Ist die Schlafkrankheit der Neger eine Intoxikations- oder Infektionskrankheit? / von Hans Ziemann.
- Ziemann, Hans (Hans Richard Paul), 1865-1939.
- Date:
- [1902?]
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Credit: Ist die Schlafkrankheit der Neger eine Intoxikations- oder Infektionskrankheit? / von Hans Ziemann. Source: Wellcome Collection.
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![NER SENDERS EN, UT 414 Hans Ziemann, lostomum zurückführt, und ich in dem Küstenstriche Venezuelas Anky- lostomiasis als scheinbar recht häufig vorkommend feststellen konnte. Bekannt ist in Afrika, daß die Krankheit nur in bestimmten Distrikten auftritt, während sie in benachbarten oft gar nicht bemerkt wird, daß sie ferner oft explosionsartig auftritt. In Kamerun habe ich die Krank- heit bei den eingeborenen Duala niemals zu sehen bekommen, so sehr ich auch danach forschte. Sie scheint bei den Duala überhaupt nicht vorzukommen. Aeußerst charakteristisch ist, daß sichere Fälle von Er- krankung bei Weißen noch nicht beobachtet zu sein scheinen, ferner daß Kinder unter 3 Jahren nie oder äußerst selten erkranken. Auch das werde ich unten beleuchten. Während meiner regierungsärztlichen Thätigkeit in Kamerun 1899/1900 hörte ich, daß die Krankheit, die be- kanntermaßen am Congo ja schon länger wütet, auch im nördlichen Angola ganz außerordentliche Verheerungen anrichtete. Dort sollen ganze Dörfer deswegen aussterben. Ich bat daher den nach Loanda gehenden damaligen Konsul und jetzigen Legationsrat Dr. Gleim, darauf sein Augenmerk zu richten, und teilte ihm die Gesichtspunkte mit, die mir in ätiologischer Beziehung in Frage zu kommen schienen. Legat.-Rat Gleim hatte auch die Liebenswürdigkeit, mir seine ersten Wahrnehmungen schriftlich mitzuteilen Derselbe berichtete dann über die Krankheit in außerordentlich interessanter Weise im Arch. f. Schiffs- und Tropenhygiene 1900. Ich selbst hatte die Absicht, nach Beendigung meiner regierungsärztlichen Thätigkeit in Kamerun, Mai 1900, nach dem Kongo zu gehen und später nach Nord-Angola, um die Krankheit zu studieren, hatte auch schon Empfehlungen der Regierung an die dortigen Behörden, als der betreffende Dampfer mich nicht aus äußeren Gründen aus Victoria nach dem Congo abholen konnte. Statt dessen wurden nun in Victoria und Togo in Ober-Guinea die Beziehungen der Mosquitos zur Malaria festgestellt). Vorher schon gelang es, einen interessanten Fall von Schlafkrank- heit zu beobachten, der zu einigen Experimenten Anlaß gab. Gelegent- lich einer medizinischen Inspektionsreise von Kamerun nach Viktoria, am Fuße des Kamerungebirges, traf ich in Viktoria den Neger Jamba am 10. Februar 1901 an der Schlafkrankheit leidend an. Derselbe ist ein Polizeisoldat, ein Wey-Neger aus Oberguinea, welcher seit 3 Monaten an der Krankheit leiden will; dieselbe hätte mit immer zunehmender Schläfrigkeit und Kopfschmerzen begonnen. In Victoria seit 1 Jahre, dort, was nicht unwichtig ist, mit mehreren Landsleuten einen Haushalt führend. Die Betreffienden bekommen außer der Löhnung von der Regierung wöchentlich eine Ration Zwieback und Salzschweinefleisch, seltener Fisch. Für Gemüse etc. sorgen sie selbst. Ich bemerke gleich, daß die Landsleute der einzelnen Negerstämme in der Fremde meist sehr zusammenhalten, auch zusammen kochen. Vorher war er angeb- lich in Batanga, südlich von Kamerun, bereits 2 Jahre gewesen. In seinem Geburtslande als Erwachsener angeblich zeitweise leichtes Fieber. In Batanga angeblich immer gesund, auch früher angeblich nie ge- schlechtskrank. An Heimweh angeblich nie gelitten, auch nie an über- großer Arbeitslust, in der Beziehung also ein Normalneger. Nicht mehr Alkoholexcesse etc. wie jeder andere Neger. Die erwähnten Momente 1) Ziemann, H., Ueber die Beziehungen der Mosquitos zu den Malariaparasiten in Kamerun. (D. med. Wochenschr. 1900. No. 25.) — 2. Bericht über Malaria und Mosquitos an der afrikan. Westküste. '[Vortr. auf intern. Kongreß zu Paris.] (D. med.: Wochenschr. 1900.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b33453160_0004.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


