Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit gleichmässiger Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmacopoe / bearbeitet von W. Bernatzik und A.E. Vogl.
- Date:
- 1886
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit gleichmässiger Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmacopoe / bearbeitet von W. Bernatzik und A.E. Vogl. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Auf die aiitlielniiutische Wirkuug der Kamala, welche iii'spriiuglicli in ihreu Heimatslandern zum Gelbfarbeu der Seide beniitzt wurde nnd in Indieii als volkstliuniliches Bandwurmmittel, sowie als Heilmittel bei verschiedeneu Hautkraukheiten seit Langem in grossem Ansehen stand, liat zncrst/rivwr (1841) aufmerksam geniacht. Das Mittel wurde dann von englischeu Aerzten zunaclist in Indien uud spater in England gegen Bandwiirmer und extern bei Herpes circinnatus niit Erfolg angewendet nnd daraul'hin in den Sechziger-Jaliren in europaische Plianuacopoen aufgenommen. Kamala ist ein sicher wirkendes (Vstodenniittel, welches den meisten anderen allgemein gebrauchlicheii Bandwunnmitteln gegeniiber sicli durch mildere Wirkime,' sowie durcli Geriich- und Geschmacklosigkeit aitszeichnet und dalier besonders fiir Kinder imd Frauen, sowie fiir scliwacldiclie Individuen iibcrliaupt sieli empfiehlt. Der Misscredit, in welcben das Mittel bei manchen Praktikern gekonimen ist, ist auf den Umstand zu bezielieu, dass es bei uns besonders in der Neuzeit ausserordentlieli liaufig- ver- falsclit. nanientlich mit Sand (sielie oben) versetzt vorkommt. Man giebt Kamala Erwacliscnen zu 6*0—12'0 auf 2—4mal in Intervallen von ^ ^—i/.j Stunde (12-0 in 4 Port., davon Abends niichtern eine, am nacbsten Morgen die iibrigen ^/iStundlicb, Drasche), Kindern unter 4 Jabren zu TO—2'0, alteren zu 2-0—5'0 in Pulver, Pillen, Bissen, Hehiittelmixtur, audi mit anderen Cestoden- mitteln, z. B. Extract. Filicis maris, in Combination. 3. Cortex Granati, Granatbaumrinde. von Punic a Granatum L., einem urspriinglicb in Vorderasien einheimisclien, dort gleichwie in vielen warineren Gegenden der Erde, besonders ira Mittelmeergebiete cuitivirten und verwildert vorkonnnenden Baume ans der Familie der Myrtaceen. Von den meisten Pharmacopoeu, so auch von der osterreichischen, wird ausdriicklich die Wnrzelrinde (I'ortex radicis Granati) gefordert; man kanu sieli aber leicht davon iiberzeugen , dass die Handelswaare allerdings manchmal au.s Wnrzelrinde, in der Regel aber aus blosser Ast- und Stainmrinde oder aus einem Gemenge von dicser mit Wnrzelrinde besteht. Die Wnrzelrinde bildet meist nnr unausehnliclie , halbflache oder rinnen- ibrniige, zuweilen mit anhaftenden Holzsplitteru verseliene und dann gewolinlicli nach anssen nnigebogene ebenbriicliige Stiicke mit brauner Aussentlache, welclio Liingsrunzeln und zerstreute Hocker, an stiirkeren Stiicken tlaclimusclielige gelli- braune Exfoliationen und unter dem aljgescliabten Korkliberzuge eine gelbe oder gelbbraune Farbe zeigen. Auf der gelblicheu (^uerschnittsllaclie ersclieint die Einde durcli sehr feine radiale und tangeutiale Linien klein gefeldert. Die verschieden grossen, an 1—2 Mm. dicken Stiicke der Ast- und Stammrinde, wie sie gewohnlich die Handelswaare bilden, zeigen eine glatte, gelbe oder rothlich-gelbe Innen- und eine graubraune, runzelige oder mit gelb- braunen Korkleisten verseliene. zwisclien diesen glatte, weissliclie, oft silber- glanzende Aussenflaclie, welclie selir liaulig zersti'eute Flechtenapothekien oder ganze Fleclitenlager triigt. Unter der abgescliabten Aussenrinde ersclieint die glatte, gliiuzend griine Aussenfliiclie der (clilorophj'llfiihrenden) Mittelrinde. Die Granatrinde besitzt einen stark zusanmienziehenden Geschmack in Folge eines ansehnlichen Gehalts (220/0 naeli Wackenroder] an einem eisenblauenden Gerbstoff (Granatgerb- saure), neben welcliem sie auch Gallussaure fiihren soil. Sie enthalt ferner Mannit, Stiirkmehl und sehr reichlicb Kalkoxalat. In den letzten Jabren (1878—18801 wurden darin](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924405_0091.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)