Untersuchungen über die Entwicklung der Spinalnerven ... / von Max Sagemehl.
- Sagemehl, M. (Max)
- Date:
- 1882
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Credit: Untersuchungen über die Entwicklung der Spinalnerven ... / von Max Sagemehl. Source: Wellcome Collection.
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![3. die Spinalnerven des Amphioxus, die nur mit dorsalen Wurzeln vom Rücken- mark entspringen 1). Was das erste der angeführten Argumente betrifft, so beruht es, wie ich oben ausführlich nachgewiesen zu haben glaube, auf einer falschen Voraussetzung; Balfour hat die erste Anlage der sensiblen Wurzel gar nicht gesehn, sondern einen Theil der Anlage des Spinalganglion, welches letztere früher entsteht, als die ventrale Wurzel, für die Anlage der dorsalen Wurzel gehalten. Dasselbe gilt für sein zweites Argument; auch bei den Gehirnnerven hat Balfour einzig und allein die Anlagen der Ganglien beobachtet. Die Fasern dieser Nerven wachsen, wie ich mich für einige Nerven wenigstens —- allerdings nur bei einer flüchtigen Untersuchung — am Hühnchen überzeugen konnte, erst nachdem die Ganglien sich vom Rückenmark abgelöst haben, aus den ventralen und lateralen Theilen desselben hervor. Ueberdies wäre es auch, falls Balfour wirklich richtig beobachtet hätte, durchaus nicht einzusehn, wie der Befund an den Hirnnerven zu Gunsten seiner An- sicht verwerthet werden könnte, da es wohl keinem Zweifel unterliegt, dass der Kopf gegenüber dem Rumpf nicht ein primitiveres, sondern ein viel weiter umgebildetes Verhalten besitzt. Unter allen Gehirnnerven haben, wie Gegenbaur gezeigt hat, diejenigen, welche zum Vagusstamm zusammengetreten sind, in der Art ihrer peripheren Verästelung noch am meisten ihr ursprüngliches Verhalten bewahrt; and gerade der Vagus besitzt bei Selachiern nicht selten 2 bis 3 feine ventral entspringende Wurzelfäden2). Hiernach scheint es mir viel wahrscheinlicher zu sein, dass die ventralen und dorsalen Wurzeln bei den Hirnnerven, die proximal vom Vagus liegen, sich mit einander vereinigt haben, als die Balfour’sche Annahme, dass die ventrale Wurzel vollständig fehlt. Der Befund beim Amphioxus bietet ebenfalls für die An- sicht von Balfour keine Stütze; denn seine Angaben, dass der Amphioxus keine ventralen Nerven besitzt, (eine Annahme welche er, auch noch in zwei späteren Arbeiten [5 und 6] aufrecht zu erhalten bestrebt ist), sind nichts weniger als sicher ge- stellt. Nach Prof. S t i e d a ’s3) Beobachtungen, welche im Wesentlichen von Schnei- der4) bestätigt werden konnten, besitzt der Amphioxus Nerven, welche alternirend bald dorsal, bald ventral entspringen. Ich glaube diese Angaben bestätigen zu können. Bei Durchsicht von Querschnittserien ist es leicht zu constatiren, dass auf jeder Seite, ausser den dicken in jedem 2. Körpersegment entspringenden dorsalen Nerven, in den zwischen- liegenden Segmenten dünne, aus feinen Fibrillen bestehende Fädchen die Scheide des Rückenmarks ventral und lateral durchbohren. Die Fibrillen dieser Fädchen kann man eine Strecke weit zwischen die Längsfasern des Rückenmarks verfolgen. Diese Fasern treten nicht in einem compacten Bündel aus, sondern sie sind, wie schon 1) 5. p. 689—692 und 6. p. 158. 2) Vergleiche Gegenbaur (19. p. 264 —277 und 18 p. 521 f.). Bei den niedrigst organisirten Selachiern, den Notidaniden, lassen sich sogar bis 4 ventrale Vaguswurzeln nachweisen. 3) 52 p. 46, 47. 4) 45 p. 15, 16. 6](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28750846_0047.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)