Grossere Operationen im Kriege 1870/71 / herausgegeben von der Medizinal-Abtheilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums ...
- Date:
- 1890
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Credit: Grossere Operationen im Kriege 1870/71 / herausgegeben von der Medizinal-Abtheilung des Königlich Preussischen Kriegsministeriums ... Source: Wellcome Collection.
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![sei wie bei den oben erwähnten 24 104 daraufhin gezählten Verwundungen, so entfielen auf G4 038 Verletzungen durch Infanteriegeschosse 3727 solche durch Artilleriefeuer. Setzt man zu letzteren Ziffern die oben angeführten Zahlen der Gliedabsetzungen nach beiden Arten von Verletzungen in Beziehung, so ergiebt sich, dass nur 4.o § aller muth- maasslichen Gewehrschusswunden, aber 14.2 (also mehr als das Dreifache) aller muthmaasslichen Verletzungen durch grobes Geschoss früher oder spätei- mit verstümmelnder Operation behandelt worden sind. Nach Verwundung durch Mitrailleusen oder durch andere Gewehre als das Chassepot sind nur wenige Gliedabsetzungen belichtet. Die vorhandenen Angaben sind nachstehend zusammengestellt: Nach Verwundung durch Wall- Minie- Tabatiere- büchseii) Gewehr3) Gewehr^) Absetzung Mitrailleuse' im Schulter- j a. Operirt ... 2 geleiik \ b. davon gestorben — am Oberarm am Unterarm a. Operirt ... 5 b. davon gestorben 1 a. Operirt ... 1 b. davon gestorben — am Ober- f a. Operirt Schenkel l b. davon gestorben 6 Schenkel Ib. fa. 0] \ b. df avon estorben 2 Summe ra. l b. a. Operirt . . .22 davon gestorben 9 Ausserdem wird noch einige Male^) die Verwundung eines später abgenommenen Gliedes durch 2 Kugeln er- wähnt, wobei gleichfalls an Mitrailleusenverletzung gedacht werden kann. Endlich sei auf eine günstig verlaufene primäre Ober- schenkel-Amputation wegen Verwundung des Ober- und Unterschenkels durch 16 Shrapnelkugeln hingewiesen.) Wegen der bei einer geheilten, gleichfalls primär vorgenommenen Absetzung des Oberschenkels^) befindlichen Angabe „Zerschmetterung durch ein Sprenggeschoss vergleiche die Ausführungen auf vorstehender Seite 3 ff. 1) Ausser den betreffenden, in Aimierkung 1 auf vorstehender Seite 14 aufgeführten Fällen siehe noch Y. Band dieses Berichtes, S. 5 No. 31. 2) Siehe vorstehend S. 12, Anmerkung 1, unter a. 3) Siehe vorstehend S. 13. Die im V. Bande dieses Berichtes auf S. 59 No. 71 und S. 585 No. 7 befindliehen Angaben beziehen sich auf den nändichen Verwundeten. Siehe vorstehend S. 13. 5) Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 31 No. 112, S. 48 No. 267, S. 132 No. 311. Wegen gleichzeitiger Verwundung anderer Körpertheile siehe nachstehend S. 232. 6) Siehe V. Band dieses Berichtes S. 161 No. 82. V) Siehe ebendas. S. 154 No. 13. Nach Verletzungen durch blanke Waffen ist nur einmal die Absetzung eines grösseren Gliedes nothwendig geworden, und zwar eine tödtlich verlaufene sekundäre Amputation am Oberschenkel wegen einer Hiebwunde des Kniegelenks.') Ausserdem findet sich nur noch die Aus- lösung dreier Finger der linken Hand, gleichfalls in Folge eines Säbelhiebes, mit Ausgang in Heilung berichtet.'') C. Häufigkeit und Ergebnisse der Gliedab- setzungen nach Zeit und Ort der Ausführung. (Primäre, sekundäre, intermediäre imd späte Operationen auf Verbandplätzen und in Lazaretlien auf dem Kriegs- schauplätze und im Inlande. — Gescliiclitliclie TJeber- siclit der Lelire betfelfend primäre und sekundäre Grliedabsetzung.) Offenbar in innerem Zusammenhange mit der 1870, 71 herrschenden Anschauung, dass der erhaltenden Behandlung möglichste Ausdehnung zu geben sei, steht die geringe Zahl der vorgenommenen primären Gliedabsetzungen, wenngleich schon im Vorangegangenen (S. 198) entwickelt wurde, dass letztere wahrscheinlich immerhin etwas häufiger vorgenommen worden wäi'en, wenn nicht vielfach Zeit und Kraft dazu gefehlt hätten. Aus der Längs- spalte 30 der nachstehenden Uebersicht VIH ergiebt sich, dass in den neueren grossen Kriegen von je hundert Glied- absetzungen, bei denen die Zeit der Ausführung bekannt^ ist, primär vorgenommen wurden bei den Engländern in der Krim . 89.3 bei den Franzosen in der Krim . . 67.8 bei den Amerikanern 68.8 bei den Deutschen 1870/71 . . 38.i Von den in Deutschen Sanitätsanstalten an Franzosen vorgenommenen Amputationen waren sogar nur 34.o § pri- märe. Eine noch geringere Zifler (32.o ^) entfällt nach Uebersicht VIH auf die Primär-Amputationen nur noch bei den Franzosen in Italien, aber die aus diesem Kriege vor- liegenden bezüglichen Angaben sind von geringem Werth, weil sie nur für einige Absetzungen im Schultergelenk, am Oberschenkel und Unterschenkel ermittelt sind und auch bei diesen Operationen — wie ein Vergleich der Ueber- sicht VIII mit Uebersicht III erkennen lässt — nur einen verhältnissmässig geringen Bruchtheil der entsprechenden Gesammtzahlen ausmachen. Allerdings ist nicht zu entscheiden, in wie weit die Begriffe „primär' und „sekundär in den verschiedenen Ki'iegsberichten gleichmässig aufgefasst, in wie weit also obige Zahlen untereinander wahrhaft vergleichsfähig sind. 1) Siehe V. Band dieses Berichtes, S. 204, No 192. 2) Siehe ebendaselbst S. 125 No. 234. ^) Betreffs der Häufigkeit und der Ergebnisse von Glied- absetzuugen nach dem Monat der Ausführung siehe vorstehend S. 195.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21904923_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


