Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia sexualis / von Eugen Dühren [pseud.].
- Iwan Bloch
- Date:
- 1901
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Credit: Der Marquis de Sade und seine Zeit. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer Beziehung auf die Lehre von der Psychopathia sexualis / von Eugen Dühren [pseud.]. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Eine wahrhaft wissenschaftliche Beurteilung gewisser typischer Persönlichkeiten ist nur auf diesem Wege möglich, wenn auch keineswegs die Bedeutung der einzelnen Individualität als solcher verkannt werden soll. Wir müssen uns auf Grund unserer Studien über den Marquis de Sade durchaus den Ansichten eines bedeutenden Soziologen der Gegenwart anschliessen1), dass „das per- sönliche Ich nur den Gipfel und Schlusspunkt psychischer Faktoren überhaupt bildet. Schon psychiatrische Unter- suchungen über die Zersetzung und Entartung unseres Ich haben diesen Gedanken nahe gelegt, dass unsere Persönlichkeit nicht den Anfang, sondern eher das Ende einer unendlich langen, in die Nacht des Unbewussten hinabreichenden psychischen Thätigkeit darstellt, die wir freilich nicht überall bis auf den letzten Ursprung hin erfassen können. Durch die Beobachtung des gesell- schaftlichen Lebens und insbesondere der stetigen Wechselwirkung des Einzelnen mit der ihn u m gebenden Gemeinschaft ist diese Hypothese zum Range einer wissenschaftlich beglaubigten Thatsache erhoben. Hier ist in den allermeisten Fällen nicht vor- bedachte Ueberleg img und völlig freie Selbstbestimmung entscheidend, sondern gewohnheitsgemässe An- passung, das Wirken dunkler, unbewusster Triebe und Regungen, ohne dass der Einzelne sich jederzeit der treibenden Gründe klar bewusst wird.“ Sitten und Bräuche, rechtliche, ästhetische und religiöse Gebilde sind grösstenteils organische Entwickelungen ohne bestimmtes, zweckbewusstes Eingreifen seitens des In- dividuums. Unsere Gefühle und Empfindungen entspringen trotz ihres eigenartigen individuellen Charakters „aus ]) Achelis a. a. 0. S. 73—74.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21710788_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)