Über die Verwendung grosser ungestielter Hautlappen zu plastichen zwecken / von F. Krause.
- Fedor Krause
- Date:
- 1896
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Credit: Über die Verwendung grosser ungestielter Hautlappen zu plastichen zwecken / von F. Krause. Source: Wellcome Collection.
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![die zum Verschlusse des Wangendefektes bestimmten gestielten Lappen an ihrer Wundfiäche mit Hautstücken aus dem Oberarm unterfüttert und zunächst an ihrem ursprünglichen Sitze gelassen, bis die beiden Schichten einigermaßen fest mit einander verwachsen waren. Erst dann — etwa nach 10 Tagen — habe ich den nunmehr gedoppelten Lappen nach ge- höriger Anfrischung in den Defekt eingenäht. Seinen Hauptwerth neben der Behandlung der großen ünterschenkel- geschwüre aber hat das Verfahren in allen jenen Fällen bewiesen, in denen man bisher bei Ausgedehnten Defekten an den Gliedmafsen gestielte Hautlappen nach dem Vorgange von Maas und Wagner zu verwenden pflegte, über die großen Unannehmlichkeiten dieser Methode habe ich mich schon oben ausgelassen. An der Hand von Krankenge- schichten wollen wir die einzelnen Indikationen darlegen, in denen mir das neue Verfahren als Ersatz des älteren gute Ergebnisse geliefert hat. An den Fingern habe ich in dieser Weise dreimal die Volarhaut in größerer Ausdehnung ersetzt und dadurch die Amputation vermieden. Beobachtvmg 9. Der Fall betraf einen Süjährigeu Arbeiter, Trelchem das scharfe jNIesser der Holzbearbeitungsmaschine vom Mittelfinger der rechten Hand fast säramt- liche Weichtheile der Volarseite vom 1. Interplialangealgelenk an nach der Spitze zu und außerdem die Fingerkuppe sammt dem halben Nagel abgeschnitten hatte. Zunächst wurde der Defekt mit Jodoformgaze verbunden, nach der Reinigung die granulirende Schicht abgetragen [und ein Hautlappen eingepflanzt, welcher bei der gleich näher zu beschreibenden Trans]3lantation übrig geblieben war und dem Oberarme dieses Kranken entstammte (siehe Beobachtung 10). Die fremde Haut heilte prachtvoll au, nur an ein- zelnen kleinen Stellen stieß sich die oberflächliche Schicht ab, so dass die Papillen frei lagen. Das funktionelle Ergebnis ist sehr gut, der Kranke kann das zweite Glied fast in normaler Weise beugen, vom dritten Gliede ist so wenig vorhanden, dass dies nicht stört. Die neue Haut hat sich bei der Arbeit als durchaus widerstandsfähig erwiesen. Das Verfahren hat in diesem, wie in zwei ganz ähnlichen anderen Fällen den betreffenden Arbeitern die Finger brauchbar erhalten. Beobachtung 10. Der 55jährige Arbeiter erlitt am 9. August 1894 eine schwere Maschinenverletzung der rechten Hand. Es wurden ihm die vier letzten Finger ganz, ferner am Dorsum wie au der Vola manus die gute Hälfte der Haut und der Sehneu abgerissen. Im weiteren Verlaufe stießen sich noch Weichtheile ab, so dass die Meta- karpalknochen zum Theil bloßgelegt wurden. Wäre in dieser Zeit die Amputation aus- geführt worden, so hätte man, um genügende Hautbedeckung zu bekommen, mindestens die vier Mittelhandknochen exartikuliren müssen, und der ziemlich unversehrte Daumen wäre dann so gut wie unbrauchbar gewesen. Aber gerade die Mittelhand wollte ich erhalten, damit sie später in Verbindung mit dem Daumen das feste Zufassen ermög- lichte und so eine gewisse Gebrauchsfähigkeit der rechten Hand schüfe. Als die Wunde gereinigt war, wurden die Granulationen exstirpirt, dabei die Metakarpalknochen stellen- weise wieder freigelegt, und der Defekt durch einen großen, ungestielten Hautlappen aus dem rechten Oberschenkel gedeckt. Seine Ausdehnung in der Richtung vom Daumen nach dem kleinen Finger hin betrug 8 cm; seine Höhe auf dem Dorsum 3 cm.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21215820_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


