Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit gleichmässiger Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmacopoe / bearbeitet von W. Bernatzik und A.E. Vogl.
- Date:
- 1886
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit gleichmässiger Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmacopoe / bearbeitet von W. Bernatzik und A.E. Vogl. Source: Wellcome Collection.
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![12. Sulfur, Schwefel. In reinem Zustande der Haut in Staubforra zugefiihrt, ver- ursacht der Schwefel selbst nach langerer Zeit keinerlei Veran- derung-en derselben, iind wirkt aucli nicht in aufFalliger Weise schadlicb aiif Kratzmilben. Naclidriicklich eingerieben, wird derselbe, indem er in chemische Beziehungen zu den Fetten und andern Bestandtlieilen der HaiTtsecrete tritt, in wirksame Verbindungen iiberfiihrt, welche anf zarten Hautstellen reizend, aiif Parasiten toxisch Avirken, zumal dann, wenn er niit alkalischen (Seifen) Oder anderen seine Lfislichkeit bedingenden Hubstanzen in Ver- bindung gebracht wird. Der in wasserigen, neutral sowie sauer reagirenden Fliissig- keiten imlosliche Schwefel ist geschmacklos und verhalt sich im Magen indifferent. Erst im Darmkanale tritt er in chemische Beziehungen zu den in Zersetzung' begritfenen eiweissartigen Substanzen und dem freien Alkali der dort vorhandenen Secrete, wodurch es zur Bildung von loslichem Schwefelalkali (Na H S) nebst Schwefelwasserstoff (H2 S) komnit {Regensburger)^ welche einen verhaltnissmassig starken Reiz auf dessen Schleimhaut aus- iiben und den Darm zu verstarkter Peristaltik anregen. Dosen von 5—6 Grm. fein g-epulverten Schwefels rufen Kollern im Leil)e und nach H 2 S riechende Darmentleerungen hervor, ohne Appetit und Verdauung zu storen, oder andere Beschwerden, geringe Leibesschmerzen ausgenommen, zu vernrsachen. Der grosste Theil des in den Magen eingefiihrten Schwefels findet sich im Darmkothe wieder. Darmwurmer scheinen durch die Masse der aus dem Schwefel hervorgegangenen Verbindungen wenig afficirt zu werden. Je feiner derselbe zertheilt ist, einer urn so gerin- geren Gabe bedarf es, um jene Erscheinungen zu veranlassen, voni priicipitirten kaum die Halfte, um den gleichen Elfect hervorzubringen. Nach langer fortgesetztem Gebrauehe kann es zu cinem chronisehen Darmkatarrhe kommen. Die in das Blut dilfundirenden Schwefelverbindungen werden unter dem p]influsse activen Sauerstoifes daselbst zu unterschwefligsaurem und schAvefel- saurem Alkali umgewandelt ,^Z?/<7/l'(?«i9w 187]) und rait dem Nieren- secrete abgefiihrt. Von Schwefelmilch gehen bis46''/o, von Schwefel- blumen ]5Vo in Su 1 fa t e (Krause 1853), ein Theil uberdies in Form gepaarter Schwefelsaureverbindungen (Regensburger 1876) in den Harn iiber. Ihre Zunahme ist bedeutender, wenn der Schwefel nicht durch Diarrhoe abgeschieden wird. Sehr geringe Mengen von dem im Blute durch die dort vorhandenen kohlensauren und basisch phosphorsauren Alkalien gebundenen Schwefelwasserstoff gehen unter dem Einflusse der auf sie in der Haut und in den Lungen wir- kenden sauren Excrete, namentlich unter dem Einflusse der Kohlen- saure uberdies noch in die Haut- und Lungenausdiinstung fiber. Die Allgemeinwirkungen des Schwefels lassen sich ihreni We sen nach auf die Bildung von Schwefelwasserstoff und dessen Einfluss auf das Blut und die Nervencentren zuriiekfiihren, doch](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924405_0111.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)
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