Ueber die Entwickelung der Knochensubstanz nebst Bemerkungen über den Bau rachitischer Knochen / von Prof. Heinrich Müller.
- Müller, Heinrich
- Date:
- 1858
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Credit: Ueber die Entwickelung der Knochensubstanz nebst Bemerkungen über den Bau rachitischer Knochen / von Prof. Heinrich Müller. Source: Wellcome Collection.
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![Erstes Auftreten achter knoeheusiibstniiz nii Röhrenkiiocheu. Ks ist nodi das erste Auftreten der ächten Knochensub- slanz nn den Röhrenknochen zur Sj)racho zu bringen, welche nachsl den unabhängig von Knorpel entstehenden sogenannten secundä- ren oder Deckknochen die frühesten Ossificalionskerne zeieen. Die Schwierigkeiten sind hier dadurch viel geringer, dass die ächte Knochensuhslanz, wie es scheint allgemein, zuei'st als peripherischer Be- leg des Knorpels auftritt, in derselben Weise, wie später bekannterniaassen das Dickenwachsthum vom Periost her geschieht. Gegen die Zeit des Auftretens der Knochenkerne in den Miltelstücken der Rühi'enknochen erleidet der Knorpel ähnliche Veränderungen, wie sonst vor der Verkalkung. Von den Enden des Knorpels anfangend trifft man zuerst eine kleinzellige, nocli etwas weichere Substanz, dann wach- sen die Zellen, indem die Grundsubstanz etwas zunimmt und fesler wird, fjuer gegen die Axe des Gliedes aus, so dass sie meist die Form einer Linse haben, deren Flächen den Enden des Knorpels zugewendet sind; endlich gegen die ÄJitte der künftigen Röhre werden die Zellen in allen Richtungen grösser, rundlichen Blasen ähnlich. Hier tritt dann die Kalk- ablagerung auf und es entsteht das grosszellige Kalknelz, wie es fast überall als Vorläufer der eigentlichen Ossificalion gesehen wird. Auch hier ist häutig eine Gruppe von Zeilen in eine einzige grössere Höhle ein- geschlossen. Diese Verkalkung schreitet dann gegen die Enden des Knor- pels fort, wobei die Vergrösserung der Zellen vor ihr her läuft. Die ver- kalkte Knorpelmasse zerfällt nachher, wobei ihr Raum von Knochenmark eingenonunen wird, und nachdemGefässe in das Innere gedrungen sind*), bildet sich von den Markräumen aus ächte Knochensubstanz, wie es frü- her ])eschrieben wurde. Dies geschieht jedoch hier, wie es scheint, stets erst, nachdem eine deutliche Knochenbildung an derOberlJäche des Knor- pels zu Stande gekommen war. Die Knorpeloberfläche ist zunächst dadurch ausgezeichnet, dass an ihr die Zellen platt und longitudinal verlängert sind , wodurch sie im Profil spindeiförmig erscheinen, während sie sich von der Fläche mehr oder weniger linsenförmig zeigen. Diese peripherische Schicht nimmt von den Apophysen hei- an Ausbildung zu, und erreicht zuweilen (am Obei'schenkel vom Rind) eine solche Dicke, dass man im Profil 4—5 der schmalen Zellen hintereinander stehen sieht. Diese Zellen bilden hier wie anderwärts (z. B. an den Rippenknorpeln) den Uebergang zu dem um- gebenden Gewebe, das man, wenn man will, als Perichondrium, wohl besser als Anlage der Knochenröhre und ihres Periostes deuten kann,' doch sind dieselben noch mehr zum Knorpel zu rechnen, indem nicht nur 4) Vor dem Auftreten der Knorpelvcrkalkung und der peripticrisclicn Kiioclienrinde habe ich in den Exlrcinitälen nirgends Knorpeilianiile gesehen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21478879_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)