Die Krankheiten der frauen : aerzten und studirenden / geschildert von Dr. Heinrich Fritsch.
- Heinrich Fritsch
- Date:
- 1884
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Credit: Die Krankheiten der frauen : aerzten und studirenden / geschildert von Dr. Heinrich Fritsch. Source: Wellcome Collection.
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![die Umgegend ecehymosirt, ja es kann, wie beim blutigen Schröpfkopf, das Kind Blut ansaugen. Die Nachbarschaft dieser Schrunde, d. h. die Warze, ist mitunter heiss, infiltrirt, wie permanent erigirt und sehr em- pfindlich bei der Berührung. Ausserdem kommen aber noch Schrunden in der Art vor, dass eine, die Basis der Warze gerade an ihrem Uebergange zur Areola umkreisende Wunde sich findet. Sie ist verschieden lang, umzieht die Hälfte oder zwei Drittel der Warze, und macht den p]indruck, als ob die Warze nicht gleichmässig nach vom, sondern immer nach einer Seite gezerrt und dadurch hier abgetrennt sei. Während die zuerst beschriebenen Schrunden meist spontan heilen und wenig schmerzen, machen die fissurenartigen Schrunden an der Basis der Warze oft enorme Schmerzen, namentlich beim Anziehen des Kindes. Ja wenn die gewissenhafte Mutter trotz der Schmerzen das Kind immer wieder anlegt, so kann die Schrunde immer tiefer gehen, die Warze verlängert sich, wird ganz platt gezerrt, trennt sich fast von ihrer Unter- lage los, sodass sie völlig ihre Form verliert. Leider fällt die Behandlung der Schrunden meistentheils den Heb- ammen anheim. Diese aber wenden eine Unzahl verkehrter Methoden an. Es müsste bei der Beschreibung der Behandlung eigentlich die ganze Diätetik des Säugegeschäftes abgehandelt werden, wozu hier nicht der Platz ist. Die Behandlung der Schrunden geschieht am einfachsten durch dreiprocentige Carbolsäurelösung. Die Carbolsäure soll nicht etwa die Schrunde heilen, sondern sie soll, während der Heilung, welche natürlich ist, die Infectionskeime fernhalten. Da die Wunde täglich beim Säugen wieder aufgerissen wird, so dauert die Heilung oft tagelang, und solange muss auch die Wunde desinficirt erhalten werden. In den Kliniken, wo diese Behandlung durchgesetzt werden kann, kommt kaum eine Mastitis vor. Das Läppchen mit Carbolsäurelösung muss circa alle zehn Minuten, d. h. so oft erneuert werden, wie es austrocknet. Nachts wird eine grössere Compresse mit Gummipapier auf der Brust befestigt. Vor dem Anlegen des Kindes wird durch Abwaschen der Carbolgeruch entfernt. Die Reinigung des kindlichen Mundes wegen Bacterienüber- tragung auf die Wunden der Warze ist dringend nothwendig. Das Kind ist selten anzulegen, nur so oft, dass keine Störung in der Lactation entsteht. Die Dauer der Heilung richtet sich nach der Möglichkeit, der Brust resp. den Wunden an ihr, Ruhe zu lassen. Ist viel Milch vorhanden, wird das Kind an jede Brust nur alle fünf bis sechs Stunden angelegt, so tritt in zwei bis drei, ja oft schon in einem Tage Heilung ein. Saugt das Kind kräftig, vergeblich, ehe sich genügend Milch einstellt, so dauert die Heilung 10 bis 14 Tage. Es ist deshalb F ritsch, Krkhtn. d. Frauen. 2. Aufl. 28](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21023955_0447.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


