Die Vererbung innerer Krankheiten / von Wilhelm Weitz.
- Weitz, Wilhelm, 1881-
- Date:
- 1949
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Credit: Die Vererbung innerer Krankheiten / von Wilhelm Weitz. Source: Wellcome Collection.
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![sonstigen Gründen geschwächt sei, und daß die Erkrankung auf eine Schädigung des unbefruchteten Eies zurückzuführen sei — eine Anschauung, die sich mit früher von anderen Autoren geäußerten berührt. Der Erblichkeit kommt dabei offenbar keine ins Gewicht fallende Rolle zu. Was für die mongoloide Idiotie gilt, gilt auch für die mit ihr korrelierten ange¬ borenen Herzfehler, Als weitere exogene Ursache von Mißbildungen kommen Infektionen und Intoxi¬ kationen der Mütter in der Schwangerschaft in Betracht, Französische, italienische und vereinzelt auch deutsche Autoren haben sich dafür eingesetzt, daß die auf den Fötus übertragene Syphilis angeborene Herzfehler ver¬ ursachen könne. Einige der aufgestellten Behauptungen, wie die von de Stefano, daß von 32 angeborenen Herzmißbildungen 27 durch Lues congenita bedingt seien, und die von Hahn, daß von etwa 130 Patienten mit reiner Mitralstenose (D u r о s i e z] 80 bis 90 % an kongenitaler Lues litten, wird man allerdings nicht für richtig halten können. Mehr Vertrauen verdienen die Angaben von F о u r n i e r , der unter 63 Fällen mit Lues kongenita eine Polydaktylie, eine Ohrmißbildung und 3 angeborene Herzr mißbildungen (über die keine näheren Angaben gemacht sind] fand und von H о с h - singer, der unter 500 Kindern mit kongenitaler Lues 7 mit angeborenem Herz¬ fehler sah. Andererseits konnten Irvine Jones und Rosier unter je 60 Fällen mit kon¬ genitalen Herzfehlern je 4mal Lues kongenita feststellen, Man wird nach diesen Angaben einen Zusammenhang zwischen der angeborenen Syphilis und angeborenem Herzfehler für möglich, nicht aber für bewiesen halten müssen. Pathologisch-anatomisch fand Herxheimer, der eine große Zahl kongenital¬ luetische Früchter imtersuchte, in den verschiedenen Organen am Mesenchym Ver¬ änderungen entzündlicher Natur, allerdings nicht am Herzen, Die Möglichkeit, daß die angeborene Lues Herzmißbildungen bedingt, scheint mir trotzdem gegeben, und zwar vor allem nach Untersuchungen von Ostertag. Ostertag machte zur Feststellung des morphologischen Substats der angeborenen Mißbildungen methodi¬ sche Untersuchungen am Zentralnervensystem und fand bei einem frühgeborenen Kind luischer Eltern, das Spina bifida, enormen Hydrocephalus des Großhirns und mediale Spalt- und andere Hemmungsbildungen im Kleinhirn aufwies, imd daran im Alter von einigen Monaten gestorben war, mikroskopisch, daß die Organ¬ entwicklung des Rückenmarks und des übrigen Zentralnervensystems um die Wende vom 2. zum 3. Embryonalmonat stehen geblieben war, „als mit der Vascularisation der embryonalen Zwischenschicht, sich die luische Schädigung auswirken konnte, und das einstrahlende Mesenchym die Entwicklung störte und fehlleitete. Was am embryonalen zentralen Nervensystem vor sich geht, wird auch am em¬ bryonalen Herzen und seinen großen Gefäßen eintreten können. Entzündliche Wucherungen bestimmter Teile des Mesenchyms werden — so sollte man anneh¬ men — die normale Entwicklung des Herzens stören und je nach der Stelle und der Zeit der Einwirkung verschiedene Mißbildungen hervorrufen können. Englische Forscher (s, Brit, med, J, 1946, 4481—4778, und D, med, Wschr, 1947, 23—24, S. 334) haben neuerdings festgestellt, daß nach Rötelnerkrankung der Mutter 50](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b18020343_0055.JP2/full/800%2C/0/default.jpg)