Die in Uebersicht V allein aufgeführten sicheren 16 666Knochenverletzungen machen 24.« aller 67 765 Gliedmaassenverwundungen aus; im Ameri- kanischen Berichte (a a. 0.) werden von 174 206 Gliedmaassenwunden 60 266 = 34.6 U als „mit Verletzung des Knochengewebes komplizirt bezeichnet. die Gebrauchsfähigkeit der Glieder bei den unter er- haltender Behandlung Geheilten sich niedergelegt findet,') desgleichen vorstehend auf S. 155 über den Verlauf bei erhaltend Behandelten. Auf 51099 Weichtheilwunden bezw. hinsichtlich einer etwaigen Knochenbetheiligung zweifelhafte Verletzun- gen der Gliedmaassen*) entfallen nur 254^) Gliedabsetzungen. Die Zahl derselben war also eine sehr geringe (O.5 § der Verwundeten), ihr Ausgang aber ungünstiger als derjenige der Gliedabsetzungen nach Schussbrüchen (siehe unten), olfenbar weil nach Weichtheilwunden nur in ziemlich ver- zweifelten Fällen — insbesondere wegen Blutungen und eingetretenen Brandes — zur Amputation geschritten wurde. Es starben von jenen 254 Operirten 148') — 58.2 Im Amerikanischen Kriege war übrigens die Zahl der Glied- absetzungen nach (113 940) Weichtheilwunden noch ge- ringer: 283 = 0.24-1 der Verletzten, ihr Ausgang noch übler: es starben 171 =: 60.4^ der Operirten. Von den 8052 eigentlichen Schussbrüchen*) des Ober- und Unterarmes sowie des Ober- und Unterschenkels (aus- schliesslich der Gelenkwunden) sind laut der Uebersicht auf S. 1004 im Speziellen Theile dieses Bandes im Kriege 1870/71 bei den Deutschen 1205 = 15.0 -g- mit Amputation behandelt worden; von diesen Operirten starben 52.9 g^, während von den 6847 ohne verstümmelnde Operation behandelten derartig Verwundeten 27.1 ^ erlagen. Zieht man die oben genannten Zahlen von den Summen der betreffenden Zahlen in den Querspalten 2, 4, 8 und 10 der Uebersicht V ab, so ergiebt sich, dass von 1469 Knochenverletzungen ohne Aufhebung des Zu- sammenhanges an den Diaphysen der grossen Röhren- knochen nur 20 = I.4 % zu Gliedabsetzungen geführt haben, von denen jedoch nicht weniger als 17 = 85.o ^ tödtlich endeten. Die Schussbrüche des Unterarms, des Oljer- und Unter- schenkels (nicht aber diejenigen des Oberarms) sind im Speziellen Theile dieses Bandes unterschieden in einfache 1) Siehe auch nachstehend S. 219 über die noch viele Jahre nach dem Kriege nothwendig gewordenen Gliedabsetzungen. ^) Obige Zahl wird gewonnen durch Abzug der Schlusszahl in Längsspalte 2 der vorstehenden Uebersicht V von der entsprechenden Zahl auf S. 1011 im Speziellen Theile dieses Bandes. 3) Durch Abzug der betreffenden Zahl in Uebersicht V von der- jenigen in Uebersicht II gewonnen. 4) In der Ueberschrift der Tabelle auf S. 878 in Part. III, surg. vol., des Amerikanischen Berichtes sind sämmtliche oben erwähnten 60 266 Knochenverletzungen als Schussbrüche bezeichnet; aus dem Texte geht jedoch hervor, dass diese Zahl alle Wunden umfasst, welche „mit Verletzung des Knochengewebes komplizirt' (vergl. neben- stehende Anmerkung 1) waren. — In diesem (Deutschen) Berichte sind unter Schussbrüchen überall nur die Knochenverletzungen mit Aufhebung des Zusammenhanges verstanden. — Die Verwundungen! an Hand und Fuss sind in obige Zusammenstellung (ebenso wie auf S. 1004 des Speziellen Theiles dieses Bandes) nicht aufgenommen, weil bei diesen Körpertheilen die Unterscheidung zwischen .,Bruchj und „Knochenverletzung ohne Bruch vielfach eine zu unsichere ist. ] I](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21904923_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


